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Wasserstoff: Ende der Turbulenzen - Neue Chancen?

Die Titel der Branche sind abgestürzt. Das eröffnet langfristig orientierten Investoren Einstiegschancen in den Zukunftssektor.

19.07.2021 | 07:00 Uhr von «Emmeran Eder»

Deutschland soll fünf Jahre früher als geplant klimaneutral werden. Im Jahr 2045 statt zuvor 2050 soll es so weit sein, beschloss vor Kurzem die Regierungskoalition. Dafür werden mit einem Sofortprogramm acht Milliarden Euro zusätzlich vom Staat zur Verfügung gestellt. Diese fließen zum Teil auch in Unternehmen, die in grünen Wasserstoff, der rein aus regenerativer Energien gewonnen wird, investieren und in ein Förderprogramm für die Umstellung der Stahlindustrie von Hochöfen auf wasserstoffbasierte Produktion.

Das zeigt, dass Wasserstoff (H2) als Teil des künftigen Energiemix angesehen wird, obwohl er aktuell noch eine vernachlässigbare Rolle spielt. So gehen die Analysten der Bank of America davon aus, dass grüner Wasserstoff bis zum Jahr 2050 bis zu 24 Prozent des globalen Energiebedarfs decken kann und helfen würde, die Emissionen um ein Drittel zu senken. Dabei könnte der Übergang zu grünem Wasserstoff weltweit bis 2050 Investitionsmöglichkeiten in Höhe von elf Billionen Dollar und Umsatzerlöse im Volumen von 2,5 Billionen Dollar bieten. Der Chemiker und Wasserstoff-Experte Robert Schlögl gibt sich euphorisch: "Hinter dem Wasserstoffthema verbirgt sich eine riesige Gelddruckmaschine."

Die Einsatzmöglichkeiten wären vielfältig: zum Heizen von Gebäuden oder Industrieanlagen oder als Treibstoff für Schiffe, Flugzeuge, Züge, Busse, Lkw und Autos. Das ist keine Utopie mehr: Toyota hat den Wasserstoffbus "Sora" im Angebot, in Tokio fahren bereits mehrere Exemplare. Der französische Bahntechnikkonzern Alstom hat einen mit H2 betriebenen Zug entwickelt, der in Österreich im Regelbetrieb eingesetzt wird. Weltweit sind zudem schon zahlreiche von dieser Energieform angetriebene Trucks und Traktoren unterwegs.

Die guten Zukunftsperspektiven und die massive Förderung durch zahlreiche Regierungsprogramme sorgten 2020 für einen Hype von Wasserstoffaktien. Manche Aktien von Unternehmen des Sektors, von denen der größte Teil noch weit von der Gewinnzone entfernt ist, kletterten um 300 oder 400 Prozent. Folge: Sie waren stark überbewertet. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Viele der Titel stürzten seit Anfang des Jahres um 50 Prozent oder mehr ab. Offenbar wurde den Anlegern nun klar, welche gewaltigen Herausforderungen noch zu überwinden sind.

Die benötigten Finanzmittel sind hoch. So hat die Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber den Plan für ein Wasserstoff-Startnetz in Deutschland vorgestellt. Bis zum Jahr 2030 sollen 1.200 Kilometer zur Verfügung stehen. Kostenpunkt: etwa 700 Millionen Euro. Nicht kleiner sind die Hindernisse beim Aufbau eines Tankstellennetzes. In Deutschland gibt es aktuell gut 90 Wasserstofftankstellen. Damit zählt man zu den Spitzenreitern in Europa. Experten schätzen, dass allein hierzulande mindestens 1.000 Wasserstofftankstellen erforderlich sind, um ein flächendeckendes Netz zu erhalten.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Wirtschaftlichkeit der Brennstoffzellentechnik. Der benötigte Katalysator ist kostspielig. In diesem müssen aktuell 60 Gramm Platin verbaut werden, dreimal so viel wie beim Benzinmotor. Hinzu kommt, dass H2 nur emissionsfrei ist, wenn es aus regenerativem Strom, also Wind, Sonne, Wasser, gewonnen wird. Das ist noch teuer. Viel billiger ist die Erzeugung mit Erdgas, was aber die CO2-Belastung erhöht.

Kosten werden sinken

Wegen dieser Probleme steckt die Entwicklung noch in den Anfängen. "Natürlich sind Technik und Infrastruktur nicht ausgereift. Die Kosten werden aber sinken. Und dass künftig ein enormer Bedarf an Wasserstoff entsteht, das haben Regierungen und Industrie erkannt", ist Karsten von Blumenthal, Analyst bei First Berlin Equity Research, trotzdem optimistisch.

Auf dem gedrückten Niveau bieten sich nun Einstiegschancen für mutige, langfristig orientierte Anleger. Die Situation ähnelt aber der New-Economy-Zeit. Es dominieren kleine Firmen mit viel Kapitalbedarf. Sie machen überwiegend noch hohe Verluste und sind von externen Geldgebern abhängig. Einige der jetzt gelisteten Aktien des Sektors werden wohl in den nächsten Jahren vom Kurszettel verschwinden.

Viele Kooperationen in dem Sektor

Schon jetzt holen sich einige der Firmen strategische Partner ins Boot oder kooperieren mit anderen Unternehmen, um die Kosten der teuren Produktentwicklungen zu stemmen. So arbeitet Schwedens Brennstoffzellenhersteller Powercell mit Bosch am Durchbruch im Schwerlastverkehr. Kanadas Brennstoffzellenpionier Ballard Power macht gemeinsame Sache mit dem chinesischen Traditions-Motorenhersteller Weichai Power. In den nächsten Jahren dürften weitere Übernahmen und Kooperationen die Aktienkurse beflügeln.

Zu den Sonderfällen mit hohen Gewinnen zählen Linde und Air Liquide, die beide die gesamte Wertschöpfungskette um Wasserstoff abdecken. Überdies haben die Konzerne noch andere Geschäftsfelder außerhalb des H2-Sektors. Entweder beteiligen sich Anleger an einem dieser beiden Unternehmen oder sie verteilen über einen ETF oder ein Zertifikat das hohe Risiko auf mehrere Titel des Sektors. Ein Einzelinvestment in einen reinen Wasserstofftitel ist wegen extremer Schwankungen nicht ratsam. Anlegern muss bewusst sein, dass hohen Chancen auch enorme Risiken gegenüberstehen.

INVESTOR-INFO

L & G Hydrogen Economy ETF - Breit diversifiziert

Der ETF des britischen Anbieters Legal & General investiert weltweit breit gefächert in kleinere reine Wasserstofffirmen wie Fuellcell oder Ballard Power, aber auch in Linde, Air Liquide, Toyota oder Hyundai, die einen H2-Zweig haben. So wird die gesamte Wertschöpfungskette der Wasserstoffwirtschaft abgedeckt. Als Basisinvestment geeignet.

Dieser Artikel erschien zuerst am 16.07.2021 auf boerse-online.de

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