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Der große Chartcheck: Was die Charttechnik für das Börsen-Jahr 2020 verheißt

Obwohl das Marktumfeld zahlreiche potenzielle Störfaktoren beinhaltete, erwies sich 2019 als überaus gutes Börsenjahr. Charttechnisch gesehen sind dadurch bei Aktien zahlreiche Aufwärtstrends zu konstatieren.

20.12.2019 | 12:30 Uhr von «Jürgen Büttner»

Die Charttechniker bei HSBC analysieren die Ausgangslage und beurteilen die Aussichten für das kommende Jahr.

Nach dem extrem schwachen vierten Quartal 2018 erlebten die internationalen Aktienmärkte 2019 ein fulminantes Comeback. Vielerorts ging diese Entwicklung sogar mit neuen Allzeithochs einher. Setzt sich diese Entwicklung im neuen Jahr nahtlos fort oder droht 2020 wieder eine Trendwende nach unten? Wo lauern Gefahren? Was könnten die größten Überraschungen zu Beginn der neuen Dekade sein?

Auf diese Fragen und noch etliche weitere versucht HSBC-Zertifikate in einem aktuellen umfassenden charttechnischen Jahresausblick auf 2020 Antworten zu geben. Basierend auf anerkannte Verfahren der Technischen Analyse hat sich mit Jörg Scherer der Leiter Technische Analyse bei HSBC Deutschland dieser Aufgabe angenommen.

Deckungsgleiche Jahreshochs: der Taktgeber schlechthin!


HSBC-Chartexperte Scherer beginnt seinen technischen Jahresausblick auf die Weltbörsen ganz bewusst mit einem Blick auf verschiedene, sehr hohe Zeitebenen. Oftmals machen die langfristigen Charts auf Monats-, Quartals- oder gar Jahresbasis laut dem Charttechniker den Blick auf die ganz großen Trends frei. Im hektischen "Hin und Her" des Tagesgeschäfts bzw. in zum Teil noch deutlich kürzeren Zeitebenen liefen Anleger Gefahr, dieses "große Ganze" manchmal aus den Augen zu verlieren. Eine bessere Einleitung zur Analyse desDow Jones-Jahrescharts könne es kaum geben, denn gerade zum Jahreswechsel mache die Analyse hoher Zeitrahmen Sinn. Die wichtigste Botschaft nimmt Scherer dabei vorweg: "Der große Trend stimmt und ist ganz eindeutig aufwärtsgerichtet"

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Für sich genommen bilde die 2019er-Kerze einen "weißen Block", das heißt, über das gesamte Jahr hinweg sei durchgängig Kaufinteresse zu verzeichnen gewesen. Gleichzeitig umschließe der aktuelle Kerzenkörper das Pendant des Vorjahrs. Beide Candlestick-Muster sorgten also für Rückenwind. In die gleiche Kerbe schlage das neue Rekordhoch bei 28.175 Punkten, welches aus Sicht der Technischen Analyse für eines der besten Signale überhaupt sorge. 

Eine ganz andere Frage sei indes die nach dem weiteren Kurspotenzial des Dow Jones. Wenngleich gerade die neuen Rekordstände von 2019 Investoren an das trendfolgende Leitmotiv der Technischen Analyse erinnern sollten, ist der Chart der amerikanischen Standardwerte aus Sicht von Scherer nicht frei von Begrenzungen auf der Oberseite. Vor allem die Trendlinie, welche die Hochs von 1929 und 1999/2000 verbindet, sei in diesem Zusammenhang zu nennen. Aktuell verlaufe die besagte Trendlinie bei 30.307 Punkten und werde im kommenden Jahr auf 31.813 Punkte steigen. 

Interessant sei dabei ein weiteres Detail. Die 261,8 Prozent-Fibonacci-Projektion des Bullenmarktes von 1932 bis Anfang 2000 falle mit 30.697 Punkten exakt in das zuvor aufgezeigte Kursband. Darüber hinaus lasse sich aus der Durchschnittsbildung des Hoch-, Tief- und Schlusskurses des Jahres ein Pivot-Widerstand (ebenfalls bei 31.813 Punkten) ableiten. Zusätzlich zu der psychologischen Komponente - Stichwort runde Kursmarke - kämen also knapp oberhalb des 30.000er-Levels weitere "handfeste" Barrieren ins Spiel, die Anleger im neuen Jahr auf dem Radarschirm haben sollten. 

Danach kommt Scherer auf Deutschland zu sprechen: Auch der Jahreschart des DAX weise die bereits angeführten konstruktiven Candlestick-Merkmale auf. Das heiße, das heimische Aktienbarometer weise für 2019 ebenfalls einen "weißen Block" sowie ein "bullish engulfing" aus. Und doch sei die charttechnische Ausgangslage für die deutschen Standardwerte eine gänzlich andere! Vordergründig liege das logischerweise zunächst am bisher fehlenden neuen Allzeithoch oberhalb der Marke von 13.597 Punkten. 

Aber es gebe noch weitere Unterscheidungsmerkmale: So sei die 2019er-Schwankungsbreite innerhalb der High-Low-Spanne des Vorjahres verblieben, sodass ein sogenanntes "inside year" entstehe. Der DAX habe die Hochs der letzten drei Jahre darüber hinaus allesamt auf ähnlichem Niveau bei 13.526/13.597/13.374 Punkten ausgeprägt (siehe zweiter Chart). Diese Marken gehörten ins Stammbuch eines jeden Deutschland-Investors, denn ein neues Allzeithoch würde sowohl das "bullish engulfing" der letzten zwölf Monate bestätigen als auch den Deckel der letzten Jahre lüften. Ein Vorstoß in "uncharted territory" diene deshalb beim DAX als potenzieller Katalysator und sollte ein neues Aufwärtsmomentum nach sich ziehen.

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Anschließend blickt Scherer nochmals auf die USA und dabei auf den Quartalschart des S&P 500 Index. Diesen Kursverlauf nutzt der HSBC-Charttechniker, um nach einer rekordlangen Haussephase für realistische zukünftige Renditeerwartungen zu sorgen. Dazu führt er aus, dass im Verlauf des seit 1932 gültigen Basisaufwärtstrendkanals die amerikanischen Standardwerte die Trenddynamisierung von Ende der 1990er- Jahre durch eine bis ins Jahr 2013 anhaltende Schiebezone auskonsolidiert hätten (siehe Chart). Entsprechend sei durch den "bullishen" Ausbruch aus dieser Tradingrange ein prozyklisches Investmentkaufsignal entstanden.

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Aber selbst wenn Investoren zur Kurszielbestimmung nicht die absolute Höhe der oben genannte Schiebezone (rund 750 Punkte), sondern die prozentuale Veränderung (Kursverdopplung) heranzögen, dann habe der S&P 500 mittlerweile das Anschlusspotenzial vollständig ausgeschöpft. Dass die Bäume zukünftig nicht mehr in den Himmel wachsen dürften, zeige zudem die obere Trendkanalbegrenzung (aktuell bei 3.402 Punkten). 

Um an dieser Stelle ein erstes, aber sehr wichtiges Ausrufezeichen zu setzen, genüge eine simple mathematische Beispielrechnung. Dazu wird unterstellt, dass das Jahr 2009 den (unteren) Wendepunkt nach der Finanzmarktkrise markiert hat, und somit den Startpunkt der seither gültigen Haussephase definiert. Ausgehend vom Eröffnungskurs 2009 (903 Punkte) sei der S&P 500 bis Anfang Dezember 2019 auf 3.146 Punkte gestiegen. Das entspreche einem Wertzuwachs von rund 12 Prozent p.a. Bei dieser Wachstumsrate verdoppele sich der Indexstand gut alle sechs Jahre. Nach zehn Jahren stehe bereits eine Verdreifachung zu Buche. 

An diesen Zahlen könnten Investoren erkennen, wie herausragend gut die letzten elf Jahre tatsächlich gewesen seien! Wenn Anleger für die kommende Dekade einen ähnlich idealtypischen Verlauf - sprich einen Kursertrag von zwölf Prozent p.a. - unterstellten, dann stünde der S&P 500 Ende 2024 bei rund 5.550 Punkten, Ende 2029 sogar bei 9.800 Punkten. In wieweit ein solches Kursplus realistisch sei, müsse jeder Marktteilnehmer mit sich selbst ausmachen. Ungeachtet irgendwelcher charttechnischen Widerstände plädiert Scherer jedoch dafür, dass sich die "eitel Sonnenschein"-Phase der letzten elf Jahre in der kommenden Dekade nicht fortsetzen wird. Vielmehr geht man bei HSBC in Zukunft von deutlich geringeren Aktienerträgen aus!

Marktbreite: Technikerherz, was willst Du mehr?

Nach diesem kleinen Exkurs kommt Scherer zu den aus seiner Sicht wichtigsten Stärken der Technischen Analyse. Denn wie er erklärt, versetzt die angewandte Analysemethode Anleger schnell und unkompliziert in die Lage, eine große Anzahl von Aktien zu überprüfen. Anhand der dadurch gewonnenen Eindrücke könnten Investoren entscheiden, ob eine grundsätzlich gute Marktphase vorliege, in der die Flut alle Boote hebt, oder ob der Wind eher von vorne kommt. Bei der Erstellung des Technischen Jahresausblicks zählt die Analyse der Marktbreite für Scherer deshalb zu den absoluten Pflichtaufgaben.

Traditionell zieht er bei dieser Aufgabe das Momentum der letzten 50 Tage, die 200-Tages-Linie sowie die Relative Stärke nach Levy heran. Die genannten Indikatoren wendet er auf den S&P 500, denSTOXX Europe 600und die 160 Titel aus dem DAX, demMDAXsowie demSDAXan. Im Vergleich zur Situation im vergangenen Jahr habe hier eine Wende um 180 Grad stattgefunden, denn gemessen an diesen objektiven Kriterien befänden sich dies- und jenseits des Atlantiks zwischen 2/3 und 3/4 der untersuchten Titel in einem idealtypischen Aufwärtstrend. Die Marktbreite sei demnach mehr als solide und trägt den laufenden Börsenaufschwung.

Im nächsten Schritt führt Scherer die Analyse der grundsätzlichen Marktverfassung zum ältesten Marktbreiteindikator überhaupt: der Advance-/Decline-Linie. Dieser Marktbreitemaßstab ergebe sich aus dem Saldo von gestiegenen und gefallenen Aktien für alle an der NYSE notierten Papiere. Vereinfacht ausgedrückt, sei eine Aufwärtsbewegung so lange als gesund zu bezeichnen, wie diese von der Mehrzahl der Aktien getragen werde. Dies sei nach wie vor der Fall! Selbst den Rückschlag vom 4. Quartal 2018 habe die Marktbreite bestens verdaut. Mittlerweile notiere die A-/D-Linie sogar auf einem neuen Rekordlevel, sodass der Indikator - langfristig betrachtet - weiterhin wie ein Schweizer Uhrwerk von einem Hoch zum anderen eile.

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Typisch für die Spätphase einer Hausse sei dagegen, dass nur noch wenige hochkapitalisierte Titel den zugrunde liegenden Index auf neue Hochstände ziehen würden, während die Masse der Indexmitglieder bereits zurückblieben. Eine solche divergente Entwicklung habe sich jeweils im Vorfeld der letzten beiden großen, oberen Marktwendepunkte 2000 und 2007 feststellen lassen. Aufgrund der beeindruckenden Entwicklung des Marktbreitebarometers mit neuen Rekordständen in 2019 scheine ein solches Warnsignal derzeit aber noch ein gutes Stück entfernt. 

Ein besonderes Schlaglicht legt Scherer in diesem Jahr auf die europäische Marktbreite. Dem Saldo aus gestiegenen und gefallenen Papieren seien beim STOXX Europe 600 im Jahresverlauf 2019 ebenfalls in schöner Regelmäßigkeit neue Rekordstände gelungen. Die Advance-/Decline-Linie in Europa stehe ihrem US-Pendant also in keiner Weise nach. Vielmehr sei der Haussetrend seit 2009 auch hierzulande absolut intakt und werde von der Mehrzahl der Einzelwerte getragen (siehe Chart).

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Der Unterschied im Vergleich zur Situation jenseits des Atlantiks liege darin, dass der STOXX Europe 600 im Gegensatz zu den US-Auswahlindizes noch nicht auf neuen Rekordniveaus notiere. Der Stärkebeweis seitens der Marktbreite liefere also möglicherweise einen früheren Hinweis darauf, dass sich Anleger bei den europäischen Standardwerten auf einen Ausbruch nach Norden vorbereiten sollten!

Schiebezone + Allzeithoch: doppelte Steilvorlage

Nach der Analyse der grundsätzlichen Rahmenbedingungen konkretisiert Scherer den Jahresausblick. Einen besonderen Schwerpunkt legt er dabei auf das Aufzeigen der entscheidenden (charttechnischen) Signalmarken. Der Mehrwert für Anleger liege darin, dass bei Aktivierung solcher Schlüsseltrigger häufig Bewegung in den Markt komme. Ein wesentlicher Kurstreiber der Rally der letzten Dekade seien zweifelsohne die großen Technologietitel - und der Nasdaq100 läufe weiter wie ein Schweizer Uhrwerk! Im Verlauf des Basisaufwärtstrendkanals seit 2010 sei dem Aktienbarometer zuletzt ein neues Allzeithoch (8.446 Punkte) gelungen.

Von April bis Oktober hätten sich die Technologietitel immer wieder mit dem alten Rekordlevel bei 7.701 Punkten auseinandergesetzt. Dank des Lüftens dieses Deckels sei auch die Schiebezone der letzten zwei Jahre aufgelöst (siehe Chart). Selbst konservativ ermittelt, ergebe sich aus dieser Tradingrange ein Anschlusspotenzial von rund 1.500 Punkten, welches ausreiche, um perspektivisch die obere Kanalbegrenzung (aktuell bei 9.154 Punkten) ins Visier zu nehmen. Damit die Gefahr eines Fehlausbruchs auf der Oberseite nicht schlagend werde, gelte es, in Zukunft nicht mehr unter das Hoch vom Oktober 2018 bei 7.701 Punkten zurückzufallen.

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In einer vergleichbaren Ausbruchssituation stecke auch der S&P 500. Zuletzt hätten die amerikanischen Standardwerte vier nahezu deckungsgleiche Monatshochs bei gut 3.000 Punkten ausgebildet, ehe im November ein nachhaltiger Sprung auf ein neues Rekordlevel (3.154 Punkte) gelungen sei. In zweifacher Hinsicht handele es sich dabei um einen besonderen Ausbruch nach Norden: Zum einen habe das Damoklesschwert in Form eines "broadening tops" über dem Aktienbarometer geschwebt. Dabei handele es sich um ein seltenes, oberes Umkehrmuster. 

Charakteristisch seien dabei die auseinanderdriftenden Trendlinien, welche eine gewisse Marktzerrissenheit signalisierten. Mit dem Spurt über die Trendlinie (aktuell bei 3.073 Punkten), welche die verschiedenen Hochs seit Januar 2018 verbinde, gelte die diskutierte Topformation inzwischen als negiert (siehe Chart). Zum anderen messe man gerade im langfristigen Kontext Fibonacci-Projektionen eine besondere Bedeutung bei. Interessanterweise markiere das Level von 3.047 Punkten die 261,8-prozentige Projektion der letzten großen Baissebewegung von Oktober 2008 bis März 2009. In der Summe liege also ein dreifacher Ausbruch vor, der aktuell für eine charttechnische Steilvorlage sorge.

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Um im "uncharted territory" oberhalb der beschriebenen Ausbruchsmarken noch Kursziele abzuleiten, greifen wir auf den Wochenchart des S&P 500® zurück. In der kürzeren Frist spiegelt sich ein weiterer Ausbruch wider: Schließlich hatten die amerikanischen Standardwerte in den letzten Monaten ein aufsteigendes Dreieck ausgeprägt (siehe Chart 13). Dabei handelt es sich um ein trendbestätigendes Konsolidierungsmuster, welches dank der bereits beschriebenen Ausbrüche ebenfalls nach Norden verlassen wurde. Aus der Höhe des Dreiecks ergibt sich ein Anschlusspotenzial von rund 250 Punkten bzw. im Umkehrschluss ein Kursziel von rund 3.280 Punkten. Das zuletzt genannte Level harmoniert gut mit der 161,8%-Fibonacci-Projektion des Abwärtsimpulses der letzten drei Monate (3.308 Punkte). 

Unter dem Strich liegen im Rahmen eines intakten Haussetrends also verschiedene Ausbrüche auf der Oberseite vor. Dennoch wusste schon Kostolany: "An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil!" Um sich davor zu schützen, sollten Anleger 2020 einen strategischen Stopp bei rund 3.000 Punkten beachten, dessen Unterschreiten die derzeitige Ausbruchssituation negieren würde. Diese Absicherung ist umso wichtiger, da zyklische Überlegungen im neuen Jahr ein gemischtes Bild zeichnen.

STOXX Europe 600: Einer DER Schlüsselcharts 2020!

Nach der Analyse der grundsätzlichen Rahmenbedingungen wird Scherer in seinem Jahresausblick noch konkreter. Einen besonderen Schwerpunkt legt er dabei auf das Aufzeigen der entscheidenden (charttechnischen) Signalmarken. Der Mehrwert für Anleger liege darin, dass bei Aktivierung solcher Schlüsseltrigger häufig Bewegung in den Markt komme. Ein wesentlicher Kurstreiber der Rally der letzten Dekade seien zweifelsohne die großen Technologietitel - und der Nasdaq100 laufe weiter wie ein Schweizer Uhrwerk! Im Verlauf des Basisaufwärtstrendkanals seit 2010 sei dem Aktienbarometer zuletzt ein neues Allzeithoch (8.446 Punkte) gelungen.

Von April bis Oktober hätten sich die Technologietitel immer wieder mit dem alten Rekordlevel bei 7.701 Punkten auseinandergesetzt. Dank des Lüftens dieses Deckels sei auch die Schiebezone der letzten zwei Jahre aufgelöst (siehe Chart). Selbst konservativ ermittelt, ergebe sich aus dieser Trading-Range ein Anschlusspotenzial von rund 1.500 Punkten, welches ausreiche, um perspektivisch die obere Kanalbegrenzung (aktuell bei 9.154 Punkten) ins Visier zu nehmen. Damit die Gefahr eines Fehlausbruchs auf der Oberseite nicht schlagend werde, gelte es, in Zukunft nicht mehr unter das Hoch vom Oktober 2018 bei 7.701 Punkten zurückzufallen.

Die Auswertung der besonders guten Aktienjahre führt Scherer zu einem treuen Wegbegleiter der letzten Jahresausblicke und einem absoluten Schlüsselchart des neuen Jahres. Mit dem Kursverlauf des STOXX Europe 600 greift er zudem die Steilvorlage seitens der Advance-/Decline-Linie für Europa erneut auf.

Doch zunächst schaut Scherer auf die charttechnische Ausgangslage: Seit 20 Jahren seien die europäischen "Blue Chips" in einer Schiebezone zwischen 160 Punkten und gut 400 Punkten gefangen. In schöner Regelmäßigkeit hätte die Marktteilnehmer seit Beginn des Jahrtausends zwischen 401 und 415 Punkten der Mut verlassen, sodass sich hier der ultimative charttechnische Deckel schlechthin etabliert habe (siehe Chart 18). Ein Sprung über das Hoch vom April 2015 bei 415 Punkten - gleichbedeutend mit einer Auflösung der angeführten Schiebezone und einem neuen Allzeithoch - käme deshalb einem ganz großen charttechnischen Befreiungsschlag gleich, zumal auch die letzten drei Jahreshochs in diesem Dunstkreis ausgeprägt worden seien. Die jüngsten beiden Monatshochs vom November und Dezember lägen zudem bei jeweils 410 Punkten, wodurch die horizontalen Schlüsselmarken abermals eine Bestätigung erfahren hätten.

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Neben dem Rückenwind durch eine äußerst überzeugende Entwicklung der Marktbreite liefere möglicherweise auch eine besondere charttechnische Konstellation einen Fingerzeig zugunsten einer positiven Weichenstellung beim STOXX Europe 600. Schließlich könne die gesamte Kursaktivität seit dem bisherigen Rekordstand aus dem Jahr 2015 als klassische Dreiecksformation interpretiert werden. Der seit dem Allzeithoch bei 415 Punkten bestehende Korrekturtrend (aktuell bei 396 Punkten) habe gleichzeitig als obere Begrenzung des angeführten Konsolidierungsmusters gedient und sei im November überwunden worden. 

Rein rechnerisch lasse sich das kalkulatorische Anschlusspotenzial dieser trendbestätigenden Chartformation auf rund 100 Punkte taxieren. Dank des aufgezeigten Kurspotenzials stelle der beschriebene Dreiecksausbruch eine absolute Steilvorlage dar, um im neuen Jahr endlich die Schiebezone der letzten 20 Jahre zu den Akten zu legen. Eine ganze Reihe von Sektorindizes, welche den Ausbruch bereits geschafft hätten, würden dem Mutterindex aktuell zusätzlich unter die Arme greifen. Um die Ausbruchschance nicht auf die lange Bank zu schieben, sollte der STOXX Europe 600 zukünftig nicht mehr unter die 38-Monats-Linie (aktuell bei 379 Punkten) zurückfallen. 

In der Summe verfüge der STOXX Europe 600 derzeit über eines der spannendsten Kursbilder überhaupt. Deshalb gehöre dieser Chart zu den drei Dingen, die ein Techniker 2020 auf eine einsame Insel mitnehmen würde! Doch nicht nur deswegen hält Scherer den Kursverlauf der europäischen Standardwerte für einen wichtigen Taktgeber des neuen Jahres. Vielmehr sollte ein Ausbruch auf der Oberseite wichtige Rückkoppelungseffekte auf den Ratio-Chart zwischen dem STOXX Europe 600 und dem S&P 500 besitzen. Aus seiner Sicht dient eine positive Weichenstellung als entscheidender Katalysator, um die Underperformance der "alten Welt" im Vergleich zu den USA der letzten 13 Jahre zumindest temporär zu brechen. 

Einen ersten Hinweis habe in diesem Zusammenhang der Bruch des steilen Abwärtstrends im Ratio-Chart seit 2015 (siehe Chart 19) geliefert, zumal auch der MACD bezogen auf das Verhältnis der beiden Aktienindizes mittlerweile eine positive Divergenz ausweise. Die lange Phase der Underperformance europäischer "blue chips" besitze also einen hohen Reifegrad. Analog interpretieren er die jüngste Reuters Asset Allocation-Umfrage. Im November sei die Gewichtung von Euroland-Aktien mit nur noch gut zwölf Prozent in globalen Aktienportfolien auf den niedrigsten Stand der Erhebung (seit Ende 2014) gefallen.

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Europäische Aktien seien also in internationalen Portfolien deutlich untergewichtet. Entsprechend groß dürften die Anpassungsprozesse ausfallen, wenn der STOXX Europe 600 die horizontalen Hürden bei gut 400 Punkten überspringen bzw., wenn der Euro STOXX 50 in die Erfolgsspur zurückfinden sollte. Da Letzterer im x-ten Anlauf endlich den seit Anfang des Jahrtausends dominierenden Abwärtstrend (aktuell bei 3.345 Punkten) im 4. Quartal 2019 zu den Akten habe legen können (siehe Chart 20), sei in diesem Zusammenhang ein charttechnischer Anfang gemacht. 

Technisch motivierte Anleger würden zudem die äquivalente Dreiecksformation wie im Verlauf des marktbreiteren STOXX Europe 600 erkennen. Trotz des ebenfalls bereits erfolgten Dreiecksausbruchs komme beim Euro STOXX 50 aber einer weiteren Schlüsselmarke Signalcharakter zu. Bei rund 3.700 Punkten hätten die europäischen Standardwerte in den Jahren 2017, 2018 und 2019 jeweils zyklische Hochpunkte ausgebildet. Gelinge auch dieser Befreiungsschlag, dann dürfte das Mehrjahreshoch vom April 2015 bei 3.836 Punkten nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Norden darstellen. Als Lohn der Mühen winke dann perspektivisch sogar eine "4" an erster Notierungsstelle.

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Mit Blick auf den Euro STOXX 50 kommt Schwerer nochmals auf den bereits herausgearbeiteten Katalysator bei 3.700 Punkten zurück. Der Jahreschart der europäischen Standardwerte gebe in diesem Kontext in mehrfacher Hinsicht eine wichtige Orientierungshilfe. Zunächst stehe in der höchsten aller Zeitebenen am Jahresultimo mit hoher Wahrscheinlichkeit ein "bullish engulfing" zu Buche. Aber Investoren müssten gar nicht in die Tiefen der Candlestick-Analyse eintauchen, um die positiven Implikationen auf Jahresbasis zu erkennen. Viel offensichtlicher sei der erste Jahresschlusskurs oberhalb des Basisabwärtstrends seit 2000 (siehe Chart 21). Damit sollte die Nachhaltigkeit des entsprechenden Trendbruchs zementiert sein! 

Darüber hinaus sprängen die letzten drei Jahreshochs sofort ins Auge, die allesamt im Bereich der bereits aufgezeigten Schlüsselmarke von 3.700 Punkten ausgeprägt worden seien. Vor diesem Hintergrund sei ein Sprung über dieses Schlüssellevel prädestiniert, um eine neue Aufwärtsdynamik zu entfachen. Um diese Perspektive nicht aus den Augen zu verlieren, gelte es, in Zukunft nicht mehr unter den ehemaligen Baissetrend der letzten beiden Dekaden (auf monatlicher Basis bei 3.345 Punkten) zurückzufallen.

DAX-Kursindex-Ziel: Allzeithoch

In die Analyse des deutschen Aktienmarktes steigt Scherer mit zwei für manchen Anleger vielleicht weniger vertrauten Charts ein. Zunächst wirft er dabei den Blick auf den DAX- Kursindex - also ohne Berücksichtigung der Dividenden. Im vergangenen Oktober sei hier mit der Rückeroberung der Marke von 5.600 Punkten ein ganz entscheidender Befreiungsschlag gelungen, denn damit sei die Schulter- Kopf-Schulter-Formation aus dem Jahr 2018 endgültig negiert (siehe Chart). Gleichzeitig sei ein Fibonacci-Level (5.644 Punkte) sowie die 38-Monats-Linie (aktuell bei 5.676 Punkten) übersprungen worden.

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Da auch der trendfolgende MACD wieder "long" positioniert sei, sollte der DAX-Kursindex zumindest Kurs auf die horizontale Widerstandszone aus dem Jahreshoch von 2000 und den Hochs von 2015 und 2018 bei 6.266/6.340/6.444 Punkten nehmen. Ein neues Allzeithoch oberhalb dieser Hürden würde sogar nochmals für ein prozyklisches Einstiegssignal ganz anderer Güte sorgen. Fast noch spannender - und zwar sowohl unter Rendite- als auch unter Risikogesichtspunkten - findet Scherer derzeit den Chartverlauf des CDAX. Der marktbreiteste deutsche Auswahlindex befinde sich in einer vielversprechenden charttechnischen Ausgangslage. 

Dank des Spurts über den seit Januar 2018 bestehenden Korrekturtrend (aktuell bei 1.150 Punkten) könne die gesamte Verschnaufpause der letzten knapp zwei Jahre letztlich als (aufwärts-)trendbestätigende Flagge interpretiert werden (siehe Chart). Perspektivisch lasse das abgeschlossene Konsolidierungsmuster neue Rekordstände oberhalb des bisherigen Allzeithochs von 1.274 Punkten erwarten. Konkret ergebe sich bei rund 1.400 Punkten ein wichtiger Zielbereich, denn hier falle die 138,2%-Fibonacci-Projektion des Abwärtsimpulses von 2018 (1.391 Punkte) mit dem kalkulatorischen Kursziel der beschriebenen Flagge (1.440 Punkte) zusammen.

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Der Kursverlauf des marktbreiten CDAX liefere allerdings auch für das Stopp-Management eine wichtige Hilfestellung. Ein erneutes Abgleiten unter die Kreuzunterstützung aus dem eingangs beschriebenen Korrekturtrend der letzten beiden Jahre bzw. die 38-Monats-Linie (aktuell bei 1.150/1.138 Punkten) würde den diskutierten Ausbruch mit einem dicken Fragezeichen versehen. Die letzte charttechnische Rückzugszone markiere indes die Kombination aus den verschiedenen Hoch- und Tiefpunkten bei rund 1.100 Punkten und dem Erholungstrend seit Ende vergangenen Jahres (aktuell bei 1.093 Punkten). 

Zu den deutschen Standardwerten schreibt Scherer, dass als strategische Absicherung hier die Kumulationszone bei rund 11.800 Punkten prädestiniert ist. Diverse alte Hoch- und Tiefpunkte fielen auf diesem Niveau mit dem Aufwärtstrend seit Dezember 2018 sowie der 200-Wochen-Linie (aktuell bei 11.812/11.805 Punkten) zusammen. Abseits des Risikomanagements liege - analog zum CDAX - ebenfalls eine nach oben aufgelöste Korrekturflagge vor. Der Bruch des mittelfristigen Baissetrends seit Januar 2018 (aktuell bei 12.381 Punkten) liefere hier die entscheidende Steilvorlage (siehe Chart 25). Aus der Höhe dieses Konsolidierungsmusters lasse sich ein rechnerisches Anschlusspotenzial von rund 4.900 Punkten ableiten, welches - ausgehend vom letztjährigen Jahrestief (10.279 Punkte) - zu einem Kursziel von rund 15.000 Punkten führe. 

Interessanterweise unterstreiche die 138,2-prozentige Projektion der 2018er-Korrektur (14.864 Punkte) die Bedeutung des Anlaufziels. Auf dem Weg in diese Region definiere der alte Basisaufwärtstrend seit 2009 (aktuell bei 14.418 Punkten) eine wichtige Zwischenetappe. Alles in allem befinde sich der DAX in einer vielversprechenden Ausgangslage, um 2020 nochmals ein neues Allzeithoch oberhalb der Marke von 13.597 Punkten zu realisieren.

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Fazit und Fahrplan für 2020

Warren Buffett sagte laut Scherer einmal: "Man muss im Leben nur sehr wenige Dinge richtig machen, solange man nicht zu viele Dinge falsch macht!" Vor dem Hintergrund der uneinheitlichen und durchwachsenen saisonalen Einflussfaktoren dürfte 2020 ein herausfordernder Investmentjahrgang werden. Im Verlauf dieser Gratwanderung könnten Investoren (besonders) viel falsch machen. Dennoch hält es Scherer mit Dietrich Bonhoeffer, der als den größten Fehler im Leben angesehen habe, ständig Angst davor zu haben, einen Fehler zu begehen.

Aufgrund der von der Marktbreite getragenen Ausbrüche ist es gemäß HSBC ein Fehler, die neuen Verlaufs- bzw. Allzeithochs am Aktienmarkt allzu kritisch zu sehen. Da die US-Aktienmärkte noch etwas Potenzial besäßen, sollte der DAX im Jahr 2020 einen neuen Rekordstand oberhalb der Marke von 13.597 Punkten erreichen. Zur großen Überraschung könnte Europa werden. Und zwar dann, wenn der STOXX Europe 600, als einer der Schlüsselcharts der kommenden zwölf Monate, den ultimativen Deckel bei gut 400 Punkten lüften sollte. Im Erfolgsfall entstünde ein großes Investmentkaufsignal, welches entsprechende Portfolioanpassungen nach sich ziehen dürfte. Bevor sich das Investmentumfeld eintrübe, wird es möglicherweise nochmals etwas besser.

Damit Buffett dennoch nicht die Oberhand über Bonhoeffer gewinne, trägt der Charttechniker den durchwachseneren Fundamentaldaten mit engen Stopps (S&P: 3.000 Punkte, STOXX Europe 600: 379 Punkte, CDAX: 1.140 Punkte) Rechnung.

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Quelle Charts/Grafiken: BÖRSE ONLINE

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