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Hüfner: Eine Autobahn für den Zahlungsverkehr

Hüfner: Eine Autobahn für den Zahlungsverkehr
07/2019
Martin Hüfner
Assengon (Website)

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Normalerweise schreibe ich nicht über Themen, die in aller Munde sind. Hier aber läuft die Diskussion meines Erachtens in eine falsche Richtung.

10.07.2019 | 11:01 Uhr

  • Es gibt tausend Einwände gegen die neue Kunstwährung Libra. Hier einmal ein Plädoyer dafür.
  • Der große Vorteil: Es ist eine Autobahn für den Zahlungsverkehr.
  • Noch sind viele Fragen offen. Die großen Leidtragenden sind die Banken.

Versetzen Sie sich 200 Jahre zurück. Als die Dampfmaschine ihren Siegeszug begann, waren die Reaktion der Menschen überwiegend negativ. Den meisten waren die neuen Maschinen unheimlich. Sie hatten Angst vor Unfällen. Sie fürchteten den Verlust ihrer Arbeitsplätze und eine weitere Verarmung. 1844 kam es zu dem berühmten Weberaufstand in Schlesien. Die positiven Wirkungen auf den Wohlstand und das Wachstum, die später eintraten, konnte sich keiner vorstellen. Heute sind wir froh, dass es die Dampfmaschine gegeben hat (wenn sie auch etwas sozial verträglicher hätte eingeführt werden können).

Bei allen großen wirtschaftlichen und technischen Umwälzungen, die wir seitdem erlebt haben, war das Muster ähnlich. Zuerst schroffe Ablehnung, dann zum Teil schmerzhafte Umstrukturierungen, am Ende ein Wohlstandsgewinn, den niemand mehr missen möchte.

SCHRUMPFENDE BANKEN

Beschäftigte im Kreditgewerbe, Deutschland

Schrumpfende Banken
Schrumpfende Banken
Schrumpfende Banken

Jetzt passiert dasselbe mit Libra. Nun will ich das neue Kunstgeld, das Facebook dieser Tage vorgestellt hat, in seiner Bedeutung nicht mit der Dampfmaschine vergleichen. Es ist bei weitem nicht so grundlegend. Es ist aber doch bemerkenswert, dass die meisten Kommentare auch hier negativ sind. Facebook werde noch unkontrollierbarer. Der Schutz der persönlichen Daten sei gefährdet. Geldwäsche und "Dark Economy" würden gefördert. Die Geldpolitik der Zentralbanken werde unterlaufen. Die Stabilität des internationalen Finanzsystems sei gefährdet.

Alle scheinen sich, bevor sie sich näher mit Libra befasst haben, einig zu sein, dass das neue Geld schleunigst regu­liert werden müsste. Facebook dürfe damit nicht an den Markt gehen, bevor nicht gegen alle Eventualitäten Vorsor­ge geleistet wurde. Wenn wir das mit der Dampfmaschine so gemacht hätten, hätten wir sie vielleicht heute noch nicht.

"Wenn wir das mit der Dampfmaschine so gemacht hätten, hätten wir sie vielleicht heute noch nicht"

Angesichts des vielfältigen Widerstandes gegen Libra hier einmal ein Plädoyer dafür. Um was geht es? Libra ist ein Kunstgeld, das den Zahlungsverkehr vor allem mit dem Ausland erleichtern soll. Dieser ist bisher sehr teuer und zeitaufwändig. Man rechnet mit Gebühren von 7 % und einer Bearbeitungszeit von 3 bis 4 Tagen. Das liegt daran, dass nicht nur verschiedene Banken involviert sind, sondern meist auch noch das Telekommunikationsnetzwerk Swift. Besonders kostspielig sind Überweisungen in Entwicklungs­länder (zum Beispiel von Gastarbeitern im Ausland). Man­che Banken warten mit der Überweisung, bis eine bestimm­te Anzahl von Aufträgen zusammenkommt, um sie dann ge­bündelt auszuführen.

Mit Libra wird das alles viel einfacher. Wer überweisen will, kauft mit seinem nationalen Geld die neue Kunstwährung. Diese kann er mit einem Klick über seinen Facebook Ac­count an den Empfänger schicken. Das Ganze kostet so viel wie eine SMS und wird in Sekunden abgewickelt. Der Empfänger kann die Libra behalten und sie, wenn das in seinem Land möglich ist, hier verwenden. Er kann sie aber auch als Reserve halten. Dafür gibt es spezielle Wallets (Brieftaschen), die aber nicht verzinst werden. Er kann sie aber auch in seine nationale Währung tauschen und hat dann Geld wie jedes andere.

Das Ganze ist wie eine Autobahn für den Zahlungsverkehr. Wer kann da schon konkurrieren?

Vor allem in Entwicklungsländern sind Libra unschlagbar. Viele haben dort zwar ein Handy, aber kein Bankkonto. Auslandszahlungsverkehr spielt eine große Rolle wegen der Gastarbeiter im Ausland, die ihr Einkommen an ihre Famili­en überweisen. Nach Schätzungen von Facebook gibt es in der Dritten Welt über 2 Milliarden potenzielle Nutzer für Libra. Das ist ein immenser Markt, der erschlossen werden kann.

Abgewickelt werden Libra-Überweisungen über die Block­chain-Technologie. Sie ist sicherer als normale Überweisun­gen, weil in den "Blöcken" die gesamte Historie der Zahlun­gen für alle Teilnehmer dokumentiert ist. Wer eine Transak­tion manipulieren will, fällt auf, weil das ganze System in Unordnung gerät.

Manche haben Bedenken wegen der Ähnlichkeit zu Bitcoin und anderen Kunstwährungen. Libra ist aber etwas ganz anderes. Es gibt hier nicht die riesigen Wertschwankungen wie bei Bitcoins. Libra sind relativ stabil. Sie sind vollständig gedeckt durch einen Korb von Staatsanleihen und Bankein­lagen in den großen Währungen der Welt (Stablecoins). Wer Libra kauft, erwirbt ein Stück dieses Währungskorbes. Natürlich gibt es auch hier Schwankungen, wenn sich die Zinsen und Devisenkurse bewegen. Sie sind jedoch viel ge­ringer als die zwischen nationalen Währungen, die sonst beim Auslandszahlungsverkehr anfallen.

Ein großer Nachteil der Bitcoins ist auch die Affinität zu ungesetzlichen oder verbrecherischen Geschäften. Die Organisatoren von Libra versuchen dies auszuschalten, indem sie sich mit großen und renommierten Anbietern im Zahlungsverkehr wie Visa, Mastercard oder Paypal zusam-mengetan haben. Bei der Eröffnung von Wallets für Libra sollen die gleichen Betrugsbekämpfungsverfahren und Überprüfungen angewandt werden wie bei Banken. Eine Einlagensicherung, wie sie bei Banken existiert, gibt es bei Libra allerdings nicht.

Für den Anleger

Mit einer endgültigen Bewertung von Libra muss man der­zeit vorsichtig sein. Noch sind zu viele Fragen offen. Es muss auch viel reguliert werden. Vieles sind Versprechun­gen von Facebook, die erst eingelöst werden müssen. Ge­nerell aber sollte man nicht zu skeptisch sein. Innovationen sind für Volkswirtschaften und Kapitalmärkte etwas Gutes. Da gibt es Chancen, Geld zu verdienen. Verlierer sind die Banken, die wegen der niedrigen Zinsen und der hohen Regulierung schon jetzt in Schwierigkeiten sind (Grafik). Ihnen entgeht mit dem Zahlungsverkehr nicht nur eine wich­tige Ertragsquelle. Sie verlieren auch einen bedeutsamen Zugang zu den Kunden für andere Geschäfte.

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