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Max Otte im Interview zur Corona-Krise: "Ich fühle mich wieder wie ein kleiner Junge im Süßwarenladen"

Wirtschaftswissenschaftler und Fondsmanager Max Otte sieht in der Corona-Krise für Anleger große Chancen aber auch große Gefahren.

27.03.2020 | 12:15 Uhr von «Markus Hinterberger»

Prof. Otte, Sie haben im Crash nach der Lehman-Pleite in einem Interview mit Börse Online gesagt, dass sie sich wie ein kleiner Junge allein im Süßwarenladen fühlen. Geht es ihnen angesichts der niedrigen Kurse am Aktienmarkt ähnlich?

Max Otte: Mir geht es noch immer wie dem kleinen Jungen im Süßwarenladen. Aber die heutige Situation unterscheidet sich dennoch von der damals.

Inwiefern?

Die Aktienmärkte sind im März 2020 nicht durchweg so extrem billig wie im März 2009, obwohl es auch schon einzelne Bereiche oder Aktien gibt, die schreien: "Kauf mich!" Als ich 2009 den Satz mit dem kleinen Jungen im Süßwarenladen gesagt habe, gab es noch Alternativen zu Aktien, wir konnten beispielsweise noch günstig Immobilien kaufen. Das ist heute nicht mehr so. Immobilien, zumindest solche in guten Lagen, sind zu teuer, Anleihen solider Schuldner werfen nichts mehr ab und klassische Bankprodukte wie Tages- und Festgelder sind tot.
Deswegen kommen Sie auch 2020 nicht um Aktien herum. Wer nun abseits seines Notgroschens Geld übrig hat, sollte nun in Aktien investieren. Aktien sind die beste Versicherung gegen das was noch kommt. Dazu etwas physisches Gold als Beimischung.

Was kommt denn noch?

Die Corona-Krise überlagert unser größtes Problem und verschlimmert es sogar.

Sie meinen die horrenden Schulden, die vor allem die Staaten angesammelt haben.

Die Zeit, in der die Staaten sich entschulden müssen, rückt immer näher. Wir werden erleben, dass das Bargeld nach und nach weniger akzeptiert oder ganz abgeschafft wird und das Geld auf unseren Konten mit hohen Negativzinsen belastet wird. Nur so können die Schulden getilgt werden. Die entsprechenden Gedankenspiele haben Ökonomen wie Kenneth Rogoff schon vor Jahren gemacht und es gibt genügend Politiker und Notenbanker, die diese gerne in die Tat umsetzen würden und sie über kurz oder lang auch umsetzen werden. Außerdem kann es noch Währungsschnitte, Sondersteuern auf Immobilien und ein ganzes Horrorkabinett an Maßnahmen, um uns zur Kasse zu bitten.

Gibt es denn Ihrer Ansicht nach Alternativen zu den neuen Schulden, die nun gemacht werden?

Die Geld- und Zinspolitik der Notenbanken, sowie der Aufkauf von Anleihen sind stumpfe Waffen geworden. Wir brauchen den Staat als Investor, der dafür sorgt, dass Infrastruktur entsteht, dass gebaut und konsumiert wird. Wir brauchen auch sogenanntes Helikoptergeld. Das muss nicht so aussehen wie in den USA, wo jeder einen Tausender geschenkt bekommt, aber das von der Bundesregierung eingeführte Kurzarbeitergeld ist nichts anderes.

Also sollte der kluge Bürger, das was er an Geld bekommt und das was er hat nehmen und in Aktien investieren?

Das wäre klug. Denn die Einzigen, die am Ende wahrscheinlich nicht geschröpft werden, sind die Aktionäre. Sie haben eine gute Lobby. Alle anderen, ganz gleich ob Besitzer von Sparbüchern, Immobilien oder Anleihen werden leiden und teilweise oder fast ganz enteignet werden.

Welche Aktien empfehlen Sie?

Suchen Sie sich Unternehmen, die schon vor der Krise etwas hergestellt haben, das Zukunft hat und oder das jeder braucht. Nahrungsmittel, IT-Dienstleister oder auch große Akteure im Freizeitbereich. Gerade hier werden die Großen noch größer werden, denn mit den Ausgangssperren werden die Kleinen immer weiter ins Hintertreffen geraten und vom Markt verschwinden. Die Großen haben die Kraft zu überleben. Einer unsere Favoriten der letzten Tage waren die Vorzugsaktien von Sixt, die extrem heruntergeprügelt wurden. Sie sind zwar schon wieder massiv gestiegen, aber immer noch einen Blick wert. Auch den Mallbetreiber Simon Property Group haben wir. Die Story ist aber recht komplex. Auch die großen Internetkonzerne wie Alphabet, amazon oder Apple werden durch dieser Krise eher gestärkt, denn der Trend zu Online-Transaktionen und bargeldlosem Zahlungsverkehr beschleunigt sich

Wie sind Sie investiert?

Ich bin voll investiert, sogar noch mit einem kleinen Hebel. Man könnte also mein Zitat von vor elf Jahren dahingehend erweitern, dass ich mich wie ein kleiner Junge im Süßwarenladen fühle, aber wie einer der auch noch obendrein einen kleinen Taschengeldvorschuss im Portemonnaie hat.

Was wird nach der Corona-Krise anders sein?

Otte: Wir als Bürger müssen streng darauf achten, dass die Freiheitsrechte, die man uns nun beschnitten hat wieder hergestellt werden und dass etwa auch Dinge wie der Parketthandel, der etwa an der New Yorker Börse praktisch abgeschafft wurde, wieder eingeführt werden.

Wie erleben Sie die aktuelle Situation, in der man Sozialkontakte meiden soll?

Otte: Dank der modernen Kommunikationsmöglichkeiten muss ich nicht in der Stadt sein. Ich bin in der glücklichen Situation mit meiner Familie auf dem Land leben zu können

Hinweis: Die Max Otte, bzw. von seinen Unternehmen beratenen Fonds PI Global Value Fonds (WKN: A0NE9G), Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM) und Max Otte Multiple Opportunities Fonds (WKN: A2ASSR) halten sind in Sixt und Simon Properties investiert.

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