Homeoffice Story: Kadir Solmaz, Pictet Asset Management

FundResearch TV dokumentiert im Rahmen der Web-Konferenz „Fonds im Fokus“ den derzeit nicht alltäglichen Alltag von Finanzprofis. Heute: Kadir Solmaz von Pictet Asset Management.

29.05.2020 | 07:30 Uhr

Herr Solmaz, wie sieht Ihr Tag aus?

Kadir Solmaz: Grundsätzlich ist meine Arbeit immer noch dieselbe, Corona hin oder her. Ich telefoniere viel und bin mit meinen Kunden und Kundinnen in Kontakt. Die Themen unterscheiden sich allerdings manchmal von dem, was man sonst so bespricht. Die Corona-Krise hat uns alle aus unserem täglichen Trott herausgerissen - viele Menschen machen sich Gedanken. Nicht nur über ihre eigene Situation, sondern insgesamt über den Lauf der Welt. Das prägt auch die Atmosphäre in den Unterhaltungen.

Kadir Solmaz, Pictet Asset Management

Was hat sich in den vergangenen Wochen für Sie verändert?

Kadir Solmaz: Auch wenn jetzt schon wieder viele Einschränkungen aus dem Shutdown zurückgefahren sind, ist doch noch eine gewisse Anspannung da. Und auch ein Erstaunen. Wir haben vor ein paar Wochen noch gedacht: Das mit dem Virus kriegen wir schon hin. Aber das Virus ist immer noch da. Und es wird wohl auch nicht so schnell verschwinden.

Was vermissen Sie am meisten?

Kadir Solmaz: Ich habe das Gefühl, das etwas an Leichtigkeit verloren gegangen ist. Da muss man, glaube ich, aktiv dagegenhalten. Meine Frau und ich haben beschlossen, dass wir demnächst auch mal wieder essen gehen.

Wir versuchen, etwas mehr Normalität in unseren Alltag einzubauen. Man muss sich seine Unbekümmertheit wieder erarbeiten. Was ich noch vermisse: Ich treibe normalerweise viel Teamsport, und meine Frau und ich sind in den vergangenen Jahren viel gereist. Beides ist zurzeit sehr stark eingeschränkt, und das fühlt sich nicht gut an. Reisen öffnet die Augen und das Herz. Andere Kulturen zu erleben, andere Naturgegebenheiten zu sehen sowie andere Menschen zu treffen, ist eine Bereicherung. Insofern wird die Welt gerade etwas ärmer. Und zwar um einen Faktor, den man mit staatlichen Subventionen und mit der Notenpresse leider nicht auffangen kann. 

Was können Regierungen und Notenbanken denn tun?

Kadir Solmaz: Das, was sie im Moment tun, ist schon großartig. Mir scheint, man hat aus den Fehlern der Finanzkrise gelernt. Offensichtlich wollen die Staaten und die Notenbanken alles tun, um einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern. Ich weiß natürlich nicht, ob alle angewandten Instrumente richtig sind und so funktionieren werden, wie sie sollen. Unsere Volkswirte halten es auch für möglich, dass aufgrund des weltweiten Konjunkturabschwungs weitere Korrekturen an den Aktienmärkten auf uns zukommen können. Das kann natürlich passieren. Ich finde jedoch vor allem die psychologische Wirkung sehr wichtig. Es wird von den verantwortlichen Institutionen das Signal vermittelt: Wir tun was, wir stemmen uns dagegen. Das macht zumindest Mut. 

Welche Strategien sind denn in so einem komplizierten Umfeld für Anleger interessant?

Kadir Solmaz: So, wie die Märkte in den vergangenen Wochen gelaufen sind, konnte man auf den ersten Blick ja fast nichts falsch machen. Der Turnaround war schon beeindruckend. Aber wenn man genauer hinsieht, dann erkennt man schon ein paar wegweisende Trends. Wir beobachten eine gestiegene Nachfrage nach unseren Themenfonds. Die Anleger haben offensichtlich ein gutes Gespür für Megatrends, die sich im aktuellen Marktumfeld weiter manifestieren. Gefragt sind etwa solche Themen wie digitale Gesundheit, bargeldloser Zahlungsverkehr, Cloud-Organisation und das gesamte Unternehmenssoftwaresystem, das von zu Hause ausgenutzt werden kann, sowie Sicherheit, hier mit Schwerpunkt auf Biowissenschaften, Cybersicherheit, Rechenzentren (Cloud) und Zahlungsverarbeitung (Fintech). Und dann ist da noch das Thema Nachhaltigkeit. Das überstrahlt alles.

Welche Gründe sehen sie dafür?

Kadir Solmaz: Es gab schon vor der Corona-Krise eine hohe Aufmerksamkeit für das Thema, nicht zuletzt wegen Greta Thunberg und den Friday for Future-Demos. Die demonstrierenden Kinder waren sicher nicht der Auslöser, aber sie haben durch ihr Engagement eine Entwicklung forciert, die bereits im Gange war. Die Politik hat in den vergangenen zwei Jahren zunehmend Druck aufgebaut und deutlich gemacht, dass es ihr Ernst damit ist, die Wirtschaft nachhaltiger und ökologischer zu gestalten. Entsprechend ist das Interesse der Anleger an nachhaltigen Investments gestiegen. Unser Clean Energy Fonds wird viel nachgefragt.

Was zeichnet den Fonds aus?

Kadir Solmaz: Der Fonds zielt darauf ab, nachhaltig in die Energiewende zu investieren, die wichtige Entwicklungen wie E-Mobilität, intelligente Städte, effiziente Fertigung, grüne Gebäude, Energieeffizienz, autonome Autos sowie Elektrifizierung und Speicherung als integrale Bestandteile beinhaltet. 

Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Kadir Solmaz: Ja, ein Beispiel ist die Energieeinsparung durch eine effiziente Fertigung.  So kann beispielsweise der Einsatz von High-End-Simulations-Software, die vorhersagt, wie Produkte sich verhalten werden und wie der Produktionsprozess in der Realität ablaufen wird, einen geringeren Bedarf an Prototypen, ein besseres Produktdesign und damit eine optimale Energie- und Ressourceneffizienz ermöglichen. Und gleichzeitig die Markteinführung des Produkts beschleunigen. Ein anderes Beispiel sind Technologien für Green Buildings. Hier sind etwa Klimaanlagen und eine effizientere Beleuchtung wichtige Themen.

Im Moment treiben ja viele Fondsgesellschaften das Thema Nachhaltigkeit voran. Wie unterscheiden Sie sich von anderen?

Kadir Solmaz: (lacht) Sie müssten eher die Anderen fragen. Wir sind eine 215 Jahre alte Privatbank, die schon aus Prinzip generationenübergreifend denkt. Das liegt in unserer DNA. Da müssen wir uns nicht neu erfinden. Unser Hauptsitz in Genf hat das größte nachhaltige Kühl- und Heizungssystem der Schweiz installiert. Wir investieren nicht nur mit unserer Anlagestrategie in Clean Energy-Technologien, sondern zeigen als Unternehmen selbst auch konsequent grünes Engagement. Wir haben bereits vor Jahren in unseren Geschäftsprozessen neben anderen Maßnahmen strikte Ziele festgelegt, um den CO2-Abdruck pro Mitarbeiter der Pictet-Gruppe zu reduzieren. Das ist eine Entwicklung, die durch die Corona-Pandemie nicht gestoppt wurde. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Herr Solmaz, vielen Dank für dieses Gespräch.

Fonds im Fokus - Videokonferenz
Fonds im Fokus - Videokonferenz

Donnerstag, 18.06.2020

PICTET ASSET MANAGEMENT: Saubere Energien - Wendepunkte zu einer neuen Energiewelt

Warum Investitionen in einen Clean Energy Fonds auch im Umfeld niedriger Ölpreise Sinn machen, erklärt Fondsmanager Walter Liebe vom Themenfondsspezialisten Pictet. Liebe wird auch darlegen, warum das Segment „erneuerbare Energien“ nur zu rund 25 Prozent im Portfolio berücksichtigt wird. Und weshalb stattdessen eine breitere Interpretation des Themas mit Segmenten wie „grüne Gebäude“ und „Schlüsseltechnologien“ erfolgversprechend ist. 

Jetzt für die Videokonferenz am 18. Juni anmelden.


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