Die Frankfurter Kapitalverwaltungsgesellschaft Acatis bereitet den Einstieg in das ETF Segment vor. Geschäftsführer Hendrik Leber begründet den Schritt mit technischen Restriktionen bei Neobrokern sowie dem wachsenden Wunsch von Anlegern nach sofort handelbaren Produkten.
12.02.2026 | 09:50 Uhr von «Peter Gewalt»
Eine Kundin habe jüngst 300.000 Euro investieren wollen, über ihr Trade Republic‑Depot jedoch keinen Zugang zum gewünschten Fonds erhalten. „Wir müssen verfügbar sein für Anleger, die sich in diesen Medien bewegen“, sagte Leber bei einem Pressegespräch.
Zunächst sollen bestehende Fonds um ETF‑Anteilsklassen ergänzt werden, die aber nicht in unmittelbare Konkurrenz zu den bestehenden Fonds, wie z.B. der Acatis Aktien Global Fonds, treten sollen. Die neuen Klassen sollen geringere oder keine Kickbacks aufweisen, um die Listung auf Plattformen wie Scalable oder Trade Republic zu ermöglichen. Technisch sieht Acatis keine wesentlichen Hürden und verweist auf interne Systeme, die bereits präzise untertägige Preisberechnungen liefern.
Parallel arbeitet Acatis an neuen ETF‑basierten Produkten für ein geplantes Altersvorsorgedepot. Vorgesehen sind mehrere Varianten: Ein defensiver ETF mit rund 70 Prozent Aktienquote für die Entnahmephase und ein offensiver mit 130 Prozent Exposure für die Ansparphase. Grundlage sollen aktive, KI‑ optimierte Aktienportfolios sein. Leber betont, dass die Konzepte noch in Entwicklung sind, das Depot aber langfristig ein zentraler Baustein der Produktstrategie werden soll.
Leber räumt ein, dass der Schritt das aktive Fondsgeschäft teilweise überlagern könne: „Ja, es ist teilweise eine Kannibalisierung“, sagte er. Dennoch sei der Zugang zu neuen Anlegergruppen entscheidend. Vertriebspartner wolle Acatis weiterhin berücksichtigen und passende Gebührenstrukturen entwickeln.
Trotz offener Detailfragen steht der Markteintritt laut Leber fest. ETFs seien weniger ein Strategiewechsel, sondern eine moderne Verpackung bestehender aktiver Strategien. „Das Thema wird kommen“, so Leber.
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