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Nachhaltige Fonds und die Artikel-9-Waschmaschine

Anleger sollen vermehrt in grüne Investments investieren. Dafür wurden von der EU die passenden Klassifizierungen geschaffen. Jetzt zeigt sich: Viele Fonds, die laut EU-Verordnung als besonders nachhaltig gelten, investieren nicht viel anders als klassische Fonds.

15.07.2022 | 06:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Seit dem 10. März 2021 gibt es EU-weit einen gemeinsamen Standard für Nachhaltige Investments. Denn seit diesem Datum ist die sogenannte EU-Offenlegungsverordnung in Kraft. Diese schreibt vor, dass Fondsgesellschaften ihre Fonds offiziell in Bezug auf ihren nachhaltigen Investmentansatz klassifizieren lassen müssen. Die Verordnung unterscheidet zwischen sogenannten Artikel 8- und Artikel 9-Produkten. Artikel 8-Produkte berücksichtigen lediglich ökologische oder soziale Merkmale. Artikel 9-Produkte gelten als empfehlenswert für Kunden, die nachhaltige Produkte wünschen. Soweit die Theorie. Bisher kann die Klassifizierung von den Fondsgesellschaften nur zu Marketingzwecken eingesetzt werden. Denn die praktische Umsetzung des zweiten Teils der Verordnung – nämlich, dass Kunden bei der Beratung zu ihren Nachhaltigkeitspräferenzen befragt werden müssen – erfolgt erst ab Januar 2023. Stand heute. Eventuell wird der Starttermin erneut verschoben. Vielleicht werden die Kriterien auch noch einmal aufgeweicht. Der Krieg und die Energiekrise haben die Prioritätenliste in Europa spürbar verschoben.

Doch auch wenn die Umsetzung tatsächlich ab Januar 2023 erfolgen sollte, bleiben Fragen offen. Zum Beispiel, was einen Artikel-9-Fonds in der Praxis von anderen Fonds unterscheidet. Eine aktuelle Studie der Ratingagentur Scope zeigt: Die Top-Ten-Positionen in den Artikel-9-Fonds unterscheiden sich kaum von denen klassischer Fonds ohne Artikel-9-Klassifizierung. So führt zum Beispiel bei global investierenden Portfolios der Softwaregigant Microsoft die Rangliste an. Knapp zwei Drittel der 117 Artikel-9-Aktienfonds aus den untersuchten globalen Peergroups halten die Aktie als eine der zehn größten Positionen in ihrem Bestand. Sehr häufig vertreten ist auch die Aktie von Alphabet, die bei etwas mehr als jedem zweiten Fonds in den Top-10 auftaucht. Apple auf Platz 3 findet sich in jedem dritten Portfolio unter den zehn größten Werten.S

Unter den Aktienfonds mit regionalem Fokus auf Europa sei die Konzentration noch höher, schreibt die Analystin Simone Schieg, die Autorin der Studie. In 45 der insgesamt 59 Artikel-9-Fonds aus den betrachteten europäischen Peergroups gehöre das Halbleiterunternehmen ASML zu den Top-Positionen. Das entspreche einem Anteil von mehr als 75 Prozent. Die Aktie von Schneider Electric ist 42-mal in den Top-10 vertreten, der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk 33-mal.

Grünfärberei mit Evergreens

Auffällig: Die am häufigsten verwendeten Titel sind selten in Geschäftsfeldern tätig, die als typisch nachhaltig angesehen werden. „Zwar befinden sich keine Unternehmen schmutziger Branchen wie Ölkonzerne unter den am höchsten gewichteten Positionen, doch die Rangliste liest sich wie eine Ansammlung konventioneller Konzerne, die auf den ersten Blick nicht besonders nachhaltig wirken und die der Anleger seit Jahren von traditionellen Portfolios kennt“, so Simone Schieg. Für die häufige Investition in die aufgeführten Unternehmen gebe es jedoch Gründe. Viele der Top-10-Aktien seien unter Klima-Gesichtspunkten attraktiv bewertet, da sie nicht direkt zu klimaschädlicher Produktion beitrügen und großen Wert auf umfangreiche Nachhaltigkeits-Berichterstattung und die Betonung von Transformationszielen legten. Diese Kombination führe regelmäßig zu guten bis sehr guten ESG-Ratings von Anbietern wie MSCI, S&P Trucost, Sustainalytics oder ISS.

Die Fonds nutzen die Möglichkeiten, die ihnen die Verordnung bietet

Die Analyse zeigt, dass die Fonds im Rahmen ihrer jeweiligen Strategie alle Möglichkeiten nutzen, um die Vorgaben der EU-Offenlegungsverordnung zu erfüllen. So lässt sich mit nahezu klassischen Ansätzen ein bunter Strauß an neuen ESG-konformen Fonds kreieren. Kunden mit Nachhaltigkeitspräferenz können unter anderem zwischen Klimafonds, Impact-Fonds, Produkten mit sozialem Fokus oder mit mehr oder weniger umfangreichen Ausschlusskriterien wählen. Auch wenn Artikel-9-Fonds als höchste Stufe nachhaltiger Fonds gelten, seien das Niveau der Nachhaltigkeit und die Herangehensweise der einzelnen Anbieter bei der Produktkonzeptionierung unterschiedlich, so Schieg.

Fazit für private Investoren: Anleger dürfen nicht davon ausgehen, dass ein Artikel-9-Fonds ausschließlich in typisch nachhaltige Bereiche wie Erneuerbare Energien oder Gesundheit & Wohlbefinden investiert. Wer mit gutem Gewissen Geld anlegen will, sollte sich vor einer Investition detailliert über die Anlagestrategie und die angewendeten Ausschlusskriterien informieren und zumindest einen Blick auf die Top-10-Holdings werfen.

Fazit für die Anbieter von Fonds: Tatsächlich gibt es bei etlichen gr0ßen Unternehmen durchaus nachvollziehbare Gründe, sie als ESG-konform zu bewerten und in einen Artikel-9-Fonds aufzunehmen. Das sollte allerdings in Zukunft gut erklärt werden. Der Titel Microsoft ist dafür ein gutes Beispiel. Der Konzern weist bei den relevanten Nachhaltigkeitskriterien der Ratingagenturen zwar Spitzenbewertungen auf. Grüne Spitzentechnologien zur Rettung des Weltklimas sucht man im Produktportfolio aber vergebens.

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