| Diversifikationsvorteile liquider Alternativen | |
| Hubertus Clausius | |
| TiAM FundResearch |
Warum klassische 60/40-Portfolios an ihre Grenzen stoßen –und welche Rolle Long/Short-Equity-Strategien in Transport und Energie spielen können. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Whitepaper von Hubertus Clausius, Fondsmanager bei Seahawk Investments
27.05.2026 | 12:15 Uhr
Ausgangslage am Kapitalmarkt
Die Ausgangslage ist durch zwei strukturelle Entwicklungen gekennzeichnet: Zum einen bewegen sich die globalen Aktienmärkte auf historisch hohen Bewertungsniveaus, mit einem inflationsbereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI World von rund 30 gegenüber einem langfristigen Median von etwa 21. Zum anderen hat sich die über Jahrzehnte stabile negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen seit 2022 weitgehend ins Positive verschoben. Damit entfällt ein wesentlicher Stabilitätsmechanismus klassischer Portfolios.
Diese Veränderung hat direkte Konsequenzen für das traditionelle 60/40-Portfolio. In der Vergangenheit galt die Kombination aus Aktien und Anleihen als effizient, weil Verluste in einer Anlageklasse häufig durch Gewinne in der anderen kompensiert wurden. Spätestens im Jahr 2022 wurde jedoch deutlich, dass beide Märkte gleichzeitig deutlich fallen können. Entsprechende Portfolios verzeichneten Verluste im zweistelligen Prozentbereich, während Anleihen gleichzeitig niedrige Renditen und teilweise negative Realerträge lieferten. Dadurch wird es insbesondere für konservative Anleger zunehmend schwieriger, reale Vermögenszuwächse zu erzielen.

Strukturbruch und neue Risikodynamik
Der strukturelle Bruch zeigt sich auch in den Risikokennzahlen: In den vergangenen Jahren lag die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen zeitweise im positiven Bereich, während Anleihen gleichzeitig ein Aktien-Beta von etwa 0,2 aufwiesen. Das bedeutet, dass sie nicht mehr unabhängig vom Aktienmarkt schwanken, sondern spürbar auf dessen Bewegungen reagieren. Damit verlieren sie einen Teil ihrer Funktion als Risikopuffer und tragen zunehmend zu einer stärkeren Gleichläufigkeit der Portfolio-Risikofaktoren bei.
Vor diesem Hintergrund gewinnen liquide alternative Anlagen an Bedeutung, insbesondere Long/Short-Equity-Strategien. Diese Strategien zielen darauf ab, nicht von der allgemeinen Marktentwicklung, sondern von relativen Kursunterschieden zwischen einzelnen Aktien zu profitieren. Dadurch entsteht eine Renditequelle, die weitgehend unabhängig vom klassischen Aktien-Beta ist. Empirische Analysen zeigen, dass bereits eine moderate Beimischung solcher Strategien die Portfolioeffizienz deutlich verbessern kann. In einem Multi-Asset-Portfolio führte eine Allokation von 20 % in eine Long/Short-Strategie zu einer Erhöhung der Sharpe-Ratio von 0,49 auf 0,73, während gleichzeitig die Volatilität reduziert wurde. Auch in reinen Aktienportfolios ergibt sich ein ähnlicher Effekt: Eine Beimischung von 30 % erhöhte die risikobereinigte Rendite auf eine Sharpe-Ratio von 0,83 gegenüber 0,62 für ein reines Aktieninvestment.

Die Rolle spezialisierter Long/Short-Strategien
Ein zentraler Bestandteil des im Whitepaper beschriebenen Ansatzes ist die Spezialisierung auf die Sektoren Transport und Energie. Diese Bereiche zeichnen sich durch eine besonders hohe Dispersion aus, also durch stark unterschiedliche Entwicklungen einzelner Unternehmen innerhalb desselben Sektors. Ursachen hierfür sind unter anderem unterschiedliche Marktzyklen, spezifische Angebots- und Nachfragestrukturen, regulatorische Veränderungen sowie langfristige Trends wie die Energiewende. Darüber hinaus sind viele Unternehmen in diesen Segmenten weniger intensiv von Analysten abgedeckt, wodurch Informationsineffizienzen entstehen können.
Genau diese Faktoren schaffen ein besonders geeignetes Umfeld für Long/Short-Strategien, da sie klare Differenzierungen zwischen Gewinnern und Verlierern ermöglichen. Während etwa einzelne Subsegmente – wie Tanker oder Exploration – von steigenden Preisen profitieren können, stehen andere gleichzeitig unter Druck. Diese Unterschiede lassen sich gezielt über Long- und Short-Positionen nutzen. Die Rendite entsteht somit primär aus sorgfältiger Fundamentalanalyse und sektorspezifischem Know-how und weniger aus allgemeiner Marktentwicklung. Entsprechend weist die Strategie eine vergleichsweise geringe Korrelation sowohl zu Aktien (ca. 0,27) als auch zu Anleihen (rund -0,05) auf, was ihre Diversifikationseigenschaften unterstreicht.
Resümee
Das Whitepaper zeigt, dass das traditionelle 60/40-Portfolio unter den heutigen Marktbedingungen strukturell an Wirksamkeit verliert. Die Kombination aus hohen Bewertungen und veränderten Korrelationen erfordert eine Erweiterung der Portfolioarchitektur. Liquide alternative Strategien, insbesondere spezialisierte Long/Short-Ansätze, können hierbei eine wichtige Rolle spielen, indem sie eine zusätzliche, unabhängige Renditequelle erschließen, die Volatilität reduzieren und die risikobereinigte Rendite verbessern. Sie stellen keinen Ersatz, sondern eine sinnvolle Ergänzung klassischer Anlageklassen dar und tragen zur Stabilität und Resilienz moderner Portfolios bei.
Hier können Sie das Whitepaper herunterladen
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