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DAX-Comeback der besonderen Art - Teil 1

Skandale und schleppende Kursentwicklung haben das Image des DAX beschädigt. Ausgerechnet in der Corona-Krise dreht der Index auf. Was Berater beachten sollten.

07.07.2020 | 14:28 Uhr von «Sven Parplies»

Mut wird belohnt, vor allem an der Börse. Wer Mitte März die Aktie des Chipherstellers Infineon kaufte, hat den Wert seines Investments innerhalb von drei Monaten um 90 Prozent gesteigert. Bei Siemens und Fresenius ging es seit dem Tiefpunkt um fast 70 Prozent nach oben. Für kräftige Kursgewinne war es gar nicht notwendig, sich mit Aktien zu beschäftigen - wer einfach nur einen Indexfonds auf den DAX kaufte, lag zwischenzeitlich fast 50 Prozent im Plus.

Das starke Comeback des DAX kommt für viele überraschend. Der Index hat eine schwierige Zeit hinter sich, nicht nur durch die Corona-Pandemie. Während insbesondere die amerikanischen Indizes in den vergangenen Jahren von Rekord zu Rekord eilten, trottete der deutsche Leitindex meist hinterher. Zuletzt hatte vor allem die Krise der im DAX stark gewichteten Autoindustrie Stimmung und Kurse gedrückt.

Zusätzlich gelitten hat der Index durch eine lange Serie an Skandalen. Einen besonders eklatanten liefert in diesen Tagen Wirecard. Aber auch traditionsreiche Riesen wie Deutsche Bank und Volkswagen haben sich gravierende Fehltritte geleistet. Umso erstaunlicher ist jetzt die Dynamik des Comebacks: Der DAX hat seit seinem Tiefpunkt im März nicht nur die Hauptindizes der großen europäischen Nationen abgehängt. Sogar der amerikanische S & P 500, in dem die Tech-Giganten Apple und Microsoft stark gewichtet sind, kann nicht mithalten.

Die Realität in den Unternehmen ist noch immer trist: Die Gewinne werden durch die Belastungen der Corona-Krise in diesem Jahr einbrechen. Bereits im ersten Quartal rutschte das operative Ergebnis der DAX-Konzerne nach Berechnung der Unternehmensberatung EY um knapp ein Viertel nach unten. Und das, obwohl die Geschäfte im Januar und Februar weitgehend normal liefen. Vor allem das zweite Quartal werde "extrem schwach" ausfallen, warnt EY.

Im Zentrum der Krise

Besonders hart trifft es die Industrie. Auf Jahressicht erwarten Analysten laut Datenbank des Finanzdiensts Bloomberg bei BMW und VW für das operative Ergebnis einen Rückgang von rund 50 Prozent, bei Daimler von 65 Prozent, bei Covestro von fast 90 Prozent.

Immerhin: Derzeit wird bei keinem DAX-Mitglied mit einem operativen Jahresverlust gerechnet. Den wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Lufthansa geben. Die Airline aber hat sich gerade aus dem DAX verabschiedet. Der Nachrücker, Deutsche Wohnen, hat als Immobilienkonzern ein stabileres Geschäftsmodell.

Auch wenn es paradox klingt: Der DAX profitiert derzeit von seinen Problemen. Viele Indexmitglieder kommen aus zyklischen, also stark von der allgemeinen Konjunkturlage abhängigen Branchen. Genau solche Aktien sind insbesondere in der ersten Phase einer Rally begehrt. Denn während die Realwirtschaft leidet, setzen Börsianer bereits auf die Zukunft - und den nächsten Konjunkturaufschwung. Schon im kommenden Jahr, so die Erwartung, werden die Unternehmen zu alter Stärke zurückfinden. Abgestürzte Zykliker bieten in dieser Konstellation einen besonders großen Hebel.

Starke Unterstützung für die Wirtschaft gibt es aus der Politik: Die Bundesregierung verabschiedet sich, zumindest vorübergehend, von der Schuldenbremse und startet ein großes Konjunkturprogramm. Auch auf europäischer Ebene wird plötzlich Geld ausgegeben: 500 Milliarden Euro sollen in einen Wiederaufbaufonds fließen. Für die Bundesregierung, die in früheren Krisen eine gemeinschaftliche Haftung Europas ablehnte, ist das ein scharfes Wendemanöver. Von einer "übersehenen Zeitenwende", spricht die Privatbank M.M. Warburg.

Auch aus der Wirtschaft kommen Lebenszeichen. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts, der auf der monatlichen Befragung von rund 900 Unternehmen basiert und darum als wichtiger Vorlaufindikator für die deutsche Wirtschaft gilt, hat sich im Juni kräftig erholt. Die deutsche Wirtschaft sehe "Licht am Ende des Tunnels", interpretiert Ifo- Präsident Clemens Fuest die Daten.

Härtetest bestanden

Für die Aktienmärkte sind das alles positive Signale. Nach der ersten und extremen Phase des Kursaufschwungs dürften Investoren im weiteren Verlauf allerdings wählerischer werden. Beliebt bleiben Dividendenlieferanten, schließlich gibt es viele vermögende Privatpersonen oder auch Stiftungen, die Wert auf regelmäßige Einkünfte legen. Diese Investoren dürften sehr genau registriert haben, auf welche Unternehmen in der Krise Verlass war: Allianz, BASF oder auch Bayer haben wie versprochen hohe Summen an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Und das, obwohl Corona ein guter Vorwand gewesen wäre, die Konzernkasse zu schonen.

Auch im DAX gibt es strukturelle Gewinner der Pandemie: Dass Unternehmen jetzt den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur beschleunigen, sollte das Geschäft des Softwarekonzerns SAP ankurbeln. Siemens gilt ebenfalls als Gewinner der Umwälzungen. Nach Einschätzung der Schweizer Bank UBS werden die Münchner von der Digitalisierung der Wirtschaft und den stärkeren Investitionen in den Bereichen Energie und Infrastruktur profitieren.

Der Chiphersteller Infineon darf aufgrund staatlicher Sonderprogramme, mit denen die Bundesregierung den Absatz von Elektrofahrzeugen antreiben will, auf Zusatzgeschäft hoffen. Bei diesen Modellen werden mehr Chips verbaut als bei den vom Verbrennungsmotor angetriebenen Modellen.

Psychologie einer Rally

Je stärker die Kurse bei weiter schlechten Konjunkturdaten steigen, desto größer wird die Gefahr, dass sich die Finanzmärkte zu weit von der Realwirtschaft entfernen. Die Psychologie spielt dabei eine große Rolle: Börsianer neigen dazu, in ihrem Unterbewusstsein den bestehenden Trend der Aktienmärkte in die Zukunft zu verlängern. Dieser Reflex macht es so schwer, in einem Crash gegen den Trend Aktien zu kaufen. Nach deutlichen Kursgewinnen wiederum werden Börsianer sorglos.

Eine Orientierungshilfe sollen Bewertungskennziffern geben: Größen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis sind an Wendepunkten des Konjunkturzyklus allerdings wackelige Wegweiser (siehe Investor-Info unten), weil Analysten die Dynamik der Wirtschaft an solchen Marken oft unterschätzen.

Zusätzlich verzerrt werden die Relationen durch die Notenbanken. Die extremen Stützungsmaßnahmen der Währungshüter haben die Renditen vieler Anleihen massiv gedrückt. Eine zehnjährige Bundesanleihe wirft derzeit sogar eine negative Rendite ab. Dem steht eine Dividendenrendite des DAX von knapp drei Prozent entgegen. Das, so argumentieren die Börsenbullen, rechtfertige einen Bewertungsaufschlag für Aktien.

Die zweite Welle

Die wohl größte Gefahr für Realwirtschaft und Aktienmärkte bleibt das Virus selbst. In China, dem Epizentrum der Corona-Epidemie, gab es bereits neue Infektionsherde. In einigen Bundesstaaten der USA, aber auch in etlichen Schwellenländern breitet sich Corona noch immer stark aus. In Deutschland gibt es lokal begrenzte Ausbrüche.

Eine kritische Phase dürfte im Herbst kommen: Mit den dann auf der Nordhalbkugel sinkenden Temperaturen könnte die Zahl der Infektionen auf breiter Front steigen. Ein erneuter Lockdown hätte ökonomisch verheerende Folgen. Das wissen auch die Entscheidungsträger in der Politik. Die Commerzbank rechnet darum damit, dass die Staaten im Fall einer neuen Welle eine andere Strategie anwenden: Anstatt einer Komplettschließung würden die Behörden versuchen, das Virus mit regionalen und sektorspezifischen Einschränkungen einzudämmen.

Gefährdet wären in diesem Szenario vor allem Tourismus, öffentlicher Verkehr, Hotel- und Gaststättengewerbe sowie Großveranstaltungen von Sport und Unterhaltung. Der direkte Anteil dieser Branchen an der Gesamtwirtschaft liegt nach Berechnung der Commerzbank in Deutschland bei knapp dreieinhalb Prozent. Auch für den DAX dürfte eine zweite Welle somit nicht so gravierende Schäden anrichten wie die erste.


INVESTOR-INFO

Aktienkurse - Viele Gewinner

Der DAX hat seit dem Corona-Tief Mitte März kräftig an Wert gewonnen. Die Aktie von Infineon ist in diesem Zeitraum sogar um mehr als 90 Prozent gestiegen. Eher bescheiden sind die Kursgewinne bei defensiven Titeln wie Beiersdorf. Klarer Ausreißer mit massiven Verlusten ist Wirecard.

Bewertung - Hohe Erwartung

Gemessen an den Unternehmensgewinnen ist der DAX teuer. Das gängige Kurs-Gewinn- Verhältnis wird auf Basis der von Analysten für die kommenden zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinne errechnet. Aktive Anleger setzen offenbar darauf, dass Analysten die Dynamik der Wirtschaftserholung unterschätzen.

DAX-KVG
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Konjunktur - Die Stimmung steigt

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts stieg im Juni deutlich von 79,7 auf 86,2 Punkte an. Ökonomen hatten 85 Punkte erwartet. Die von Ifo befragten Manager schätzten ihre Geschäftsaussichten und, erstmals seit Beginn der Krise, auch ihre Lage günstiger ein als zuletzt.

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