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„Jeder hat die Kunden, die er verdient“

Fototermin (v. l.): Michael Trauth, Dieter Fischer, Michael Schnabl
Interview

Der Assetmanager Tresides bietet Investmentlösungen in Spezial- und Publikumsfonds an. Die 16 Mitarbeiter bilden ein eingespieltes Team. Nicht zuletzt wegen der aktuellen Weltlage ist ihre besondere Expertise in einigen Anlageklassen momentan stark nachgefragt.

06.10.2026 | 14:00 Uhr von «Dieter Fischer»

Stuttgart, Ende Mai 2026, Stephanstraße, beste Innenstadtlage. Ganz in der Nähe liegen das Staatstheater, der Schlossgarten und ein paar sehr gute Restaurants. Das Interview mit einem der Gründer des Unternehmens, Michael Trauth, und dem Vertriebschef, Michael Schnabl, kann beginnen.

TiAM: Wie kam es zur Gründung von Tresides?

Michael Trauth: Vor über 13 Jahren haben einige Kollegen und ich intensiv überlegt, ob man gutes Asset-Management auch ohne Großkonzern im Rücken anbieten kann. Wir haben dann tatsächlich unser Unternehmen gegründet. Rückblickend können wir sagen, es war nach wie vor die richtige Entscheidung.

TiAM: Wo sehen Sie Ihre USPs?

Trauth: Die Schwerpunkte unserer Arbeit stecken bereits im Namen Tresides: die drei Assetklassen Aktien, Renten, Rohstoffe und in Verbindung damit Multi-Asset mit Schwerpunkt Europa und USA. Wir verstehen uns dabei als ganzheit­licher Partner unserer Kunden in allen Investmentbelangen. Dies umfasst neben unserer Kernexpertise, dem klassischen Asset-Management, auch die Begleitung der übergeordneten Assetallokation sowie die Unterstützung bei Prozessen und Regulatorik. Ein zentraler Mehrwert ist unsere mehrfach ausgezeichnete Selektionsexpertise. Unser Erfolgsrezept ist das bewusste Abweichen von Benchmark-Indizes in Allokation und Selektion. In unseren Publikums- und Spezialfonds zeigt sich dies in einem hohen „Active Share“ und niedrigen Draw-Downs. Durch kurze Entscheidungs- und Prozesswege können wir Chancen flexibel und schnell für unsere Kunden nutzen.

Michael Schnabl: Unabhängigkeit und Kundenorientierung. Tresides gehört ausschließlich Personen, die im Unternehmen arbeiten. Wir versuchen, alles, was wir tun, vom Kunden aus zu denken und es tatsächlich am Kundenbedarf auszurichten. Das können Sie nicht, wenn Sie ständig irgendwelchen politischen und wirtschaftlichen Interessen Dritter dienen. Eines der größten Risiken ist es, am Kundenbedarf „vorbeizuproduzieren“.

TiAM: Dann haben Sie also eine Art Boutiquenvorteil gegenüber größeren Einheiten?

Trauth: Der Markt in Deutschland ist nicht wirklich knapp besetzt mit Asset-Managern. Dahinter stecken oft große, internationale Anbieter. Und es kommen immer wieder neue hinzu. Wir als kleinerer Wettbewerber haben da echte Vorteile. Etwa die, die Herr Schnabl eben angesprochen hat. Durch die Unternehmensbeteiligung der Mitarbeiter arbeiten wir nach dem Grundsatz „skin in the game“.

Schnabl: Bei uns ist „skin in the game“ gleich die ganze Hautoberfläche. Dies führt zu starkem Zusammenhalt und enormer Motivation. Der hohe Grad an gegenseitiger Unterstützung hilft uns dabei, ein weitaus größeres Pensum zu bewegen als bei Wettbewerbern mit „größeren Reibungsverlusten“.

TiAM: Wie funktioniert bei Tresides die Partnerstruktur?

Trauth: Die Gesellschafter des Unternehmens sehen sich als Partner. Die meisten Mitarbeiter sind am Unternehmen beteiligt. Wir haben flache Hierarchien und so gut wie keine Fluktuation – eine wichtige Voraussetzung für langfristige und vertrauensvolle Kundenbeziehungen. Natürlich brauchen Sie feste Regeln beim Ein- und Ausstieg aus dem Unternehmen. Diese sind bei Tresides klar definiert. Teammitgliedern, die sich bewähren, kann im Rahmen des Generationswechsels das Angebot einer Partnerschaft gemacht werden. Damit sind wir in der Lage, hervorragend ausgebildete High Potentials für unser Unternehmen zu gewinnen und zu halten.

Schnabl: Unser Team ist gut „diversifiziert“. Wir haben sowohl junge, sehr gut ausgebildete Teammitglieder als auch erfahrene „Urgesteine“, die Pioniere in Ihrer Strategie sind. Jeder lernt bei uns vom anderen. Dies hilft, neue und für das Unternehmen bedeutsame Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren und bei unserer täglichen Arbeit sowie der strategi-schen Unternehmensausrichtung zu berücksichtigen.

TiAM: Wie funktioniert bei Ihnen der Analyse- und Anlageprozess?

Trauth: Grundsätzlich sind wir fundamental qualitativ geprägt. Für die Top-down- und Bottom-up-Analyse setzen wir selbst entwickelte quantitative Instrumente ein, welche uns die Vorarbeit enorm erleichtern. Der regelmäßige Kontakt zu Unternehmen, in die wir investieren, ist uns im Rahmen des Selektionsprozesses sehr wichtig.

Schnabl: Der Anlageprozess ist institutionell geprägt – „schwäbische Präzisionsarbeit“. Stark diszipliniert, immer gleich in der Vorgehensweise und damit reproduzierbar. Das ist gleichzeitig auch für den Privatanleger vorteilhaft. Wenn sich an den Kapitalmärkten bestimmte Entwicklungen ergeben, weiß der Anleger – weil er die Mechanik unserer Herangehensweise kennt –, wie sich das Ergebnis im Produkt voraussichtlich darstellen wird. Dies führt zu Berechenbarkeit und Verlässlichkeit.

TiAM: Welche Produkte werden von Ihren Kunden aktuell am meisten nachgefragt?

Schnabl: Die Assets under Management (AUM) liegen aktuell bei über drei Milliarden Euro. Erfreulicherweise spielt sich das Wachstum in unterschiedlichen Vermögensklassen ab. Wir gewinnen Mandate im Aktien- und Rentenbereich, im Multi-Asset- sowie im Bereich Rohstoffe. Wichtig ist dabei, dass Anleger und Asset-Manager harmonieren. Es gibt da den schönen Spruch: Jeder hat die Kunden, die er verdient. Die aktuelle Weltlage hat dazu geführt, dass das Interesse an unserer Rohstoffexpertise stark zugenommen hat. Wir haben in unserem Publikumsfonds Tresides Commodity One im Vergleich zum Vorjahr eine Volumensteigerung um 65 Prozent. Das ist neben Kursgewinnen vor allem auf Mittelzuflüsse zurückzuführen. Auch bei den Spezialfonds haben wir einige neue Mandate in diesem Bereich auflegen können. Wir haben mit Michael Krauß und Sandra Bachhofer ein Team mit jeweils 25-jähriger Erfahrung im Bereich Rohstoffe. Das hat in den vergangenen Quartalen große Family Offices und Institutionen überzeugt.

TiAM: Wie sieht es denn gegenwärtig bei den Aktien- und Misch­produkten aus?

Trauth: Auch hier haben wir Nachfrage. Insbesondere von institutionellen Kunden im Spezialfonds-Bereich.

Schnabl: Da möchte ich auf unsere Strategie „Dividend & Growth“ hinweisen. Die dividendenstarken Aktien fliegen zwar momentan nicht so wie Tech- oder KI-Werte. Wenn es jedoch künftig zu einer Korrektur in diesen Bereichen kommen sollte, haben wir einen passenden Baustein, um rechtzeitig diversifiziert zu sein.

TiAM: Wir sprachen von weiteren Tre­sides-Services für institutionelle Investoren. Was meinen Sie damit?

Trauth: Wir haben das Glück, einen renommierten Kapitalanlagejuristen als Gründungspartner im Unternehmen zu haben, der unseren Kunden auch kompliziertere Sachverhalte sehr gut vermitteln kann. Auch in der Herleitung sowie der konkreten Umsetzung der Strategischen Assetallokation (SAA) in Bezug auf die einzelnen Anlageklassen werden wir häufiger zurate gezogen.

Schnabl: Beides bieten wir als kostenlose Dienstleistung für unsere Bestandskunden an und kommen dabei immer wieder mit den Leuten in die Diskussion. Das hilft uns, aktuelle Sichtweisen unserer Kunden zu erkennen und zu verstehen. Wir wollen eben nie an den Bedürfnissen der Kunden vorbeiproduzieren.

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