Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege bei HQ Trust, hat mehr
als fünf Jahrzehnte Öldaten ausgewertet – inflationsbereinigt, von Januar 1970
bis März 2026. Neben dem Preis zeigt die Analyse eine zweite Größe – die
globale Ölintensität, also den Ölverbrauch je Einheit des Welt-BIP. Ergebnis:
Ölpreisschocks gab es immer wieder, doch ihre wirtschaftliche Wirkung hat
systematisch abgenommen.
Ohne Inflationsbereinigung trügt der Blick
- „Während
der ersten Ölkrise 1973 stieg der Ölpreis von rund 3,50 auf knapp 10
US-Dollar pro Barrel.“
- „Auch
wenn dieser Preissprung nominal unspektakulär aussieht. Gemessen in
heutigen Preisen entsprach er einem Sprung von rund 30 auf über 100
US-Dollar pro Barrel, was ein echter Schock war."
- „Erst
die Inflationsbereinigung zeigt, wie stark Verbraucher und Unternehmen
damals tatsächlich belastet wurden – und erlaubt einen seriösen Vergleich
mit der heutigen Situation."
Schocks kommen – und gehen auch wieder
- „Fast
alle großen Ölpreisschocks hatten geopolitische Wurzeln: Jom-Kippur-Krieg,
Iranische Revolution, Golfkrieg, Arabischer Frühling."
- „Der
Anstieg um 2008 war eine Ausnahme. Damals trieb explodierende Nachfrage
aus den Emerging Markets den Ölpreis – bis die Finanzkrise ihn innerhalb
von Monaten wieder abstürzen ließ."
- „Was
fast alle Schocks eint: Sie waren temporär. Auf jeden steilen Anstieg
folgte früher oder später wieder eine deutliche Korrektur."
Die Weltwirtschaft braucht schlicht weniger Öl
- „Die Ölintensität ist seit 1970 auf weniger als die Hälfte gesunken. Technologischer Fortschritt, der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft und erneuerbare Energien haben den Ölbedarf je Wertschöpfungseinheit drastisch reduziert."
- „Ein Schock in der Größenordnung von 1973 würde die Weltwirtschaft heute weniger hart treffen – weil schlicht weniger Öl gebraucht wird, um dieselbe Wirtschaftsleistung zu erzeugen."
Fazit
- „Ölpreisschocks sind kein Ausnahmefall, sondern ein historisch wiederkehrendes Muster – und die Wirtschaft hat sich jedes Mal angepasst."
- „Die sinkende Ölintensität wirkt als struktureller Puffer: Derselbe Preisanstieg belastet die Gesamtwirtschaft heute spürbar weniger als vor 50 Jahren."
- „Und trotzdem ändert das nichts daran, dass steigende Spritpreise für viele Haushalte kurzfristig eine echte Belastung sind – gerade für jene, die auf ihr Auto angewiesen sind. Doch wer die Lage langfristig einordnet, sieht: Die Wirtschaft hat gelernt, mit diesen Schocks umzugehen. Und die Geschichte spricht dafür, dass auch dieser vorübergeht.“
CIO Christian Subbe ordnet die Ergebnisse so ein:
- „Steigende Ölpreise wirken heute weniger als konjunktureller Schock, sondern zunehmend als Auslöser struktureller Anpassungen – insbesondere in Richtung Energiewende.“
- „Gleichzeitig verschiebt sich die Bedeutung von Energiepolitik: Versorgungssicherheit wird zu einem zentralen geopolitischen Faktor. Entsprechend steigen weltweit die Investitionen in Energieinfrastruktur.“
- „Für Anleger unterstreicht das vor allem die Bedeutung globaler Diversifikation: Wer breit über Regionen und Geschäftsmodelle investiert ist, partizipiert automatisch auch an solchen strukturellen Entwicklungen – ohne gezielt darauf setzen zu müssen.“ (pg)
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