Capital Group: Ist die US-Dollarschwäche ein Vorbote für mehr?

Capital Group: Ist die US-Dollarschwäche ein Vorbote für mehr?

Beginnt jetzt eine neue mehrjährige Dollarbaisse, oder erleben wir nur eine vorübergehende Unterbrechung der mittlerweile fast zehnjährigen Hausse?

30.11.2020 | 09:13 Uhr

Diese Frage stellen sich Investoren, die die kontinuierliche Abwertung der US- Währung seit dem COVID-19-Ausbruch zu Jahresbeginn erlebt haben.

Im Überblick

  • Die jüngste US-Dollarschwäche könnte das Ende der fast zehnjährigen Hausse signalisieren.
  • Wichtige Gründe sind die niedrigeren US-Staatsanleiherenditen, das hohe Haushaltsdefizit und die mögliche Deglobalisierung.
  • Investoren können sich mit nicht währungsgesicherten internationalen Anleihen für einen schwächeren US-Dollar positionieren.
  • Auch andere Assetklassen mit Fremdwährungsengagement, etwa Emerging-Market-Anleihen, könnten vom schwächeren US- Dollar profitieren.


Dollarzyklen dauern meist mehrere Jahre. Der Wechsel von der Hausse zur Baisse braucht meist Zeit, und nicht selten kommt es zu einem Fehlalarm. Noch ist es zu früh, um den Beginn einer neuen Dollarbaisse auszurufen, aber es könnte in nächster Zeit dazu kommen. Im Rückblick könnte 2020 als das Jahr erscheinen, in dem die Wende eingeläutet wurde.

Zu einer Dollarhausse kommt es meist dann, wenn mehrere Faktoren zusammenfallen, die die US-Währung stärken. Wenn diese Faktoren wegfallen, kehrt der Dollarkurs in der Regel zu seinem fairen Wert zurück. Anfang der 1980er-Jahre bewirkte die Kombination aus hohen Realzinsen, Steuersenkungen und Deregulierung Mittelzuflüsse in die USA, sodass der US-Dollar stieg. In den 1990ern und zu Beginn der 2000er-Jahre stärkten die berechenbare US- Fiskalpolitik und das Wirtschaftswachstum den Dollar, und der Dotcom-Boom tat ein Übriges. In der jüngsten Hausse, die 2011 begann, sorgten vergleichsweise hohe Realzinsen, ein attraktiver Zinsvorsprung und eine lockere Fiskalpolitik für ein überdurchschnittlich starkes Wirtschaftswachstum in den USA – mit der Folge, dass der US-Dollar gegenüber den meisten anderen Währungen aufwertete.

Auf und Ab

Dollarhaussen und Dollarbaissen seit 1970

Dollarhaussen und Dollarbaissen seit 1970


Drei Faktoren, die die Dollarbären wecken könnten

Jetzt könnte der nächste Wendepunkt anstehen. Die jüngsten Änderungen der Geld- und Fiskalpolitik mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 abzumildern, sowie die zunehmende Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik könnten eine neue Baisse einläuten. Vor allem drei Dinge gilt es zu beobachten: die Konvergenz der Geldpolitik der Industrieländer, das anschwellend US-Haushaltsdefizit sowie grundlegende Änderungen der
internationalen Handelsströme.

1. Realzinskonvergenz macht den US-Dollar weniger attraktiv

Die äußerst expansive US-Geldpolitik und die Zinssenkungen nach COVID-19 sind ein wesentlicher Grund dafür, dass man jetzt eine Dollarbaisse erwartet.
Ein wichtiger Unterstützungsfaktor ist weggefallen, seit sich der Realzinsvorteil von US-Titeln gegenüber anderen Industrieländer-Staatsanleihen so stark verringert hat. Seit 2013 hatten die im Vergleich zu Deutschland, Japan und Großbritannien attraktiveren inflationsbereinigten Renditen in den USA den US- Dollar gestärkt. Als die Fed dann ab 2015 drei Jahre lang die Zinsen anhob, kam ein beachtlicher Zinsvorteil hinzu.

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