
Die Schwellenländer stehen in vorderster Reihe beim globalen Wasserstress – aber auch bei innovativen Lösungen.
10.03.2026 | 06:01 Uhr
Eine Autostunde südlich von Dschidda – die Fahrt führt mitten durch die saudi-arabische Wüste – liegt ein gewaltiger Industriekomplex aus unzähligen Betongebäuden, Ansammlungen von weissen kuppelförmigen Lagertanks und Rohrleitungen, die Hunderte von Metern in das blaugrüne Wasser des Roten Meeres hineinragen.
Wer sich in der Region auskennt, für den mag das wie eine x-beliebige Ölraffinerie aussehen. In Wirklichkeit aber handelt es sich um die fortschrittlichste Wasserentsalzungsanlage der Welt, eine hocheffiziente, solarbetriebene Anlage, die täglich 600.000 Kubikmeter Meerwasser in Trinkwasser umwandelt. Das reicht aus, um bis zu 40% des Süsswasserbedarfs von Dschidda – und der umliegenden Region – zu decken.
Das Besondere an diesem Rabigh 3 Komplex, der dem in Riad ansässigen Unternehmen ACWA Power gehört, ist die verwendete Technologie, die zu fast 100% nachhaltig ist. Anstelle einer ölbefeuerten Hitzebehandlung kommt hier die Umkehrosmose zum Einsatz, eine Aufbereitungsmethode, bei der Meerwasser unter hohem Druck durch feine Membranen gepresst wird, was den Energieverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Entsalzungsmethoden um 80% senkt.
.Rabigh 4, die noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden soll, wird tagsüber mit Solarstrom betrieben und nutzt nur nachts das Stromnetz. Eine eigene Photovoltaikanlage – die ihrerseits zu den grössten der Welt zählt – trägt dazu bei, den Stromverbrauch aus dem Netz um etwa 45% zu senken und die CO2-Intensität jedes produzierten Liters Wasser zu verringern.
ACWA Power entwickelt und betreibt Entsalzungsanlagen in mindestens 14 Ländern im Nahen Osten, Afrika sowie Zentral- und Südostasien. Das Unternehmen möchte die Meerwasser-Umkehrosmose-Technologie in allen seinen Entsalzungsanlagen einzusetzen, derzeit sind es zwei Drittel. Eines der Vorzeigeprojekte ist die Taweelah-Anlage in Abu Dhabi, die über 40% grösser ist als die bisher grösste Anlage und eine Kapazität von fast 1 Million Kubikmeter Wasser pro Tag hat.
Doch trotz dieser bemerkenswerten Errungenschaften ist ACWA Power nicht die einzige Erfolgsgeschichte. Es ist nur eines von mehreren weltweit führenden Wassertechnologieunternehmen mit Sitz in einem Schwellenland, und ihre Zahl wird immer grösser.
In den Schwellenländern liegt die Wasserversorgung traditionell in der Verantwortung der Kommunen. Doch der Umfang der Investitionen, die für neue Anschlüsse, Netzerweiterungen und Infrastrukturverbesserungen in Zeiten knapper kommunaler Haushalte erforderlich sind, bietet den dort ansässigen Privatunternehmen attraktive Möglichkeiten, sich an der Finanzierung, dem Bau und dem Betrieb von Wasserinfrastrukturen zu beteiligen und dabei ihr Fachwissen und ihre Technologie einzubringen.
In Lateinamerika ist die Situation ähnlich wie im Nahen Osten. Dort soll der Anteil der Bevölkerung, der von öffentlich-privaten Partnerschaften bedient wird, bis 2030 von derzeit 30% auf 35% steigen, womit die Region über dem weltweiten Durchschnitt liegen würde (siehe Abbildung).

Die brasilianische Companhia de Saneamento Básico do Estado de São Paulo (Sabesp), die bereits zu den weltgrössten Wasser- und Abfallversorgern gehört, profitiert von diesen Trends.
Aktuell versorgt Sabesp rund 15% der brasilianischen Bevölkerung. Das Unternehmen plant jedoch, in den kommenden Jahren zu expandieren und das ganze Land zu versorgen. Gleichzeitig verstärkt es die Investitionen und verbessert die betriebliche Effizienz durch Technologie, was wiederum das Gewinnwachstum unterstützt.
Sabesp baut ausserdem eine bahnbrechende Entsalzungsanlage auf der Grundlage der Umkehrosmose-Technologie auf der Insel Ilhabela vor der Küste São Paulos.
Die Anlage, die noch in diesem Jahr in Betrieb genommen wird, soll mit Solarenergie arbeiten und rund 8.000 Menschen mit Trinkwasser versorgen – und ist damit in puncto Umweltinnovation ein Vorbild nicht nur für andere Küstenstädte in Brasilien, sondern auch für andere Länder, die Probleme mit den Wasserressourcen haben.
Die asiatischen Schwellenländer sind eine weitere Region, in der
sich die Wassertechnologie rasant weiterentwickelt. Daten des
Europäischen Patentamts zeigen, dass China und Südkorea rund 5% des
weltweiten Anteils internationaler Patentfamilien in diesem Sektor
ausmachen, während Indien einen hohen Spezialisierungsgrad aufweist.Gemessen
am Revealed Technological Advantage (RTA) Index, der die
Spezialisierung eines Landes in Bezug auf wasserbezogene Innovation im
Verhältnis zu seiner gesamten Innovationskapazität angibt. Der Indikator
ist definiert als der Anteil eines Landes an den internationalen
Patentfamilien (IPF) in einem bestimmten
Technologiebereich geteilt
durch den Anteil des Landes an den IPF in allen Technologiebereichen.
Ein RTA-Wert über 1 spiegelt die Spezialisierung eines Landes auf eine
bestimmte Technologie wider. Israel weist einen RTA-Wert von 3,1 auf und
Indien von 1,9 (dieser Wert liegt über dem der EU, der USA und Japans).
Die Analyse zeigt auch, dass die Beiträge chinesischer Patentanmelder in jedem wasserbezogenen Technologiebereich im letzten Fünfjahreszeitraum zugenommen haben, insbesondere bei der Wasseraufbereitung und beim Schutz vor Gefahren im Zusammenhang mit Wasser. Dieser Trend steht im Einklang mit Chinas allgemeiner Umweltpolitik und seinen Bemühungen, die Probleme der Wasserverschmutzung und -knappheit in den Griff zu bekommen.
Das an der Börse Shenzhen notierte Unternehmen Vontron Technology, das zur CRRC-Gruppe gehört, ist ein führender Membranhersteller für die Wasseraufbereitung mit dem Umkehrosmoseverfahren. Es ist auf die Wasserreinigung und -aufbereitung spezialisiert und bietet hauptsächlich hochwertige Umkehrosmose-Membranen zur Entfernung von gelösten Salzen, Verunreinigungen und Verschmutzungen aus dem Wasser an. Diese Technologie findet breite Anwendung in industriellen Prozessen, einschliesslich der Halbleiterherstellung, die grosse Mengen an „Reinstwasser“ benötigt, das frei von Verunreinigungen ist. Branchenschätzungen zufolge werden bis zu 30 Liter für einen einzigen Chip benötigt. Die Membranen von Vontron werden an Kunden in mehr als 130 Ländern weltweit geliefert.
Es gibt noch mehr Gründe, warum die Nachfrage nach solchen fortschrittlichen Wasseraufbereitungstechnologien in China wachsen dürfte. In den letzten Jahren hat das Land die Vorschriften zur Bekämpfung der Wasserverschmutzung verschärft und bestimmte PFAS-Verunreinigungen, sogenannte „Ewigkeitschemikalien“, strengeren Umweltkontrollen unterworfen. Im Juli hat die Provinz Sichuan die ersten Ableitungsgrenzwerte für spezifische PFAS in Abwasser in China eingeführt, nach den USA und Europa, deren Vorschriften zur Entfernung von PFAS jedoch noch aggressiver sind.
Wasserstress betrifft nicht nur die Schwellenländer. Die Nachfrage nach intelligenten Wasserlösungen steigt in den Industrieländern, wo extreme Wetterbedingungen und sich verändernde Niederschlagsmuster Dürren häufiger und in einer höheren Intensität auftreten lassen. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass die Hälfte der 100 grössten Städte der Welt einem hohen Druck auf ihre Wasserressourcen ausgesetzt sind, darunter Peking, New York, Los Angeles, Rio de Janeiro und Delhi, die unter extremem Wasserstress stehen, während London, Bangkok und Jakarta als stark unter Stress stehend eingestuft werden.
Für Investoren hat dies eine grosse Relevanz. Der Schutz des Wassers ist heute ein zentrales
Element des verantwortungsvollen Investierens. Wer Umwelt- und
Nachhaltigkeitsziele verfolgt, kommt an Unternehmen, die diese Risiken
angehen, nicht vorbei, und viele von ihnen sind in Schwellenländern
ansässig. Die Allokation von Kapital in hochwertige
Schwellenländerunternehmen im Wassersektor kann zu langfristigem
Wachstum führen und sich spürbar auswirken, da Milliarden von Menschen
mit der Aussicht auf schwerwiegende Wasserknappheit konfrontiert sind,
die durch den Klimawandel, das rasante Bevölkerungswachstum und die
Besorgnis über Schadstoffe wie PFAS noch verschärft wird.
Von Saudi-Arabien über Brasilien bis hin zu China – die Schwellenländer sind Vorreiter bei innovativen Antworten auf den zunehmenden Wasserstress. Sie bieten langfristig orientierten Investoren die Möglichkeit, strukturelles Wachstum, neue Renditequellen und konkrete Verbesserungen zu bewirken.
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