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Diese Großaktionäre wetten auf Wirecard

Die „Financial Times“ hat erneut schwere Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. Die Aktie reagierte prompt und fiel auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. In solchen Zeiten setzen Unternehmen auf die Rückendeckung ihrer Großaktionäre, die loyal hinter der Firma stehen und den Kurs damit stabilisieren. Wer Wirecard die Treue hält.

16.12.2019 | 15:02 Uhr von «Alexandra Jegers»

Von wegen Ruhe und Besinnlichkeit: Für den Zahlungsabwickler Wirecard hat die Adventszeit mit einem Paukenschlag begonnen. Erneut schickte ein Artikel der britischen „Financial Times“ (FT) die Aktie des Unternehmens auf Talfahrt. Diesmal äußerte sich die Zeitung kritisch zur Berechnung des Bestandes liquider Mittel im Jahr 2017. Laut FT-Artikel vom 9. Dezember soll Wirecard in seiner Bilanz Geld auf Treuhandkonten zu den eigenen Bar-Reserven gerechnet haben. Die Wirecard-Aktie reagierte sofort und fiel am Tag der Veröffentlichung um rund fünf Prozent. In den folgenden Tagen setzte das Papier seinen Abwärtskurs fort und stürzte auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. Am Abend des 11. Dezembers notierte der Anteilsschein nur noch bei knapp 104 Euro. Anfang Oktober war die Aktie noch 144 Euro wert.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Wirtschaftspresse über angebliche dubiose Geschäfte des Zahlungsdienstleisters berichtet. Doch mit den neuesten Veröffentlichungen erreichen die Vorwürfe gegen den Konzern eine neue Dimension. Ging es zuvor lediglich um Umsätze und Gewinne, steht mit der Cashflow-Rechnung nun eine Kennzahl unter Verdacht, auf die Investoren besonders gerne schauen, um die Finanzkraft eines Unternehmens einzuschätzen.

Wenn Konzerne derart unter Druck stehen, richten viele Investoren ihre Augen auf die Großaktionäre. Ziehen diese sich zurück, gilt das in der Regel als schlechtes Zeichen. Halten sie dem Unternehmen dagegen die Treue, kann das für Zuversicht sorgen und andere Investoren von Panikverkäufen abhalten.

Hohe Fluktuation

Größter Aktionär bei Wirecard ist die MB Beteiligungsgesellschaft. Die Initialen stehen für Markus Braun, österreichischer Vorstandsvorsitzender der Wirecard AG. Mit einem Anteil von 7,05 Prozent besitzt Braun mehr Aktien als alle anderen namhaften Investoren. Seine Beteiligung blieb – wenig überraschend – allen Vorwürfen zum Trotz das gesamte Jahr über konstant.

Dafür war die Fluktuation bei den frei handelbaren Anteilsscheinen in den vergangenen Monaten umso höher. Den Löwenanteil hält nun die Deutsche Bank mit 5,92 Prozent. Vor allem die DWS hat in den vergangenen Wochen kräftig aufgestockt. In fünf Deutschland-Aktienfonds der Investmentgesellschaft sind die Aktien des Zahlungsabwicklers nach Informationen des Branchenportals Finanzszene.de derzeit mit dem Drei- bis Siebenfachen übergewichtet. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Citigroup (4,94 Prozent) und Artisan Partners (4,49 Prozent). Andere namhafte Investoren sind Allianz SE (1,41 Prozent) und Dekabank (1,29 Prozent).

Wetten auf fallende Kurse

Noch im Oktober sah die Eigentümerstruktur von Wirecard gänzlich anders aus. Damals lagen mit Blackrock und Jupiter Asset Management zwei große Vermögensverwalter auf den Plätzen eins und zwei. Seitdem hat Blackrock seine Anteile halbiert – von 6 auf 3,25 Prozent. Jupiter kam im Oktober auf 4,99 Prozent aller Aktien im Streubesitz, mittlerweile kommt die Gesellschaft nur noch auf 2,89 Prozent. Auch die Fondsgesellschaften Vanguard und Alken haben in den vergangenen Wochen Anteile abgestoßen.

Inzwischen positionieren sich sogar immer mehr Leerverkäufer gegen Wirecard. Der Hedgefonds Slate Path hat seine Position auf rund 1,1 Prozent der geliehenen Aktien gesteigert, Leeverkäufer Marshall Wace kommt auf 0,73 Prozent. Hedgefonds wetten auf fallende Kurse. Sie leihen sich bei anderen Investoren Aktien, um diese sofort wieder zu verkaufen. Sinkt der Kurs wie geplant, können die auch als „Shortseller“ bezeichneten Investoren die Anteilsschei­ne später zu einem geringeren Kurs zurückkaufen.

Ob das Kalkül bei Wirecard aufgeht, hängt davon ab, wie viel Wahrheit in den Vorwürfen steckt. Das Unternehmen aus Aschheim be­streitet jegliche Manipulation und kündigte an, seine Bücher von unabhängigen Wirtschaftsprüfern untersuchen zu lassen.

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