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Candriam-Fondsmanagerin Thomson: „Der Kampf gegen Krebs ist ein Teil unserer Mission“

Linden Thomson
Gesundheit

Von der Wiederbelebung der Biotechnologie bis hin zu Durchbrüchen der KI in der Onkologie – der Gesundheitssektor boomt. Linden Thomson, Portfoliomanagerin bei Candriam, erklärt, wo die größten Chancen für Anleger liegen. Ein Gespräch über Fortschritt, Risiken und eine klare Mission.

25.02.2026 | 10:00 Uhr von «Nico Hofmann»

Frau Thomson, nach Jahren der Zurückhaltung verzeichnet der Gesundheitssektor derzeit eine überraschend starke Nachfrage der Investoren. Was hat diesen Trend ausgelöst?

Linden Thomson: Wir beobachten eine Kombination aus attraktiven Bewertungen und einer Neubewertung der politischen Risiken. Der Sektor ist historisch gesehen günstig, dennoch in vielen Portfolios deutlich unterrepräsentiert. Dies hat für eine solide Basis gesorgt. Darüber hinaus blieben viele befürchtete Interventionen der US-Regierung aus. Der Markt erkennt zunehmend, dass das Gesundheitswesen eine stabile Nachfrage, eine hohe Innovationskraft und zuverlässige langfristige Wachstumstreiber aufweist. Aus diesem Grund fließt nun wieder Kapital in den Sektor zurück.

Wachstum ist für Anleger oft entscheidend. Welche Rolle spielt die Biotechnologie?

Thomson: Die Biotechnologie ist der Innovationsmotor der gesamten Branche. In diesem Bereich werden neue Arten von Medikamenten, hochpräzise Therapien und personalisierte medizinische Behandlungsansätze entwickelt. Die meisten innovativen Medikamente stammen mittlerweile aus Biotech-Unternehmen. Insbesondere in der Onkologie sehen wir aussagekräftige klinische Daten, kürzere Entwicklungszyklen und zunehmend profitable Geschäftsmodelle. Die Biotechnologie ist heute ein innovationsgetriebenes Wachstumssegment mit enormem strukturellem Potenzial.

Welche konkreten Fortschritte sehen Sie in der Krebsmedizin – und wo gibt es noch Lücken?

Thomson: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate von siebzig Prozent in den USA[1] ist ein Meilenstein und zeigt, wie stark der medizinische Fortschritt ist. Das verdanken wir einer besseren Diagnostik, präziseren Operationsverfahren, innovativen Therapien und einer verbesserten Nachsorge. Gleichzeitig gibt es nach wie vor schwerwiegende Tumorarten, beispielsweise in der Bauchspeicheldrüse oder im Gehirn. In diesen Bereichen müssen wir dringend weitere Fortschritte erzielen.
Unser Ansatz basiert darauf, die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken: Prävention, Früherkennung, Molekulardiagnostik, Robotik, Arzneimittelentwicklung, Therapie und Nachsorge. Für mich ist das der zentrale Kern meiner Arbeit. Der Kampf gegen Krebs ist nichts Abstraktes. Jeder kennt jemanden, der davon betroffen ist. Diese Tatsache motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

China hat sich in den letzten Jahren rasch zu einem wichtigen Akteur entwickelt. Wie bedeutend ist das Land für die globale Healthcare-Branche?

Thomson: Eine sehr bedeutende. China hat seine biomedizinische Forschung komplett umstrukturiert und orientiert sich stark am amerikanischen Modell. Das Tempo ist beeindruckend. Ein großer Teil der neuen Onkologiestudien wird mittlerweile in China durchgeführt, und die Kosten sind dort deutlich niedriger. Daher arbeiten Pharmaunternehmen aus aller Welt eng mit chinesischen Biotech-Unternehmen zusammen. Diese Entwicklung wird den globalen Wettbewerb und die Innovationslandschaft in den kommenden Jahren prägen.

Und welche Rolle spielt künstliche Intelligenz?

Thomson: KI verändert bereits jetzt vieles innerhalb der medizinischen Wertschöpfungskette. Ob Arzneimittelforschung, Proteinmodellierung, Laborautomatisierung oder Diagnostik – KI beschleunigt alles. Wir beobachten, dass große Technologieunternehmen mit Pharmaunternehmen zusammenarbeiten, um neue Laborinfrastrukturen aufzubauen. Die Möglichkeiten sind enorm, insbesondere in der Onkologie. Personalisierte Krebsimpfstoffe erfordern riesige Datenmengen und präzise Algorithmen. KI macht dies möglich. Meiner Meinung nach profitiert kein Sektor in naher Zukunft mehr von KI als das Gesundheitswesen.

Wie schätzen Sie die Aussichten für die kommenden Jahre ein?

Thomson: Sie sind sehr positiv. Die Bewertungen des Sektors sind historisch gesehen attraktiv, Gewinne und Umsätze wachsen solide und das Innovationstempo ist beeindruckend. Die Biotechnologie erlebt ein Comeback, angetrieben durch klinische Erfolge und hohe Kapitalzuflüsse. Life-Science-Tools profitieren von der Erholung der Biotechnologie und den Investitionen in Forschung und Produktion. Die Pharmaindustrie bleibt stabil und investiert stark in Zukunftstechnologien. In der Medizintechnik gibt es weiterhin neue Wachstumsbereiche wie die robotergestützte Chirurgie. Die Gesamtsituation gibt Anlass zu Optimismus.

Was unterscheidet Ihre Onkologie-Strategie bei Candriam von anderen?

Thomson: Es ist die Kombination aus wissenschaftlicher fundierter Expertise, thematischer Vielfalt und einer klaren Mission. Wir investieren nicht nur in Pharmazeutika oder Biotechnologie, sondern in den gesamten Behandlungsverlauf eines Krebspatienten. Dazu gehören Früherkennung, Diagnostik, Profilerstellung, Chirurgie, innovative Therapien und Nachsorge.
Unser Research-Team besteht aus Wissenschaftlern. Wir analysieren Wirkmechanismen, klinische Daten und Fachliteratur und sprechen regelmäßig mit Ärzten und Führungskräften der Industrie. Entscheidend ist aber noch etwas anderes: Die Strategie sollte einen messbaren Beitrag zum Kampf gegen Krebs leisten. Renditen und gesellschaftlicher Nutzen schließen sich hier nicht aus – sie ergänzen sich sogar.

Woran erkennen Sie ein gutes Unternehmen?

Thomson: Drei Dinge. Erstens: die wissenschaftliche Substanz. Ist der Wirkstoff wirksam und erfüllt er einen echten medizinischen Bedarf? Zweitens: die Qualität des Managements. Eine gute Unternehmensführung ist für den Erfolg oder Misserfolg im Biotech-Bereich entscheidender als in fast jeder anderen Branche. Drittens: die Bewertung. Chancen und Risiken müssen in einem angemessenen Verhältnis zueinanderstehen.
Wir nutzen ein strukturiertes Analysemodell, das klinische Zielparameter, Wirksamkeitsmechanismen, das Wettbewerbsumfeld, das Marktpotenzial und die Finanzkraft berücksichtigt.

Biotech-Aktien sind für ihre hohe Volatilität bekannt. Wie gehen Sie mit Risiken in Ihrem Onkologie-Portfolio um?

Thomson: Wir verfügen über einen strukturierten Risikomanagementprozess. Jede Position wird auf der Grundlage möglicher Kursreaktionen auf risikobehaftete Ereignisse wie Ergebnisse klinischer Studien bewertet. Wir analysieren sowohl das Szenario eines Scheiterns als auch das Potenzial für einen Erfolg. Positionen mit hohem Verlustrisiko werden bewusst geringer gewichtet. Gleichzeitig passen wir das Portfolio entsprechend der Marktphase an. Anfang letzten Jahres waren wir stärker in defensive Large Caps investiert, haben später jedoch unser Engagement im Biotech-Sektor bewusst wieder erhöht, da wir sichtbare Katalysatoren und solide Daten erwarteten. Risiko bedeutet nicht, es zu vermeiden, sondern es zu verstehen und richtig zu managen.

Fusionen und Übernahmen sind nach wie vor ein Dauerthema im Gesundheitssektor. Inwieweit profitieren Sie davon?

Thomson: Sehr stark. Pharmaunternehmen stehen vor Patentabläufen in Milliardenhöhe und verfügen gleichzeitig über enorme Cash-Reserven. Übernahmen sind für sie eine strategische Möglichkeit, um ihre Pipeline zu erneuern. Insbesondere in der Onkologie sind die Prämien oft beträchtlich. In den letzten Jahren waren mehrere unserer Investitionen Ziel solcher Transaktionen. Ich gehe davon aus, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleiben wird.

Können Sie die aktuelle Positionierung der Strategie/des Portfolios erläutern?

Thomson: Die USA dominieren aktuell mit etwa 80 Prozent des Portfolios. Auf Europa entfallen rund 18 Prozent und auf Asien 2 Prozent[2] . Wir suchen weiterhin nach Opportunitäten in Asien.
Thematisch sind wir gut diversifiziert: rund vierzig Prozent Biotechnologie, ein Drittel pharmazeutische Großunternehmen, sechzehn Prozent Life-Science-Tool-Anbieter, Medizintechnik und andere Healthcare-Anbieter. Wir halten etwa siebzig Titel, was eine ausreichende Diversifizierung bei gleichzeitig klarer Fokussierung ermöglicht.

Eine Besonderheit ist, dass Candriam einen Teil seiner Managementgebühren aus der Onkologiestrategie spendet. Wie genau funktioniert das?

Thomson: Gesundheit ist ein Thema, das uns alle betrifft. Aus diesem Grund spendet Candriam jedes Jahr einen Teil der Netto-Verwaltungsgebühren unserer nachhaltigen und thematischen Fonds für die Förderung sozialer Initiativen, die vom Candriam Institute for Sustainable Development koordiniert werden. Diese direkte Verknüpfung zwischen Kapitalanlage und Forschung ist uns wichtig. Seit 2018 wurden bereits 4,1 Mio. € zur Förderung von Forschung, Prävention und Patientenunterstützung bereitgestellt. In Deutschland unterstützen wir beispielsweise das Georg-Speyer-Haus in Frankfurt, das sich der Erforschung neuer Methoden zur Krebsbehandlung widmet. Für mich ist dies ein wesentlicher Bestandteil der Mission dieses Fonds.



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[1] Quelle: Bericht ermittelt 70-prozentige 5-Jahres-Überlebensrate für alle Krebsarten zusammen | CancerNetwork

[2] Quelle: Candriam (Daten zum Ende des Jahres 2025)

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