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Die Kleinen stehen vor einem großen Comeback

Sonnige Aussichten: In Japan, den USA und Europa locken Small Caps mit hohen Renditechancen
Small-Caps

Nach Jahren der Vernachlässigung kehren Small Caps auf die Bühne der Aktienmärkte zurück. In den USA, Europa und Japan sprechen sowohl wirtschaftliche Trends als auch strukturelle Veränderungen für eine Renaissance der Nebenwerte – und für ihre wachsende Bedeutung in diversifizierten Portfolios

14.01.2026 | 08:00 Uhr von «Jörn Kränicke»

Small Caps fristeten zuletzt ein Schattendasein. Nun deutet jedoch vieles auf eine Trendwende hin. In allen wichtigen Wirtschaftsregionen verbessern sich die Rahmenbedingungen, und Experten wie Geoff Dailey, US-Aktienchef bei BNP Paribas Asset Management, sprechen bereits von einer Neubewertung der Anlageklasse.

Die USA: Rückenwind durch Politik, Innovation und M & A

Kaum ein Markt zeigt derzeit so klare Signa­le für eine Small-Cap-Renaissance wie die Vereinigten Staaten. Die jüngsten Zinssenkungen der US-Notenbank verschaffen kleinen Unternehmen spürbare Erleichterung bei Finanzierungskosten. Gleichzeitig setzt die Regierung neue steuerliche Anreize für Investitionen, Forschung und Entwicklung – Maßnahmen, die insbesondere jenen Firmen zugutekommen, die stark im Inland verankert sind und überproportional von niedrigeren Kreditkosten profitieren. „Wir sehen ein Umfeld aus Stimulus, Deregulierung, wachsender Inlandsnachfrage und steigenden Gewinnen“, betont Dailey. Aus seiner Sicht sprächen die aktuellen Trends klar dafür, dass die Erholung der US-Small-Caps erst am Anfang stünden.

Dazu trage auch die Dynamik im Technologiesektor bei. Während die großen Techunternehmen die Schlagzeilen beherrschten, entstehe ein beträchtlicher Teil der digitalen Infrastruktur bei deutlich kleineren Firmen: von Hardwarelieferanten für Rechenzentren über Netzwerktechnik bis hin zu spezialisierten Softwareunternehmen im Bereich Cybersicherheit oder Logistik.

„Parallel dazu erwacht der Markt für Übernahmen und Fusionen wieder. Private-Equity-Gesellschaften und größere Industrieunternehmen greifen vermehrt zu, was die Bewertungen vieler Small Caps stützt.“ Diese „M & A-Pipeline“ war jahre­lang blockiert, öffnet sich nun jedoch schrittweise – laut Dailey ein zusätzlicher Katalysator für Kursgewinne.

Japan: Der stille Wachstumsgigant

Während die USA durch ­Innovationstempo und fiskalische Impulse glänzen, liegt die Besonderheit des japanischen Small-Cap-Markts in seiner Größe und gleichzeitig extrem geringen Aufmerksamkeit. Mit mehr als 3700 börsennotierten kleinen und mittelgroßen Firmen ist Japan der zweitgrößte Nebenwertemarkt der Welt – aber auch einer der am wenigsten analysierten. Viele Unternehmen werden von gerade mal ein
oder zwei Analysten beobachtet. Daher sind Fehlbewertungen besonders ausgeprägt, und Anleger finden ein ungewöhnlich breites Feld unerkannter Chancen vor.

Hinzu kommt, dass japanische Small Caps in hohem Maße auf den Binnenmarkt ausgerichtet sind. In Zeiten globaler Unsicherheiten, etwa durch Zölle oder schwankende Währungen, bietet diese Ausrichtung eine bemerkenswerte Stabilität. Die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen spielen den kleinen Unternehmen zusätzlich in die Karten. Japan erlebt nach Jahrzehnten der Deflation eine Phase wirtschaftlicher Erholung, gestützt durch steigende Löhne, wachsenden Konsum und verbesserte Unternehmensführung.

Der BNP Japan-Small-Cap-Spezialist Shun­suke Sean Park verweist darauf, dass die tiefgreifenden Corporate-­Governance-Reformen der letzten Jahre zwar stark im Rampenlicht der Großkonzerne standen, ihre Wirkung jedoch zunehmend in den kleineren Firmen sichtbar wird. „Viele dieser Unternehmen steigern ihre Eigenkapitalrendite, bauen ineffiziente Beteiligungsstrukturen ab und richten sich stärker auf profitables Wachstum aus – Entwicklungen, die in den Kursen oft noch kaum reflektiert sind“, sagt er. Ein weiterer Treiber sei der Mentalitätswandel der Konsumenten. „Der jüngere Teil der Bevölkerung, der jahrzehntelang unter deflationären Erwartungen lebte, gibt heute deutlich mehr aus. Davon profitieren vor allem kleine Unternehmen in Bereichen wie Mode, Freizeit, spezialisierter Einzelhandel oder Gastronomie – Sektoren, die einen Großteil des japanischen Small-Cap-Universums ausmachen.“

Europa: Moderate Bewertungen und neue Investitionsprogramme

Nach mehreren Jahren schwacher Nachfrage und deutlicher Abflüsse zeigt sich 2025 eine nachhaltige Stabilisierung. Ein wesentlicher Impuls kommt aus der Politik: Deutschland plant ein langfristiges Investitionsprogramm im Umfang von 500 Milliarden Euro, das vor allem Infrastruktur, Energie, Bau und Gesundheit zugutekommen soll. Kleine und mittelständische Unternehmen mit starker Industrieorientierung profitieren besonderes davon.

Der europäische Small-Cap-Markt zeichnet sich laut Damien Kohler, Head of European Small Caps von BNP Paribas AM, zudem durch eine bemerkenswerte Vielfalt aus. „In nahezu jedem Land finden sich sowohl zyklische Konsumwerte als auch Dienstleister, Industriezulieferer oder Versorger, die vergleichsweise stabile Ergebnisse liefern. Diese Mischung erlaubt es Anlegern, innerhalb des Segments gezielt auf jene Geschäftsmodelle zu setzen, die vom jeweiligen wirtschaftlichen Umfeld am stärksten profitieren.“

Ein weiterer Vorteil Europas liege in den vergleichsweise hohen Ausschüttungen von teilweise über sieben Prozent. Laut Small-Cap-Experte Kohler ist das „der attraktivste Markt für Dividendenjäger seit zwei Jahrzehnten“. Auch in Europa belebe sich die M & A-Aktivität. Private Equity und Industrieunternehmen kauften vermehrt kleine Firmen, was die Attraktivität des Segments zusätzlich erhöhe.

Fazit: Die Unterschiede liegen vor allem in der Struktur der Märkte. In den USA wird die Entwicklung stark von Innovation, Technologie und staatlichen Impulsen getrieben. Europa überzeugt durch moderate Bewertungen, hohe Dividenden und langfristige Infrastrukturprogramme. Japan wiederum punktet durch seine Binnenorientierung, die geringe Korrelation zu globalen Märkten und durch eine Vielzahl unentdeckter Unternehmen, die von strukturellen Reformen profitieren.


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