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„Die japanische Wirtschaft steuert auf ein massives Problem zu“

Auf der FondsConsult Investment-Konferenz in Hamburg sprachen wir mit Steve Glod, Fondsmanager bei BLI - Banque Luxembourg Investments, ob die sogenannten Abenomics von Erfolg gekrönt sind – und wie man erfolgreich in japanische Aktien investiert.

05.04.2017 | 16:03 Uhr von «Dominik Weiss»

Seit dem Platzen der Immobilienblase Mitte der neunziger Jahre ist die japanische Wirtschaft in der Rezession gefangen. Die Inflationsrate oszilliert um null Prozent, das BIP war zuletzt wieder rückläufig. Premierminister Shinzō Abe versucht seit vier Jahren, mithilfe von Konjunkturprogrammen, einer enormen Geldschwemme und tiefgreifenden Deregulierungen den Teufelskreis zu durchbrechen.

BLI ist das Kompetenzzentrum der Banque de Luxembourg für die Bereiche Fondsmanagement, Analyse und Wertpapierauswahl. Steve Glod managt dort den BL Equities Japan B Cap, der in Aktien japanischer Unternehmen investiert.

FR: Herr Glod, wie ist es denn derzeit um die japanische Wirtschaft bestellt?

Glod: Zuallererst müssen wir einmal feststellen, dass Japan eine Zone niedrigen Wachstums bleiben wird. Allerdings müssen wir das Land auch im internationalen Vergleich sehen. Immerhin ist Japan mit einem BIP von 4,1 Milliarden US Dollar nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Allerdings hat die Wirtschaft vor Ort mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen.

FR: Als da wären?

Glod: Zum einen stagniert die Gesamtbevölkerung bei etwa 127 Millionen bzw. ist seit kurzem sogar rückläufig. Außerdem beträgt der Anteil der erwerbsfähigen Altersklasse, den 15- bis 64-Jährigen, mittlerweile nur noch knapp 60 Prozent. In Deutschland und der OECD sind es noch rund 66 Prozent. Japan hat nun aber eine sehr homogene Bevölkerungsstruktur, in der es fast keine Zuwanderung gibt, was dazu führt, dass bei einer sehr niedrigen Arbeitslosigkeit von knapp drei Prozent der Pool der Erwerbstätigen weiter schrumpft. Da in den meisten Branchen bereits Vollbeschäftigung herrscht, steuert die japanische Wirtschaft also auf ein massives Problem zu.
FR: Wo lassen sich die Probleme der japanischen Unternehmen beobachten?

Glod: Zum Beispiel ist die Arbeitsproduktivität, die in verschiedenen Branchen im internationalen Vergleich teilweise stark hinterher hinkt. Während im Maschinenbau und in der Chemie teilweise zwanzig Prozent mehr Produktivität als in den USA erzielt werden, liegt sie vor allem in den personalintensiven Branchen des Dienstleistungssektors – Finanzen, Versorger, Logistik, Groß- und Einzelhandel und Gastronomie – oftmals dramatisch darunter. 

FR: Haben denn die Abenomics bereits eine Auswirkung auf die Wirtschaft gezeigt?

Glod: Die erste Stufe der Abenomics ab 2013 beruhte vor allem auf einer expansiven Geldpolitik, fiskalpolitischen Maßnahmen sowie Wachstumsstrategien und Strukturreformen. Seit 2016 orientieren sich die Abenomics auch an konkreten Zielen wie zum Beispiel einem BIP von über 600 Billionen Yen (5,7 Mrd. €) bis 2020. Das lässt sich aber nur mit einem jährlichen Wachstum von über drei Prozent erreichen.    Aber auch dem Bevölkerungsschwund will Abe Einhalt gebieten, indem die Geburtenrate auf 1,8 gesteigert wird. Diese Ziele sind sehr ambitioniert, aber leider sehe ich dazu keine Alternative.   Die Abenomics haben jedoch im Bereich der Aktienunternehmen bereits zu ersten Verbesserungen geführt: So ist die Anzahl der externen Aufsichtsratsmitglieder massiv gestiegen. Heute hat fast jede japanische Aktiengesellschaft mindestens einen Aufsichtsrat, der nicht dem Unternehmen angehört. Vor fünf Jahren waren es gerade einmal die Hälfte. Und die Aktionäre profitieren mittlerweile vor allem durch höhere Dividenden und extensive Aktienrückkaufprogramme, was zum Teil aber auch auf die gute Performance des Aktienmarktes zurückzuführen ist.   

FR: Das hilft den Unternehmen aber nicht, wenn sie in Zukunft keine Arbeitskräfte mehr finden.

Glod: In der Tat. Und dabei wird in Japan schon wesentlich länger gearbeitet als in anderen Ländern. Also unternimmt die Regierung Anstrengungen, die Zahl der Erberbstätigen zu steigern, indem zum Beispiel Frauen und ältere Menschen besser auf dem Arbeitsmarkt eingebunden werden, aber auch, indem die Arbeitszeit verkürzt wird. Das alles sind jedoch Maßnahmen mit sehr langfristigem Charakter. Insgesamt sind einige fundamentale Veränderungen in der japanischen Arbeitsmentalität vonnöten.

FR: Was leiten Sie aus diesem Umfeld für die Anlage in japanischen Aktien ab?
Glod: Unsere Aktienauswahl ist unabhängig von makroökonomischen Überlegungen. Wir gehen nach einem reinen “Bottom-Up”-Ansatz vor: Kontrolle und Reduzierung des Risikos stehen dabei im Mittelpunkt. Dabei favorisieren wir vor allem Unternehmen mit simplen Geschäftsmodellen, die auf einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil abzielen und gute Wachstumsperspektiven haben. Und natürlich müssen die Aktien gute Anlagethemen bieten. 

FR: Welche Unternehmen sind für Sie derzeit interessant?

Glod: Besonders vielversprechend erscheinen uns Aktien von Unternehmen, die sich einen hohen Marktanteil erarbeitet haben, sei es durch Innovationskraft oder durch handwerkliches Können. Dazu zählen der Komponentenhersteller Shimano oder Asahi Intecc, ein Unternehmen aus der Medizintechnik.   Auch die Industrieautomatisierung und die technologische Entwicklung erscheinen aussichtsreich. Fanuc zum Beispiel ist Weltmarktführer bei Industrierobotern und CNC-Systemen und die Misumi Group ist spezialisiert auf den Verkauf von Komponenten der Automatisierungstechnik und des Spezialmaschinenbaus.    Aber auch der demographische Wandel in Japan bietet spannende Investment-Ideen: Secom ist ein Hersteller von Sicherheitsanlagen und Dienstleistungen für ältere Menschen und die Ship Healthcare Holding ist Marktführer bei der Renovierung von Krankenhäusern.

FR: Das sind zum größten Teil kleine bis mittlere Unternehmen ...

Glod: In der Tat besteht fast die Hälfte unseres Portfolios aus Small- und Mid-Caps ...

FR: … und international bekannte Namen wie Sony und Mitsubishi sind überhaupt nicht vertreten ...

Glod: Tatsächlich sehen wir für die japanische Unterhaltungsindustrie keine Wettbewerbsvorteile mehr. Denen wurde von Unternehmen wie Apple und Samsung mittlerweile der Rang abgelaufen. Ähnliches gilt auch für die japanischen Autohersteller.

(TG)

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