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Warum Negativzinsen kein Allheilmittel sind

Lange galten sinkende Zinsen als Universallösung, um schwächelnde Volkswirtschaften wieder aufzupäppeln. Die Nebenwirkungen nahmen die Zentralbanken in Kauf. Nun warnt eine Studie: Eines der wichtigsten Instrumente der Währungshüter könnte mehr schaden als nutzen.

06.12.2019 | 14:47 Uhr von «Alexandra Jegers»

Sie waren ein willkommenes Mittel, um den Euro zu retten und Europas Krisenstaaten zu stabilisieren: sinkende Zinsen. Doch je klarer sich abzeichnet, dass die expansive Geldpolitik der Eurozone auch nach Mario Draghis Abschied als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalten bleibt und die Währungshüter sogar über Minuszinsen nachdenken, desto lauter wird der Unmut. Nun reiht sich mit der US-amerikanischen Fondsgesellschaft Pimco ein weiteres Schwergewicht in die Riege der Kritiker ein. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht warnen Pimco-Experten eindrücklich vor der Einführung von Negativzinsen. Ein Zins unter null würde dem wirtschaftlich angeschlagenen Europa mehr schaden als nutzen, heißt es in der Analyse.

Laut Pimco schaden Minuszinsen der Wirtschaft auf drei Arten: Erstens beeinträchtigen sie die Rentabilität der Banken. Deren Rendite aufs Eigenkapital sinkt, während die Geldhäuser zugleich aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks für ihre Einlagen in der Regel einen Zins über null zahlen müssen. Dadurch könnten sie weniger Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben. Zweitens belasten Negativzinsen Pensionsfonds und Versicherer. Deren Geschäft basiert auf Mindestrenditen und garantierten Auszahlungen. Negativzinsen lassen die Renditen sicherer Anleihen dahinschmelzen und stellen die Branche so vor erhebliche Herausforderungen. Drittens schaffen Negativzinsen laut Pimco eine „Geldillusion“, in der sich Sparer ärmer fühlen und daher ihren Konsum verringern.

Keine Besserung in Sicht

Eigentlich sollen fallende Zinsen Anreize schaffen, weniger zu sparen und mehr Geld auszugeben, um so die Wirtschaft anzukurbeln. Zinssenkungen unter null wird in der Wirtschaftstheorie ein ähnlich expansiver Effekt nachgesagt. Die Pimco-Analysten halten es dagegen für wahrscheinlich, dass Negativzinsen Verbraucher sogar zum Sparen animieren. Darauf lassen die Erfahrungen aus anderen Ländern schließen. In Schweden und Dänemark sei die Sparquote der Haushalte nach Einführung der Minuszinsen gestiegen, heißt es in dem Bericht. Für die Eurozone sprechen die Autoren eine deutliche Warnung aus: Die Ertragsschwäche der Banken in Kombination mit niedrigen Aktienkursen könne gerade angesichts der schwächelnden europäischen Wirtschaft die Finanzstabilität gefährden.

Warnungen wie diese finden immer häufiger Gehör – auch unter Zentralbankern. In Australien haben die Währungshüter 0,25 Prozent als Untergrenze für die Leitzinsen definiert – ab diesem Wert halten sie andere Instrumente für wirksamer als Zinssenkungen. Auch die schwedische Riksbank hält Zinsen unter null für schädlich. „Unter Notenbankern schwingt das Pendeln weg von negativen Leitzinsen“, sagt Seema Shah, Chefanlagestrategin bei Principal Global Investors. Für Sparer sei das aber nur ein schwacher Trost. „Einen deutlichen Anstieg der Anleiherenditen wird es nur geben, wenn die Märkte beginnen, eine geldpolitische Straffung zu erwarten“, sagt Shah. Davon sei nichts zu sehen.

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