Die Zukunft der Industrie: Daten und saubere Energie

Die Zukunft der Industrie: Daten und saubere Energie
Nachhaltigkeit

Der Technologieboom macht den Übergang zu sauberer Energie immer dringlicher – aber auch leichter realisierbar. Warum das so ist, erfahren wir auf dem weltweit grössten Gipfel für industrielle Innovation.

18.06.2026 | 10:48 Uhr

Daten und Energie sind zwei der wichtigsten Ressourcen der Welt. In beiden Bereichen beobachten wir eine deutliche Verschiebung der Angebots- und Nachfragedynamik – und wir müssen innovativ sein, um uns darauf einzustellen.

Das war meine wichtigste Erkenntnis aus den Gesprächen mit Start-ups, Grosskonzernen, Wissenschaftlern und Risikokapitalgebern auf der diesjährigen Hannover Messe, dem weltweit grössten Treffen von Industrieinnovatoren mit rund 150.000 Teilnehmern von 4.000 Unternehmen.

Als Umweltinvestoren waren wir vor Ort, um uns über neue Technologien zu informieren, die Energie- und Ressourceneinsparungen ermöglichen.

Eine wesentliche Veränderung betraf den Ton der Gespräche über Energie, bei der sich die Nachfrage derzeit grundlegend wandelt. Es herrscht ein neues Gefühl der Dringlichkeit. Versorgungsunternehmen und Konzerne wollen den bevorstehenden Herausforderungen im Energiebereich rechtzeitig begegnen.

Energie aus nichtfossilen Brennstoffquellen macht bereits 41% der weltweiten Stromerzeugung aus. Um diesen Anteil zu erhöhen, müssen wir bessere Wege finden, um die Schwankungen bei der Erzeugung von Wind- und Solarenergie auszugleichen.

Gleichzeitig haben die Zunahme extremer Wetterereignisse, Berichte über Cybersicherheitsverstösse und wachsende geopolitische Spannungen dazu geführt, dass Themen wie Energiesicherheit und Energieunabhängigkeit stärker in den Fokus gerückt sind.

Innovationen bei Energiespeichern und Mikronetzen

Ein taiwanesischer Elektrozulieferer stellte uns beispielsweise ein neues Batterie-Energiespeichersystem (BESS) vor, das eine dynamische Energiesteuerung ermöglicht.

Dieses BESS wird zusammen mit Solarzellen, Brennstoffzellen, Generatoren, Transformatoren und anderen wichtigen elektrischen Geräten eingesetzt, verfügt über eine Flüssigkeitskühlung und passt in einen einfachen Energiespeicherschrank. Das System hat eine Stellfläche von weniger als 1,5 m2, ist gabelstaplertauglich und kommt ohne unterirdisch verlegte Leitungen aus. So soll diese Technologie das Energiemanagement vereinfachen und Batteriespeicher auch für kleinere Gewerbestandorte zugänglicher machen.

Auch bei der Entwicklung von Software und Steuerungssystemen für Mikronetze – dem „Gehirn“ des Systems – konnten wir deutliche Fortschritte feststellen.

Mikronetze können die Resilienz unserer Stromversorgung stärken, indem sie den Betrieb dezentralisieren und die Abhängigkeit vom allgemeinen Netz verringern. Dazu sind hochentwickelte Steuerungssysteme nötig, um alle Generatoren, Speicher, Verbraucher und Netzanschlüsse zu koordinieren. Beispiele dafür haben wir in Hannover gesehen, wo der Schwerpunkt der Innovationen nicht nur auf Energieeffizienz und dynamischem Lastmanagement lag, sondern auch auf Cybersicherheit und der Fähigkeit, die Stabilität im Falle von Störungen durch Wetterereignisse oder Angriffe zu gewährleisten.

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Die Rolle der KI bei der industriellen Innovation

All diese Innovationen sind nur dank digitaler Technologie möglich – das andere grosse Thema auf der Hannover Messe. Jede Präsentation, jede Demonstration von Technologie, die wir gesehen haben, jedes Gespräch, das wir geführt haben, alles drehte sich um KI. Kein Wunder: KI ist heute auf den meisten Veranstaltungen das Thema der Stunde. Was mir aufgefallen ist: Diese Gespräche sind im Vergleich zum vergangenen Jahr viel weiter fortgeschritten.

Es geht nicht mehr darum, wozu KI für Industrieunternehmen eines Tages von Nutzen sein könnte. Der Schwerpunkt hat sich bereits auf die praktische Umsetzung verlagert, und die Bandbreite der Anwendungsmöglichkeiten ist beeindruckend.

Im Mittelpunkt stand vor allem die sogenannte physische KI, von „Dark Factories“ – in denen Maschinen die Arbeit verrichten – bis hin zu humanoiden Robotern, die an vielen Ständen zu sehen waren. Wir haben humanoide Roboter gesehen, die eine Vielzahl von Tätigkeiten ausübten, vom Ausschenken von Getränken bis hin zu Tai-Chi. Sie fielen natürlich ins Auge, aber wir haben kaum ein Anwendungsbeispiel für ihre Einbindung in die Automatisierung industrieller Anwendungen gesehen – also genau dort, wo sie künftig eine Rolle bei der Effizienzsteigerung spielen könnten.

Dagegen hält agentische KI bereits in vielen Branchen Einzug. Besonders interessante Anwendungsfälle für agentische KI sind für uns die vorausschauende Wartung und Prognosen für industrielle Prozesse – hier hilft KI dabei, mögliche Ausfälle von Anlagen vorherzusehen und vorbeugende Massnahmen zu planen. Zwar gibt es diese Technologie in Form von digitalen Zwillingen schon seit geraumer Zeit, doch führt die Einbindung von KI-Agenten zu einer Verlagerung weg von den üblichen „Dashboards und Simulatoren“ hin zu aktiven, spezialisierten Agenten, die erforderliche Änderungen mit minimalem menschlichem Eingriff planen, beschliessen und teilweise auch umsetzen. In einem Beispiel konnten Agenten den Ausschuss sowie den Wasser- und Druckluftverbrauch in einer Fabrikumgebung minimieren, indem sie den digitalen Zwilling kontinuierlich auf Veränderungen im Mikrobereich überprüften.

Ein zentraler Anwendungsbereich dieser Technologien wird in Zukunft natürlich das Energiemanagement sein. Wie uns ein Ingenieur eines europäischen Energietechnologieunternehmens erklärte, kann Strom nicht mehr als reine Versorgungsleistung betrachtet und verwaltet werden. Er berichtete von einer deutlich steigenden Nachfrage nach den Lösungen seines Unternehmens, die eine gemeinsame Steuerung von Energie und Prozessen ermöglichen.

Mit anderen Worten: Strom ist keine garantierte Ressource mehr, auf die man per Knopfdruck zugreifen kann. Seine Verfügbarkeit ist jetzt eine aktive Einschränkung. Das bedeutet aber auch, dass sich hier eine Chance für Unternehmen bietet, die die auf der diesjährigen Hannover Messe vorgestellten Technologien nutzen – Technologien, die bei richtiger Umsetzung Prozesse deutlich verbessern, die Effizienz steigern, Ausfallzeiten reduzieren und die Produktionsleistung steigern können. Als Umweltinvestoren sehen wir darin grosses Potenzial.


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