• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

Scope-Studie: Offene Immobilienfonds kämpfen weiter mit Mittelabflüssen

Die Probleme bei Offenen Immobilienfonds sind noch nicht überwunden.
Immobilienfonds

Die Offenen Immobilienfonds in Deutschland stehen weiterhin unter Druck. Hohe Mittelabflüsse, steigende Zinsen und ein schwieriges Immobilienmarktumfeld belasten die Branche bereits im dritten Jahr in Folge. Dennoch zeigt die aktuelle Studie von Scope, dass sich viele Fundamentaldaten stabilisieren und neue regulatorische Instrumente die Widerstandsfähigkeit der Fonds erhöhen könnten.

17.06.2026 | 09:00 Uhr

Die Ratingagentur Scope hat ihre aktuelle Marktstudie und Ratinganalyse 2026 zu offenen Immobilienfonds veröffentlicht. Das Bild fällt differenziert aus: Während die Performance vieler Fonds unter den Folgen der Immobilienkrise leidet und erneut Milliarden an Anlegergeldern abflossen, bleiben zahlreiche Qualitätskennzahlen überraschend robust.

Von den 19 untersuchten Offenen Immobilienfonds wurden fünf Fonds herabgestuft, zwei erhielten bessere Ratings und zwölf Produkte behielten ihre bisherige Bewertung. Die Ratingbandbreite reicht von aAIF bis cccAIF, der Durchschnitt liegt bei bbbAIF.

Milliardenabflüsse setzen die Branche unter Druck

Das größte Problem der Branche bleibt die anhaltende Kapitalflucht. Bereits zum dritten Mal in Folge verzeichneten Offene Immobilienfonds ein negatives Nettomittelaufkommen. Nach Angaben der Bundesbank flossen im Jahr 2025 per saldo 7,6 Milliarden Euro aus der Anlageklasse ab.

Scope erwartet, dass die Mittelabflüsse auch 2026 zunächst hoch bleiben werden, da zahlreiche bereits ausgesprochene Kündigungen noch abgewickelt werden müssen. Gleichzeitig sorgen attraktive Zinsen auf festverzinsliche Anlagen dafür, dass viele Anleger Alternativen bevorzugen.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die Diskussion um die Risikoeinstufung offener Immobilienfonds nach dem Gerichtsurteil zum UniImmo: Wohnen ZBI, das die Vermarktung der Produkte derzeit erschwert.

Fundamentaldaten der Fonds bleiben erstaunlich stabil

Trotz des schwierigen Marktumfelds zeigt die Studie, dass die meisten Offenen Immobilienfonds operativ weiterhin solide aufgestellt sind.

Die durchschnittliche Vermietungsquote liegt unverändert bei 92,5 Prozent, was auf ein aktives Asset-Management und stabile Cashflows hindeutet. Unterstützt werden die Erträge zudem durch indexierte Mietverträge, die Inflationsanpassungen ermöglichen.

Auch die Verschuldung bleibt vergleichsweise niedrig. Die durchschnittliche Kreditquote beträgt 18,6 Prozent und liegt damit deutlich unter der regulatorischen Obergrenze von 30 Prozent. Im Vergleich zu vielen anderen Immobilieninvestments gelten Offene Immobilienfonds damit weiterhin als konservativ finanziert.

Liquiditätsmanagement wird zum entscheidenden Faktor

Zum 30. April 2026 verfügte die Branche über liquide Mittel von rund 15 Milliarden Euro, was einer Liquiditätsquote von 14,8 Prozent entspricht und damit deutlich über der gesetzlichen Mindestquote von fünf Prozent liegt.

Um mögliche Marktstresssituationen künftig besser bewältigen zu können, mussten alle offenen Immobilienfonds im April 2026 neue Liquiditätsmanagement-Tools (LMTs) einführen.

Die Mehrheit der Anbieter setzt dabei auf Rücknahmegebühren, wenn außergewöhnlich hohe Kündigungswellen auftreten. Andere Gesellschaften greifen auf sogenannte Gating-Modelle zurück, bei denen Anteilsrückgaben zeitweise begrenzt werden können. Einige Anbieter behalten sich sogar beide Instrumente vor.

Scope bewertet diese Maßnahmen grundsätzlich positiv, da sie Zwangsverkäufe von Immobilien verhindern und die Stabilität der Fonds langfristig erhöhen könnten. Gleichzeitig fordert die Ratingagentur jedoch einheitlichere Branchenstandards, um die Komplexität für Anleger nicht unnötig zu erhöhen.

Wertentwicklung bleibt vorerst negativ

Die Erholung der Immobilienmärkte spiegelt sich bislang noch nicht in den Fondsergebnissen wider. Im Kalenderjahr 2025 erzielten Offene Immobilienfonds durchschnittlich eine Rendite von minus 1,2 Prozent. Die Spannweite reicht dabei von plus 3,1 Prozent beim KGAL immoSUBSTANZ bis zu minus 17,8 Prozent beim Leading Cities Invest.

Zum 30. April 2026 lag die durchschnittliche Zwölfmonatsperformance sogar bei minus 1,65 Prozent. Hauptursache bleiben die notwendigen Wertkorrekturen in den Immobilienportfolios infolge des gestiegenen Zinsniveaus. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Scope eine leichte Stabilisierung und prognostiziert eine durchschnittliche Rendite zwischen minus 0,5 und minus 1,5 Prozent.

Neue Chancen durch Energiewende und Altersvorsorge

Neben den Risiken sieht Scope auch neue Wachstumsperspektiven für die Anlageklasse. Seit Kurzem dürfen Offene Immobilienfonds bis zu 15 Prozent ihres Vermögens in Erneuerbare-Energien-Anlagen investieren. Dies könnte die Diversifikation verbessern, zusätzliche Erträge generieren und gleichzeitig den Immobilienbestand nachhaltiger machen.

Darüber hinaus könnten Offene Immobilienfonds künftig im Rahmen des geplanten Altersvorsorgedepots eine größere Rolle spielen. Voraussetzung wären jedoch niedrigere Kostenstrukturen, höhere Renditen sowie regulatorische Anpassungen wie eine mögliche Umwandlung in ELTIF-Strukturen.

Zinsen bleiben größter Belastungsfaktor

Dennoch bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Steigende Zinsen, schwache Transaktionsmärkte, geopolitische Risiken sowie die anhaltende Konjunkturschwäche belasten den Immobiliensektor weiterhin.

Hinzu kommen strukturelle Veränderungen, insbesondere im Büroimmobilienmarkt. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Flächenbedarfe vieler Unternehmen und stellen klassische Nutzungskonzepte zunehmend infrage.

Nach Einschätzung von Scope müssen Offene Immobilienfonds künftig wieder dauerhaft Renditen erzielen, die einen deutlichen Aufschlag gegenüber sicheren Zinsanlagen bieten. Erst dann dürfte das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückkehren.

Fazit

Die Scope-Studie 2026 zeigt ein zweigeteiltes Bild: Einerseits belasten hohe Mittelabflüsse, negative Wertentwicklungen und das gestiegene Zinsniveau die Branche erheblich. Andererseits präsentieren sich die Portfolios stabil, die Vermietungsquoten solide und die Liquiditätsreserven komfortabel. Die neuen Instrumente zur Liquiditätssteuerung könnten helfen, künftige Krisen besser zu bewältigen. Ob Offene Immobilienfonds jedoch wieder zu alter Stärke zurückfinden, wird maßgeblich davon abhängen, ob sie in den kommenden Jahren wieder attraktive und stabile Renditen oberhalb des risikolosen Zinsniveaus erzielen können. (jk)

Die komplette Studie finden Sie hier

Übersicht der aktuellen Quoten und Ratings Offener Immobilienpublikumsfonds

Fonds ISIN Auflagedatum FV in Mio. Fondswäh-rung Liquiditäts-quote Kreditquote Vermietungs-quote Scope Rating*
Deka-ImmobilienEuropa DE0009809566 20.01.1997 18.187 16,4% 16,1% 93,8% a-AIF
Deka-ImmobilienGlobal DE0007483612 28.10.2002 6.881 19,0% 22,1% 92,4% bbb+AIF
Deka-ImmobilienMetropolen DE000DK0TWX8 02.12.2019 1.824 20,7% 21,6% 99,2% bbb+AIF
Deka-ImmobilienNordamerika DE000DK0LLA6 14.07.2016 469 18,5% 22,4% 86,5% bbbAIF
FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND DE000A12BSB8 03.08.2015 625 8,1% 28,1% 91,2% suspended
grundbesitz europa DE0009807008 27.10.1970 5.253 6,7% 27,7% 90,8% bbb-AIF
grundbesitz Fokus Deutschland DE0009807081 03.11.2014 657 8,8% 29,4% 84,3% bbbAIF
grundbesitz global DE0009807057 25.07.2000 2.421 9,6% 22,9% 87,6% bb+AIF
Habona Nahversorgungsfonds Deutschland DE000A2H9B00 11.10.2019 103 10,0% 27,9% 96,9% bbb-AIF
hausInvest DE0009807016 07.04.1972 14.871 10,7% 21,6% 93,1% a-AIF
KCD-Catella Nachhaltigkeit IMMOBILIEN DEUTSCHLAND DE000A2DHR68 06.03.2017 231 12,9% 29,0% 94,7% -
KGAL immoSUBSTANZ DE000A2H9BS6 22.01.2019 58 11,5% 28,5% 96,8% a-AIF
LEADING CITIES INVEST DE0006791825 15.07.2013 330 16,8% 27,3% 92,8% cccAIF
Quadoro Sustainable Real Estate Europe Private DE000A2PFZU6 02.10.2019 182 5,8% 28,3% 91,4% -
REALISINVEST EUROPA DE000A2PE1X0 11.11.2019 597 9,2% 24,4% 97,6% bbb+AIF
Swiss Life REF (DE) European Living DE000A2PF2K4 08.10.2019 904** 14,4%** 19,9%** 95,5%** -
Swiss Life REF (DE) European Real Estate Living and Working DE000A2ATC31 22.12.2016 811 7,7% 22,2% 94,1% bbb-AIF
UBS (D) Euroinvest Immobilien DE0009772616 28.09.1999 395 8,1% 28,3% 83,1% suspended
UniImmo: Deutschland DE0009805507 01.07.1966 14.868 20,8% 4,0% 93,5% bbb+AIF
UniImmo: Europa DE0009805515 01.04.1985 10.239 13,0% 21,1% 90,4% bb-AIF
UniImmo: Global DE0009805556 01.04.2004 2.269 18,1% 27,8% 86,5% bAIF
UniImmo: Wohnen ZBI DE000A2DMVS1 28.07.2017 2.945 12,0% 19,5% 91,9% -
UniInstitutional European Real Estate DE0009805549 02.01.2004 3.831 6,9% 19,0% 94,3% a-AIF
UniInstitutional German Real Estate DE000A1J16Q1 17.10.2012 816 13,2% 9,9% 98,1% aAIF
WERTGRUND WohnSelect D DE000A1CUAY0 20.04.2010 286 0,8% 25,1% 95,6% suspended
WestInvest InterSelect DE0009801423 02.10.2000 10.690 16,7% 21,1% 92,9% a-AIF

* jeweils aktuelles Scope-Rating zum 16.06.2026; Quelle: Scope Fund Analysis, KVGen; Stand: jeweils aktuellste Veröffentlichungen der KVGen zum 11.06.2026

Diesen Beitrag teilen: