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„Wir müssen die Volatilität zu einem Freund machen“

Fabiana Fedeli
Anlagestrategie

Fabiana Fedeli, Chief Investment Officer für Aktien, Multi Asset und Nachhaltigkeit bei M&G Investments, spricht im Interview über Geldpolitik, Konjunkturaussichten und aktuell Investmentchancen.

19.05.2023 | 12:15 Uhr

TiAM FundResearch: Frau Fedeli, Sie verantworten mehr als 60 Milliarden Euro in Aktien und Multi-Asset-Anlagen. Wie gehen Sie im aktuellen Marktumfeld vor?

Fabiana Fedeli: Das aktuelle Marktumfeld ist nichts für pauschale Investitionen. Erträge lassen sich nur durch gezielte Auswahl und Diversifizierung erzielen. Dazu müssen wir die Volatilität zu unserem Freund machen. Das ist derzeit umso wichtiger, da Prognosen extrem schwierig sind. Eine gewisse Richtung makroökonomischer Daten lässt sich noch relativ leicht ableiten. Weitaus schwieriger zu bestimmen sind dagegen Zeitpunkt, Tempo und Ausmaß dieser Bewegungen, ebenso wie die Frage, ob sie in einer geraden Linie verlaufen oder – wahrscheinlicher –zwei Schritte vorwärts und einen, vielleicht zwei, zurück.

2023 gab es bereits einige Überraschungen für Anleger, insbesondere im Bankensektor. Wie angstgetrieben sind die Märkte?

Abgesehen von einigen kurzen Phasen mit hohen Schwankungen haben sich sowohl die Aktienmärkte als auch Unternehmensanleihen einigermaßen rational verhalten. Die Hauptlast des Ausverkaufs im März ging auf das Konto der Banken, insbesondere der regionalen US-Institute. Andere Branchen sind relativ widerstandsfähig geblieben, was sich an der differenzierten Wertentwicklung zwischen Unternehmen innerhalb der jeweiligen Sektoren zeigt. Solche Phasen hoher Schwankungen können auch Chancen bieten, wenn der Markt überreagiert und das Kind mit dem Bade ausschüttet. Im März hat die Angst vor Ansteckung im Finanzsektor die Stimmung weltweit gedrückt, so dass sowohl riskante als auch sicherere Titel Opfer desselben Schicksals wurden. Für aktive Manager war das eine gute Gelegenheit, sich nach Einstiegsmöglichkeiten in hochwertigen Finanzinstituten umzusehen.

Wie wird sich die Geldpolitik Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?

Der Markt ist nach wie vor datengesteuert und volatil. Die Straffung der Geldpolitik dürfte sich dem Ende nähern, aber wir sind immer noch unsicher, wann dieses Ende kommen wird. Am Markt rechnet man nach wie vor damit, dass die Fed in der zweiten Jahreshälfte die Zinsen senken wird, und diese Erwartung wirkt als Unterstützung für die Aktienmärkte. Ich halte Zinssenkungen in diesem Jahr allerdings für unwahrscheinlich. Sollte ich mich irren, wäre das eine schlechte Nachricht für Risikoanlagen wie Aktien, denn der Auslöser für eine Zinssenkung wäre höchstwahrscheinlich eine heftige Rezession. Das ist nicht unser Basisszenario. Der andere mögliche Auslöser für eine Senkung, nämlich ein Rückgang der Inflation auf oder unter 2 Prozent im Laufe dieses Jahres, erscheint sogar noch unwahrscheinlicher.

Die Diskussion über eine Rezession, deren Wahrscheinlichkeit, Zeitpunkt und Ausmaß hält die Märkte immer noch in Atem. Was ist Ihre Prognose?

Hier tappen wir alle noch ziemlich im Dunkeln. In letzter Zeit sind einige schwache oder sogar sich verschlechternde Konjunkturdaten veröffentlicht worden, und es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Nachfrage weiter abschwächen wird. Zeitpunkt und Ausmaß einer Rezession sind aber noch ungewiss. Man darf nicht vergessen, dass Rezessionen mit einiger Verzögerung eintreten können. In den USA hat es in den letzten knapp sechzig Jahren zwischen fünf und 15 Monaten nach der letzten Zinserhöhung gedauert, bis sich die Konjunktur spürbar abgekühlt hatte. Aber auch wenn manches ähnlich aussieht, wiederholt sich Geschichte nicht unbedingt. Die Entwicklung der Börse und insbesondere die relative Performance von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren wird davon abhängen, wie lange und wie tief der Abschwung im Vergleich zu den derzeitigen Erwartungen ausfällt.

Was können Anleger also tun?

Wenn wir nichts vorhersagen können, müssen wir auf alles vorbereitet sein. Wichtig ist, weiterhin die Risiken zu streuen und die eingegangenen Investments gezielt auszuwählen. Anders ausgedrückt: Unserer Meinung nach spiegeln die Bewertungen von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren auf breiter Indexebene die Risiken und Chancen des aktuellen makroökonomischen Umfelds korrekt wider. Fehlbewertungen sind erst erkennbar, wenn man genauer hinschaut. Da gibt es durchaus Chancen, sofern man bereit ist, sich mit den Fundamentaldaten einzelner Aktien und Anleiheemittenten zu beschäftigen. Selbst im MSCI All Country World Index sind die Aktienrenditen aktuell breiter gestreut als im Schnitt der letzten zehn Jahre. Selbst Unternehmen innerhalb desselben Sektors können sehr unterschiedlich abschneiden, zum Beispiel aufgrund ihres Umfelds, ihrer Produktpalette und Preissetzungsmacht sowie – letztlich – der Qualität ihres Managements. Wir konzentrieren uns auf ein differenziertes Bottom-up-Research, anstatt große makroökonomische Fragen beantworten zu wollen. Es sieht so aus, dass der Markt einen solchen Ansatz zu honoriert.

Welche Positionierung verfolgen Sie derzeit in den M&G-Portfolios?

Unsere Multi-Asset-Portfolios bewegen sich bei Aktien und festverzinslichen Wertpapieren nahe einer neutralen Positionierung, um die herum wir taktisch agieren. Der Schwerpunkt liegt aber auf der grundsätzlichen Zusammensetzung der Portfolios. Insgesamt bevorzugen wir eher Aktientitel außerhalb der USA, wo das Verhältnis zwischen Bewertungen und Erträgen aus unserer Sicht überzeugender ist. Bei Anleihen sind wir in der Duration leicht übergewichtet. Das zeigt sich in langlaufenden US-Staatsanleihen sowie ausgewählten Schwellenländer-Staatsanleihen und -Währungen, wie zum Beispiel Brasilien und Mexiko.

Bei den reinen Aktienportfolios zählen wir aus der Bottom-up-Perspektive Japan und Großbritannien zu den Märkten mit attraktiven Chancen. Aus Branchensicht gab es seit Mitte März wie erwähnt einige Gelegenheiten bei Finanztiteln, vor allem bei großen, gut regulierten asiatischen und europäischen Banken. Dort haben wir zugegriffen.

Ansonsten mögen wir Unternehmen, die sich mit Themen befassen, von denen wir glauben, dass sie auch bei einem globalen Nachfragerückgang weiterhin Kapital anziehen werde. Dazu gehören Infrastruktur, Innovationen – wie etwa künstliche Intelligenz – und der Bereich CO2-Reduktion. Doch auch hier können Unternehmen derselben Branche sehr unterschiedlich abschneiden, wie gerade erst die letzte Berichtssaison gezeigt hat. Daher bleiben wir bei all diesen Themen selektiv.

Welche Märkte sind im Moment besonders interessant?

Japan ist nach wie vor einer unserer Lieblingsmärkte. Es gibt dort eine ganze Reihe von Unternehmen, die gerade ihre Kostenstruktur verbessern. Das wirkt sich unabhängig von der Konjunktur positiv auf das Gewinnwachstum aus und hilft somit, die Ausschüttungen an die Aktionäre zu steigern. Interessant ist nun, was nach der diesjährigen Shunto-Tarifrunde passieren wird, bei der im Schnitt Lohnerhöhungen um 4Prozent durchgesetzt wurden. Wir glauben, dass die Unternehmen diese Entwicklung aufgrund ihrer Produktivitätssteigerungen auffangen können. Die meisten Anleger scheinen dies aber nicht auf dem Schirm zu haben.

Auch in China sehen wir weiterhin Chancen. Im Herbst letzten Jahres, als die Stimmung rund um China besonders schlecht war, haben wir unsere Asien- und Schwellenländerportfolios um einige Positionen erweitert. Zuletzt haben wir aber unseren Anteil an den Gewinnern der Wiedereröffnung Chinas wieder reduziert und stattdessen Anlagen in langfristige strukturelle Wachstumsbereiche wie erneuerbaren Energien getätigt, die in Ungnade gefallen waren.

Wie geht es 2023 weiter – sind Sie insgesamt eher optimistisch oder pessimistisch?

Angesichts der Überraschungen, die wir schon am Jahresanfang erlebt haben, war so mancher von der Widerstandskraft der Märkte, insbesondere der Aktien, beeindruckt. So könnte es in den kommenden Monaten weitergehen, wenn auch nicht ohne Phasen stärkerer Schwankungen. Allerdings sind wir noch nicht über den Berg, und es zeichnen sich doch eine ganze Menge Risiken ab, die die Party noch verderben könnten – angefangen bei einer wieder steigenden Inflation über eine stärker schrumpfende Nachfrage bis hin zu neuen Problemen im Finanzsektor. Was ein rund um die Uhr verfügbares Online Banking bedeuten kann, haben wir in der letzten Stressphase gesehen, als zwei Banken ein Viertel ihrer gesamten Einlagen innerhalb eines Tages verloren. Da kann ein Vertrauensverlust in das Finanzsystem und ein Ansturm auf die Einlagen selbst die stärkste Bank zu Fall bringen. Möglich ist vieles, aber eine klare Prognose treffen zu wollen ist momentan ein sinnloses Unterfangen. Klüger ist es, sich vorzubereiten.


Zu Fabiana Fedeli: Sie ist seit 2021 für M&G tätig, zunächst als CIO für den Aktienbereich und seit 2022 als CIO Aktien, Multi-Asset und Nachhaltigkeit. Zuvor leitete sie bei Robeco Asset Management als Global Head of Fundamental Equities ein internationales Anlageteam, das eine Reihe von aktiven Aktienstrategien verwaltete. Sie war unmittelbar für das Portfoliomanagement für drei dieser Strategien verantwortlich und besitzt langjährige Erfahrung mit der Integration von Nachhaltigkeits- und Impact-Aspekten in Anlageprozesse. Vor ihrer Zeit bei Robeco war Fabiana Fedeli in zahlreichen Positionen in den Bereichen Portfoliomanagement und Aktienanalyse in London, New York und Tokio tätig.   (pg)

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