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ECO-Rating lässt keinen Platz für Greenwashing

ESG-Strategien sind gefragt – auch bei Fonds
ESG

ESG-Strategien sind gefragt – auch bei Fonds. Doch nicht alle Fonds sind so nachhaltig, wie das Etikett es behauptet. Hier will das ECO-Rating von Finanzen Verlag und Mountain View für Klarheit und ­Orientierung sorgen. Das Rating zeigt, inwieweit Investmentsfonds im Sinne unserer Umwelt investieren.

07.03.2023 | 07:30 Uhr von «Johannes Hofmann»

Auf Seiten der Investoren herrscht reges Interesse an nachhaltigen Anlagelösungen, und die Politik drängt die Asset-Manager, passende Produkte anzubieten. Doch was die EU bisher an Verordnungen und Regeln vorgelegt hat, lässt noch viele Fragen offen – macht dafür aber umso mehr Arbeit. Das neue European ESG Template etwa, das unter der überarbeiteten MiFID-II-Richtlinie Pflicht wird, verdonnert die Anbieter dazu, für jede Anlageklasse jedes ihrer Fonds regelmäßig Informationen zu rund 580 Datenpunkten zu liefern.

Was aber bei aller Geschäftigkeit immer noch fehlt, ist eine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit. Solange die Fondsanbieter selbst entscheiden, wie sie die Vorgaben der Politik interpretieren und mit welchen Methoden sie Nachhaltigkeit messen, können Investoren die verfügbaren Anlagelösungen schlicht nicht miteinander vergleichen – und nicht wissen, ob sie möglicherweise einem Etikettenschwindel aufsitzen. Denn nicht alle Fonds, auf denen „grün“ draufsteht, sind auch grün. Um hier Investoren mehr Sicherheit und Orientierung zu bieten und ihnen zu helfen, das am besten zu ihnen passende Produkt zu finden, haben der Finanzen Verlag und der Datenanbieter Mountain View das ECO-Rating für Fonds entwickelt. Im Fokus dieser neuen FondsNote stehen der Umwelt- und Klimaschutz, denn der liegt vielen Anlegern und auch der Politik besonders am Herzen.

Punkte für die Umwelt

Zugleich ist der Umweltfaktor gut messbar, wenn es um die Risikobewertung von Unternehmen oder Aktienportfolios geht. Beschließt etwa die Politik strengere Emissionsziele, ist das Geschäft von Firmen mit hohem CO₂-Ausstoß unmittelbar betroffen. Das ECO-Rating gibt deshalb Auskunft über die Umweltorientierung und Klima­risiken eines Fondsportfolios.

Bei Aktien und Unternehmensanleihen werden die Firmen anhand von zehn Kriterien analysiert, bei Staatsanleihen sind es die Länder, die sie begeben. Hier kommen acht Kriterien zum Einsatz.

Für jedes Kriterium werden Punkte vergeben, maximal können es 100 sein. Abhängig von der erreichten Punktzahl erhalten die Portfolios ein ECO-Rating von „A“ (ausgezeichnet) bis „E“ (ungenügend). Besonders streng ist das Siegel beim Thema Kohle. Ein Fonds, der in diesem Sektor investiert, bekommt automatisch ein „E“. Umgekehrt erhalten Aktienfonds viele Punkte, wenn sie einen hohen Anteil an Unternehmen im Portfolio haben, die erneuerbare Energien erzeugen oder Anlagen dafür bauen, wenn sich ihre Aktivitäten positiv auf die Umwelt auswirken – zum Beispiel durch Abfallrecycling oder Wasseraufbereitung, oder wenn sie sich zur Einhaltung der UN Global Compact-Prinzipien verpflichtet haben. Diese umfassen ökologische und soziale Mindeststandards, etwa das Verbot von Korruption, Kinderarbeit und Diskriminierung, aber auch die Vorsorge gegen eine mögliche Umweltgefährdung spielt eine Rolle.

Pluspunkte gibt es für einen niedrigen CO₂-Ausstoß. Entscheidend sind hierbei die Emissionen der Unternehmen pro Million US-Dollar Umsatz. Diese Daten liefert die Schweizer Ratingagentur Inrate und berücksichtigt neben den direkten auch indirekte Treibhausgasemissionen, die etwa bei der Nutzung der vom Unternehmen hergestellten Produkte entstehen. Das bedeutet: Einem Autobauer werden auch die Emissionen seiner Autos zugeschlagen.

Punktabzug gibt es, wenn der Anteil an Unternehmen im Öl-, Gas- und Frackingsektor oder in der Rüstungsindustrie bestimmte Grenzen überschreitet. Auch ein Engagement in Atomkraft führt zu weniger Punkten – denn die Entsorgung des radioaktiven Mülls bleibt ein ungelöstes Problem mit gravierenden Umweltrisiken. Bei der Bewertung von Fonds mit Staatsanleihen kommen ähnliche Kriterien zum Einsatz – etwa der Anteil erneuerbarer Energien an der Energieerzeugung, die CO₂-Emissionen pro Einwohner oder der an der US-Universität Yale entwickelte Environmental Performance Index, der Zustand und Dynamik des Ökosystems abbildet. Für große Rüstungsbudgets gibt es ebenso Punktabzug wie für die Nutzung von Atomenergie und die Anwendung der Todesstrafe.

Aktive und passive Fonds im Blick

Die gute Nachricht für Investoren: Es kommen sowohl die Liebhaber aktiv verwalteter Fonds als auch die Anhänger börsennotierter Indexfonds (ETFs) auf ihre Kosten. Bei beiden Fondstypen gibt es Anlagelösungen, die ein ECO-Rating von „A“ haben und ohne Zweifel als nachhaltige Impact-Fonds gelten können.

Dass das Gütesiegel nicht leicht zu bekommen ist, zeigen allein schon die Zahlen. Von den insgesamt analysierten rund 32 000 Fonds haben nur knapp 2800 ein „A“-Rating. Dagegen werden knapp 14 000 Fonds mit „E“ geratet, über 43 Prozent fallen also durch. Ein weiterer Punkt: Das ECO-Rating achtet nicht auf das Eigenetikett des Anbieters. Das zeigt etwa der BNP Paribas Funds Europe Small Cap Convertible Classic Capitalisation. Wie sein Name sagt, investiert der Fonds in Wandelanleihen, die von europäischen Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung begeben wurden – und er erhielt ein ECO-Rating von „A“, obwohl er nicht speziell auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.

Dynamisch und streng

Das ECO-Rating ist zudem dynamisch, da es in jedem Quartal aktualisiert wird, und unterliegt außerdem strengen Richtlinien. Das wiederum wird am Beispiel des SB Euro Staatsanleihen der Schoellerbank deutlich, der in europäische Rentenpapiere investiert und ebenfalls kein ESG-Label hat, ganz im Gegensatz zu anderen Fonds des Hauses. Im dritten Quartal 2021 hatte auch er ein ECO-Rating von „A“, bei der Überprüfung in diesem Jahr wurde er aber auf „B“ zurückgestuft – schließlich lässt das ECO-Rating Raum für verschiedene Ansätze des Impact Investing.

Für manche Investoren ist ein Fonds nur dann grün, wenn er etwa komplett auf traditionelle Energien, vor allem auf fossile Brennstoffe, verzichtet. Andere verfolgen bei ihrem Impact Investing eher das Ziel, Unternehmen auf ihrem Weg in eine kohlenstoffarme Wirtschaft zu begleiten. Beide – die Puristen und die Förderer einer Energy Transition – werden auf ihrer Suche nach einem nachhaltigen Investment belohnt werden: Auch hier gibt es einige Fonds mit einem ECO-Rating „A“.

Ausgezeichnete Umweltschützer
Ausgezeichnete Umweltschützer

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