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Silber: Optimismus der Profis bricht regelrecht ein

Bei Silber-Futures gab es an den Terminmärkten einen regelrechten Ausverkauf zu beobachten, den der Silberpreis aber relativ gut überstanden hat.

12.03.2020 | 07:15 Uhr von «Jörg Bernhard»

So wies der Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC für die Woche zum 3. März u.a. ein stark nachlassendes Interesse an Silber-Futures aus. Innerhalb einer Woche brach die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) von 239.000 auf 196.900 Kontrakte (-17,6 Prozent) massiv ein. Dies stellte den stärksten Rückgang seit über elf Jahren dar. Sowohl bei großen als auch bei kleinen Terminspekulanten hat sich die Stimmung bezüglich Silber massiv eingetrübt. Bei der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten schlug sich dies auf Wochensicht in einem Einbruch von 99.400 auf 68.400 Kontrakte (-31,1 Prozent) nieder, was dem niedrigsten Wert seit drei Monaten entsprach.

Besonders heftige Verwerfungen gab es unter den Großspekulanten zu beobachten. Sie haben ihre Long-Seite um 24.900 Futures massiv reduziert und zugleich ihr Long-Engagement um fast 1.600 Kontrakte nach oben gefahren. Summa summarum führte dies bei deren Netto-Long-Position auf Wochensicht zu einem Einbruch von 74.800 auf 48.300 Kontrakte (-35,4 Prozent). Damit rutschte deren Optimismus auf einen Schlag auf das Niveau von Mitte Dezember ab. Unter Kleinspekulanten hat die Skepsis ebenfalls markant zugenommen. Deren Netto-Long-Position hat sich innerhalb einer Woche von 24.600 auf 20.100 Kontrakte (-18,3 Prozent) nicht ganz so heftig reduziert.

Silber hinkt dem Goldpreis hinterher

Silber konnte in diesem Jahr als "sicherer Hafen" bislang nicht so recht überzeugen. Während sich zum Beispiel der Goldpreis 2020 bereits um zehn Prozent verteuert hat, musste Silber ein Minus von vier Prozent hinnehmen. Auch auf Sicht von zwölf Monaten bzw. drei Jahre schlägt derzeit eine Underperformance von 17 bzw. 44 Prozentpunkte zu Buche. Das erhöhte Schutzbedürfnis der Investoren und die damit verbundenen Nachfrageimpulse konnten das gedämpfte Interesse industrieller Investoren offensichtlich nicht kompensieren.

Diese enorme Underperformance hat dazu geführt, dass das Gold/Silber-Ratio mit aktuell über 97 mittlerweile auf dem höchsten Niveau seit fast 30 Jahren angelangt ist. Somit kostet eine Feinunze Gold derzeit mehr als 97 Feinunzen Silber. Zur Erinnerung: Vor ungefähr neun Jahren benötigte man hierfür lediglich 32 Feinunzen Silber. Unter Timingaspekten eröffnet das günstigere Edelmetall derzeit möglicherweise ein höheres Gewinnpotenzial, grundsätzlich drängt sich bei Gold & Silber gegenwärtig aber eher die Strategie auf, in beide "sichere Häfen" zu investieren. Weil Silber wildere Kurssprünge vollzieht, bietet sich zum Beispiel ein Verhältnis von 80 Prozent Gold zu 20 Prozent Silber an.

Aus charttechnischer Sicht stellt sich bei Silber die Situation derzeit ausgesprochen spannend dar, schließlich befindet sich das Edelmetall aktuell im Kampf mit der langfristigen 200-Tage-Linie. Sollte diese in den kommenden Wochen deutlich und nachhaltig unterschritten werden, wäre dies als klares Trendwechselsignal zu sehen. Doch aufgepasst: Im Frühjahr erwies sich das Unterschreiten dieser Durchschnittslinie als keine gute Verkaufsgelegenheit, schließlich legte der Silberpreis danach innerhalb von weniger als vier Monaten in der Spitze um 34 Prozent zu. Positiv anzumerken ist auch der Umstand, dass sich die 200-Tage-Linie weiterhin in einem intakten Aufwärtstrend befindet. Chartinduzierter Verkaufsdruck könnte allerdings aufkommen, falls die massive Unterstützungszone im Bereich von 16,50 Dollar markant verletzt wird. Angesichts der aktuellen Verunsicherung an den Finanzmärkten, stehen die Chancen aber relativ gut, dass dieser Boden erfolgreich verteidigt wird.

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