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Die Fed schwingt ihren Zauberstab

Die Fed schwingt ihren Zauberstab
05/2022
James K. Galbraith
Project Syndicate

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Nach Ansicht des Ökonomen Kenneth Rogoff von der Harvard University gibt „eine wachsende Zahl von Kommentatoren der US Federal Reserve die Schuld für die derzeit steil steigende Inflation in den USA.”

24.05.2022 | 09:15 Uhr

Rogoff ist mit diesem Urteil nicht einverstanden, und ich kann seine Argumentation bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Es besteht ein Unterschied zwischen Preissteigerungen aufgrund von angebotsseitigen Unterbrechungen, Ölschocks und Krieg einerseits und den zusätzlichen massiven Kosten, die häufig auf anhaltende Hochzinsphasen folgen: Pleiten, Arbeitslosigkeit und Finanzchaos. Den Menschen zusätzlich zu ersteren Kosten nicht auch noch zweitere zuzumuten, zeugt von vernünftigem und nicht sadistisch veranlagten Gebaren von Spitzenbeamten. Der Economist sieht das anders, aber Rogoff und ich nicht.

Darüber hinaus ist Rogoffs Logik jedoch schwer nachvollziehbar. Er deutet an, die Fed wäre von Amerikas ach so mächtiger progressiver Bewegung eingeschüchtert geworden, die der Professorin (und Wissenschaftlerin) Stephanie Kelton von der Stony Brook University hörig war.

Diese Vorstellung ist nicht völlig abwegig. Mit spitzer Feder und Schlagfertigkeit entwickelte sich Kelton zur versierten Diskutantin und politischen Polemikerin. Ihre unter dem Titel Modern Money Theory (MMT) vorgebrachten Ideen sind zum Teil von Größen wie John Maynard Keynes, Abba Lerner und Hyman Minsky hergeleitet. Mehr noch beruhen sie allerdings auf engmaschiger und präziser Beobachtung der tatsächlichen Praxis der Zentralbanken. Freilich weisen diese Ideen teilweise Vorschriftcharakter auf, aber diese präskriptive Kraft ist in einem Realismus verwurzelt, der die MMT auch der Politik zugänglich macht und daher für die geldpolitischen Mystiker in Harvard, Chicago, Princeton und dem MIT wirklich gefährlich ist.

Dennoch gibt es kaum Belege für Rogoffs Behauptung, die MMT hätte „in Politik und Medien viele einflussreiche Anhänger.” Derartiges ist nicht zu beweisen. Ein in der New York Times im Februar erschienenes Porträt Keltons war zwar ein Meilenstein (der für Aufregung in Cambridge sorgte), aber das beweist wohl kaum, dass die MMT Anfang 2021 in der Fed die Oberhand hatte.

Darüber hinaus räumt Rogoff - zurecht - ein, dass „angesehene zentristische Ökonomen“ wie Olivier Blanchard vom Peterson Institute for International Economics ebenfalls gegen eine verfrühte Kreditstraffung argumentiert hatten.

Im grammatikalischen Passiv bezieht sich Rogoff auf „Helikopter-Geld,” wodurch der Eindruck entsteht, diese Idee sei ausschließlich mit der MMT assoziiert. Wer mit einem besseren Gedächtnis ausgestattet ist, würde dieses Konzept allerdings eher mit Milton Friedman und Ben Bernanke in Verbindung bringen, einem gemäßigten Republikaner, der von Präsident George W. Bush zum Fed-Vorsitzenden bestellt wurde und als Reaktion auf die Finanzkrise des Jahres 2008 Helikopter-Geld in großem Stil einsetzte. Rogoff führt sogar seine eigene Argumentation aus dem Jahr 2019 für eine stärker expansive, inflationsfördernde Geldpolitik an.

Nach Rogoffs eigener Darstellung war der Widerstand gegen die frühe Anti-Inflationshysterie also keine Randerscheinung. Vielmehr handelte es sich um einen der seltenen Momente, in denen sich die Linke und viele namhafte Mitglieder des Mainstreams in etwa einig waren.

Was die Ökonomen der Fed selbst betrifft, räumt Rogoff die Möglichkeit ein, dass [sie] „wirklich dachten der Inflationsdruck sei vorübergehender Art, als sich Ende 2021 der Preisanstieg beschleunigte.“ Ja, möglich. Schließlich war die erste Runde des Ölpreisanstiegs nach der Pandemie im Juni ebenso vorbei wie der drastische Anstieg der Preise für Gebrauchtwagen, dem eine Halbleiterknappheit zugrunde lag, aufgrund derer die Produktion von Neuwagen zum Erliegen kam.

Unter diesen Umständen hätten die versierten Fachleute der Fed durchaus erwarten können, dass Preisstabilität (auf dem neuen Niveau) zurückkehren würde. Vielleicht waren sie sich des politischen Drucks nicht bewusst, der auf ihre Chefs ausgeübt werden würde. Teilweise geschürt wurde dieser Druck von Zampanos der Eliteuniversitäten, als die Medien Monat für Monat die alten Meldungen in den Schlagzeilen präsentierten. Anders als Berichte zu Arbeitslosigkeit oder BIP werden die Inflationszahlen auf Basis einer rollierenden 12-Monatsbetrachtung veröffentlicht, und das hieß, dass die Preissprünge seit Anfang 2021 immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Nachdem nun seit fast einem ganzen Jahr Schlagzeilen über die „Rekordinflation” publiziert wurden, beginnt es erst jetzt etwas ruhiger um dieses Thema zu werden.

Ebenso wenig hätte ein versierter Experte den Ölpreisanstieg auf 130 Dollar pro Fass vorhersagen können, wie er Anfang März eingetreten ist. Das wird ebenfalls noch eine Weile für Sensationsmeldungen sorgen, auch wenn der Preisanstieg an sich bereits weitgehend rückgängig gemacht wurde.

Auf jeden Fall hat die Fed nun das Heft in die Hand genommen und die Zinsen um einen halben Prozentpunkt erhöht. Dabei handelt es sich um die größte stufenweise Anhebung seit 22 Jahren, obwohl sie für sich genommen kein wirtschaftliches Erdbeben darstellt. Das Timing ist womöglich brillant gewählt. Angesichts eines negativen realen BIP-Wachstums im ersten Quartal 2022 sind die Konjunkturmaßnahmen offensichtlich vorerst beendet, und es besteht keine Aussicht, dass weitere Maßnahmen ergriffen werden. Da die Preisspitzen des Jahres 2021 nun endlich aus dem 12-Monats-Fenster verschwinden und der Ölpreis wieder etwas gesunken ist, besteht die Chance, dass die Experten des Teams Vorübergehend (falls es sie überhaupt gibt) doch noch Recht behalten werden.

Wenn ja, werden sie keine Lorbeeren ernten. Stattdessen wird man den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell preisen, den Zauberstab geschwungen zu haben. Die Inflationsfalken und die Geldverleiher werden das Wizard of Oz-Manöver beklatschen und behaupten, dass sie schon die ganze Zeit Recht hatten. Ein Murren wird nur unter Landwirten, Kleinunternehmern, Verschuldeten und Arbeitslosen zu vernehmen sein.

Copyright: Project Syndicate

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