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Zum fünften Mal in Folge wird Christoph Rieger von der Commerzbank „Zinsexperte des Jahres“

Im Interview gibt er einen Ausblick auf das Jahr 2020 und nennt sein Erfolgsgeheimnis.

31.01.2020 | 12:45 Uhr von «Matthias Fischer»

Das gab es noch nie: Schon zum fünften Mal in Folge holt sich Christoph Rieger den Titel „Zinsexperte des Jahres“. Sowohl bei der Prognose der Rendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren als auch beim Geldmarktsatz Euribor für drei Monate schaffte es Rieger auf das Podium. Zwar landete der zweifache Vater in keiner der beiden Einzeldisziplinen ganz vorn. Aber in der Summe der Platzierungen konnte er sich in der Gesamtwertung durchsetzen.

Insgesamt fiel das Ergebnis aber sehr knapp aus. Vor allem beim Euribor für drei Monate gab es wenig Bewegung, die einzelnen Prognosen lagen sehr eng beisammen. Das gilt auch für den aktuellen Wettbewerb, der nun bereits in die neue Runde gestartet ist.

Für Rieger birgt das neue Jahr wenig Überraschungspotenzial bei den Zinsen. Den Euribor sieht er Ende des Jahres nahezu auf dem derzeitigen Niveau: Seine Prognose lautet minus 0,41 Prozent, aktuell sind es minus 0,39 Prozent. Bei den Bundesanleihen sieht er einen Rückgang der Rendite auf minus 0,50 Prozent (aktuell minus 0,24 Prozent). Sollte er recht behalten, würden die Papiere im Jahresverlauf leicht im Kurs anziehen.

Im Interview gibt Rieger einen Ausblick auf das Jahr 2020

Herr Rieger, Glückwunsch zum neuerlichen Gewinn als „Zinsexperte des Jahres“. Wie machen Sie das?

Christoph Rieger: Am wichtigsten ist ein gutes Team, aber auch, mit verschiedenen Marktteilnehmern im regelmäßigen Austausch zu sein. So entwickelt man ein Gespür, welche Themen wichtig werden oder wie regulatorische Anforderungen umgesetzt werden und sich auf das Anlageverhalten auswirken. Und natürlich braucht es stets auch eine Portion Glück.

In Deutschland wird die schwarze Null intensiv diskutiert. Macht der Staat bald mehr Schulden?

Ich kann mir gut vorstellen, dass die schwarze Null dieses Jahr geopfert wird. Entscheidend ist allerdings, dass die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse bei der Budgetplanung weiterhin eingehalten wird. Der fiskalpolitische Spielraum, der sich für den Bund daraus ergibt, beläuft sich auf 7,3 Milliarden Euro für 2020, das sind 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Braucht es denn mehr Geld von Staat, um die Wirtschaft anzukurbeln?

Spätestens seit 2019 dürfte jedem klar geworden sein, dass Deutschland nicht mehr der Wachstumsmotor Europas ist. Nur Italien verzeichnete ein schwächeres Wirtschaftswachstum, und die deutsche Industrie befindet sich in einer ausgeprägten Rezession. Mehr Geld vom Staat ist aber nicht die Lösung. Neben externen Faktoren wie dem Handelsstreit gibt es auch strukturelle und hausgemachte Probleme.

Welche denn?

Wir sehen seit einiger Zeit eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit, die durch den Fachkräftemangel und die schleppende Umsetzung notwendiger öffentlicher Investitionen verstärkt wird.

Wo in Europa läuft es besser?

Bei den großen Ländern steht Frankreich mittlerweile gut da. Die Wirtschaft ist weniger abhängig von der Weltwirtschaft und die Arbeitsmarktreformen tragen Früchte. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte 2020 mit 1,2 Prozent rund drei viertel Prozentpunkte stärker zulegen als in Deutschland. Eine noch eindrucksvollere Erfolgsgeschichte schreiben osteuropäische Staaten, allen voran Slowenien, Litauen und Lettland, die seit der Finanzkrise konsequent Reformen umgesetzt und damit ihre Standortqualität am deutlichsten verbessert haben.

Über Europa schwebt der Brexit. Was wird er bewirken?

Wirtschaftlich ändert sich erst mal nichts, wenn am 31. Januar der Brexit endlich formal vollzogen wird, da Großbritannien zumindest bis zum 31. Dezember im EU-Binnenmarkt bleibt. Ich befürchte aber, dass der Konflikt zwischen Großbritannien und der EU vor dieser Deadline noch erbitterter ausgetragen wird als im letzten Jahr.

Das sind ja eher überschaubare Aussichten für Europa. Läuft es in den USA ähnlich mau?

In den USA lässt das Wachstum zwar nach, aber eine Rezession wie von vielen befürchtet ist nicht in Sicht. Denn weder dürfte sich der Konsum deutlich abschwächen, noch ist im Wahljahr
mit einer Einschränkung bei den staatlichen Ausgaben zu rechnen. Hinzu kommt, dass die Zinssenkungen der Fed die Wirtschaft stützen. Die ersten positiven Effekte zeigen sich bereits im Wohnungsbau.

Was sind denn die größten Risiken für die Weltwirtschaft in diesem Jahr?

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist mit dem ersten Teilabkommen noch lange nicht gelöst, und US-Zölle auf EU-Importe sind nicht vom Tisch. Daneben droht wie gesagt ein harter Brexit. Und die Schuldenproblematik in Italien könnte wieder zum Thema werden, wenn Herr Salvini eine Gelegenheit ergreift, die instabile Regierungskoalition zu Fall zu bringen.

War’s das?

Nicht ganz. Über allem schwebt natürlich die Unberechenbarkeit Donald Trumps, der auch in einem Wahljahr keine geopolitischen Konflikte scheut und in der Golfregion ein Pulverfass zum Explodieren bringen könnte.

Klingt nicht gerade nach einem entspannten Jahr für Anleger. Sollten sie in den sicheren Hafen Gold fliehen?

Ich weiß nicht so recht. Der Goldpreis ist durch die Zuspitzung der Krise in der Golfregion bereits zum Jahresbeginn über unser Jahresendziel von 1500 US-Dollar angestiegen. Besser dürfte
es sein, mit Käufen eine Korrektur unter dieses Niveau abzuwarten.

Als Zinsexperte des Jahres sind Sie für die Antwort der folgenden Frage ja geradezu prädestiniert. Also: Was machen die Zinsen 2020 in Euroland?

Mit Frau Lagarde haben wir nun eine neue Chefin bei der Europäischen Zen­tralbank. Sie dürfte zunächst darauf aus sein, den tiefen Graben im EZB-Rat zwischen Befürwortern und Gegnern der lockeren Zinspolitik zu überwinden.

Und dann?

Letztendlich werden die Sorgen vor steigenden Realzinsen, fallenden Inflationserwartungen, einer Aufwertung des Euro und nicht zuletzt der Schuldentragfähigkeit in den hoch verschuldeten Ländern die EZB aber noch lange von einer Zinswende abhalten.

Was heißt das in Zahlen?

Wir prognostizieren unveränderte EZB-Zinsen. Der Reposatz wird bei null Prozent verharren und der Deposatz bleibt bei minus 0,5 Prozent.

Und was macht die US-Notenbank?

Die Zinssenkungen der Fed, die im vergangenen Jahr als Vorsichtsmaßnahmen gegen etwaige Wachstumsrisiken dienten, sind vorerst beendet. Die Kommentare gewichtiger Fed-Mitglieder zeigen jedoch, dass 2020 die Hürde für eine weitere Zinssenkung niedriger liegt als für eine Zinserhöhung.

Das heißt?

Wahrscheinlich dürfte die Fed in einer Phase schwächerer Wirtschaftsdaten — etwa im Frühjahr — die Zinsen in einem weiteren „Versicherungsschritt“ noch einmal auf ein Zielband zwischen dann 1,25 und 1,5 Prozent senken.

Was bedeutet das alles für Anleihen?

Die starke Performance am Euro-Bondmarkt im letzten Jahr wird sich wohl kaum wiederholen. Da etwa die Hälfte der Euro-Bonds Renditen unter null aufweist, sind die Aussichten auf Kursgewinne verhalten. Und es ist auf diesem Niveau auch keine praktikable Strategie, lediglich den Zinskupon zu verdienen.

Also Finger weg von Anleihen?

Auf Euro lautende Anleihen mit negativen Renditen dürften weiterhin nur für institutionelle Investoren interessant sein, die sich die noch negativeren ­Finanzierungskosten zu eigen machen können oder die bestimmte Anleihen oder Futures zur Absicherung von riskanten Portfolios benötigen.

Und alle anderen?

Die müssen sich zunehmend nach Gelegenheiten in anderen Währungen umschauen. Langfristig orientierte Investoren etwa sollten Dollar-Schwächephasen nutzen, um lang laufende US-Anleihen zu kaufen.

Sie sind ja Fan des 1. FC Köln. Der steht aber recht weit unten in der Tabelle. Wie geht die Bundesliga aus?

Mein Lieblings-Fußballverein sollte diese Saison noch mal die Kurve kriegen und die Klasse halten. Oben dürften sich am Ende der Saison wieder die Bayern durchsetzen.

Die Sieger im Überblick
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Quelle: €uro

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