
Der Sommer 2026 war der heißeste in Westeuropa seit Beginn der Aufzeichnungen. Er hat uns eindringlich vor Augen geführt, dass Wasserknappheit längst kein Risiko in ferner Zukunft mehr ist.
08.10.2026 | 05:15 Uhr
Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Welt in ein „Zeitalter des globalen Wasserbankrotts“[1] eingetreten ist. Bis 2050 dürfte der weltweite Wasserbedarf infolge von Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Industrialisierung um 20 bis 30 Prozent steigen.
Wasserknappheit trifft ganze Wertschöpfungsketten
Da fast 70 Prozent des weltweiten Süßwasserverbrauchs auf die Landwirtschaft entfallen, ist sie von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Für die gesamte Agrar- und Lebensmittelindustrie steigen damit die Risiken sinkender Erträge, schwankender Preise und unsicherer Versorgung. Vertragliche Absicherungen können Preisschocks zwar vorübergehend abfedern, die zugrunde liegende Knappheit jedoch nicht beseitigen.
Auch der Energiesektor ist potenziell betroffen, denn der Wassermangel kann die Stromerzeugung sowie den Betrieb von thermischen Kraftwerken und Kernkraftwerken beeinträchtigen, die für ihre Kühlung auf Wasser angewiesen sind.
In der Logistik führt der sinkende Wasserstand der Flüsse zu einer Verringerung der Ladekapazität von Binnenschiffen und zu höheren Transportkosten. Vom Panamakanal bis hin zu den großen europäischen Schifffahrtsrouten: Der Wassermangel wird zu einem Störfaktor für die globalen Wertschöpfungsketten.
Wasserrisiken bleiben unterschätzt
Obwohl zahlreiche Wirtschaftssektoren stark vom Wasser abhängig sind, werden die langfristigen Risiken nach wie vor unterschätzt. Der Preis, den Unternehmen für Wasser zahlen, bildet weder dessen tatsächlichen wirtschaftlichen Wert noch die möglichen Kosten einer Betriebsunterbrechung angemessen ab. Die Berichterstattung beschränkt sich oft auf den direkten Wasserverbrauch an den Standorten, doch der größte Teil des ökologischen Fußabdrucks entsteht oftmals vorgelagert – bei den Grundstoffen, der Energiebeschaffung und den Lieferanten. So ist etwa der ökologische Fußabdruck der größten Viehzuchtbetriebe im Durchschnitt 132-mal so groß wie die gemeldeten Werte.[2]
Verantwortungsbewusste Anleger analysieren die Abhängigkeit von Wasser daher über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Für Unternehmen wird es dringend notwendig, die Kosten von Wasserengpässen zu beziffern, einen internen Preis nach dem Vorbild des CO₂-Preises zu berücksichtigen und Investitionen in die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.
Abwasser wird zur strategischen Ressource
Eine vielversprechende Lösung ist die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser. Bislang liegt ihr Anteil weltweit jedoch bei 11 Prozent.[3] In Argelès-sur-Mer kann eine von Veolia entworfene Anlage bis zu 1,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr wiederaufbereiten und landwirtschaftliche Flächen im Umfang von mehr als 650 Hektar bewässern. Jeder wiederverwendete Kubikmeter entlastet die Grundwasservorkommen, sichert die Wirtschaftstätigkeit und begrenzt Nutzungskonflikte. Angesichts der zunehmenden Wasserrisiken sind entsprechende Anpassungspläne sowohl eine Voraussetzung für wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit als auch eine ökologische Notwendigkeit.
[1] Bericht Global Water Bankruptcy,
UN Institute for Water, Environment and Health
[2] FAIRR: The Global Livestock Sector Is Under-Reporting on a US$6.4 Billion
Water Scarcity Risk
[3]Scaling Water Reuse Initiative – Half of every drop by 2045
Den ausführlichen Beitrag finden Sie im angehängten PDF.
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