Aktive ETFs gewinnen bei professionellen Investoren in Europa deutlich an Bedeutung. Eine Fidelity International-Studie zeigt, dass viele Anleger ihre Allokationen ausbauen wollen und dabei zunehmend auf Strategien mit höherem aktivem Anteil setzen.
21.10.2026 | 10:15 Uhr von «Peter Gewalt»
Aktive ETFs gehören zu den am schnellsten wachsenden Segmenten der Fondsbranche. Nach Einschätzung von Fidelity International steht der europäische Markt trotz stark gestiegener Mittelzuflüsse noch am Anfang seiner Entwicklung. Darauf deuten auch die Ergebnisse einer Befragung von 310 professionellen Asset-Allokatoren in Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz und Großbritannien hin.
Demnach rechnen die befragten Investoren damit, den Anteil aktiver ETFs in ihren Portfolios innerhalb der nächsten 18 Monate von durchschnittlich 10,2 auf 14,6 Prozent zu erhöhen. Für die Anbieter ist das ein Signal, dass sich die Nachfrage inzwischen deutlich verbreitert hat.
„Vor zwei Jahren wurde der Markt weitgehend von den Produktanbietern getrieben. Heute sehen wir eine echte Nachfrage auf Investorenseite“, sagte Neil Davies, Head of ETFs bei Fidelity International, während einer Presseveranstaltung des Hauses. Professionelle Anleger hätten aktive ETFs inzwischen fest auf der Agenda und prüften zunehmend, welche Rolle die unterschiedlichen Strategien im Portfolio spielen können.
Nach Angaben von Fidelity ist das weltweit in aktiven ETFs verwaltete Vermögen inzwischen auf mehr als 2,4 Billionen US-Dollar gestiegen. Europa holt dabei auf. Das Volumen aktiver UCITS-ETFs sei seit 2023 von rund 30 Milliarden auf etwa 145 Milliarden US-Dollar gewachsen. 2031 könnte der europäische Markt die eine Billion Euro-Marke überspringen. Parallel dazu habe sich die Zahl der Anbieter und Produkte deutlich erhöht.
Für Fidelity ist die Entwicklung allerdings mehr als nur eine Erfolgsgeschichte eines neuen Fondsformats. Entscheidend sei, dass Investoren aktive ETFs zunehmend differenziert betrachten.
„Aktive ETFs tragen zwar dasselbe Etikett, sind aber keineswegs gleich“, betonte Stefan Kuhn, Head of ETF Distribution EMEA bei Fidelity International. Anleger unterschieden heute stärker zwischen benchmarknahen Strategien, High-Conviction-Ansätzen und vollständig diskretionären Konzepten.
Besonders groß ist das Interesse laut der Studie an Produkten mit einem ausgeprägten aktiven Managementansatz. Rund die Hälfte der befragten Investoren wünscht sich ein breiteres Angebot an High-Conviction-Strategien. Benchmarknahe oder vollständig diskretionäre Produkte werden deutlich seltener genannt.
Für Kuhn könnte genau darin die nächste Entwicklungsstufe des Marktes liegen. „High-Conviction-ETFs könnten die nächste Grenze der Marktentwicklung darstellen“, sagte er. Je besser Anleger die Unterschiede innerhalb des Segments verstünden, desto stärker rücke die Qualität der eigentlichen Anlagestrategie in den Vordergrund.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Investoren von aktiven ETFs vor allem eine Kombination aus den Vorteilen börsengehandelter Fonds und aktivem Management erwarten. Transparenz, Handelbarkeit und Kosteneffizienz zählen zu den meistgenannten Argumenten. Gleichzeitig nennen viele Befragte die Aussicht auf Outperformance als wichtigen Grund für den Einsatz aktiver Strategien.
„Die Attraktivität aktiver ETFs ergibt sich daraus, dass sie die Vorteile des ETF-Mantels mit den Vorteilen aktiver Verwaltung verbinden“, sagte Kuhn. Anleger müssten sich nicht zwischen den strukturellen Vorzügen eines ETFs und dem Potenzial aktiver Titelselektion entscheiden.
Aus Sicht von Fidelity wird damit die Frage nach den Fähigkeiten eines Fondsmanagers wichtiger. Der ETF-Mantel allein sei kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Vielmehr komme es auf Research, Portfoliokonstruktion und Risikomanagement an.
„Anleger suchen sowohl die Effizienz des Wrappers als auch den Nachweis, dass ein aktiver Manager die gewünschten Ergebnisse liefern kann“, so Kuhn. Gerade in einem Markt mit wachsender Produktvielfalt werde dies zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal.
Davies erwartet deshalb weiteres Wachstum. Aktive ETFs würden zunehmend nicht nur als Alternative zu traditionellen Fonds genutzt, sondern auch zur Diversifikation von Portfolios oder zur Verringerung von Konzentrationsrisiken in marktgewichteten Indizes.
„Der Aufstieg aktiver ETFs ist einer der bedeutendsten globalen Trends der Investmentindustrie“, sagte Davies. Das Segment habe sich innerhalb weniger Jahre von einem Nischenmarkt zu einer ernstzunehmenden Anlagekategorie entwickelt.
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