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Hüfner: Zehn Überraschungen des Jahres 2019

Zehn Überraschungen des Jahres 2019
12/18
Martin Hüfner
Assenagon (Website)

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Wie in jedem Jahr gibt es als letzte Ausgabe meines Kommentars zehn nicht ganz ernst gemeinte Überraschungen für das Jahr 2019. Ich verabschiede mich für 2018 und komme wieder am 9. Januar 2019.

19.12.2018 | 10:05 Uhr

An Überraschungen hat es im letzten Jahr weiß Gott nicht gefehlt. Das hängt nicht zuletzt mit dem amerikanischen Präsidenten zusammen und seiner Neigung, vorzugsweise das zu tun, was Märkte und Öffentlichkeit gerade nicht von ihm erwarten. Viele mögen das nicht. Vieles war auch wirklich schlecht. Aber nicht alles. Die Steuerreform und die Deregulierungen etwa haben zeitweise zu erheblichen Kursgewinnen an den US-Aktienmärkten geführt.

Ich vermute, dass wir 2019 eher noch mehr Überraschungen erleben werden. Es gibt immer mehr "kleine Trumps" in der Welt, die sich durch Unerwartetes profilieren wollen. Im Folgenden ein paar Beispiele, was im Umfeld der Kapitalmärkte alles passieren könnte.

Erstens: Nach dem Chaos beim Brexit setzt Ernüchterung im Vereinigten Königreich ein. Vielleicht war es doch nicht so klug alles alleine machen zu wollen. Es kommt die Idee auf, eine "Alternative EU" (AEU) zu gründen. Die britische Premierministerin nimmt Gespräche mit nordeuropäischen Ländern und mit Irland über eine stärkere Zusammenarbeit auf. Brüssel ist "not amused".

Zweitens: Die Regierung in Rom erkennt, dass das Volk weder den Euro noch die EU verlassen will. Sie denkt über Alternativen nach, wie sie das Land aus dem wirtschaftlichen und politischen Tal führen kann. Eine Idee: Sie macht einen radikalen Schnitt bei den Staatsschulden. Danach geht es den Banken wieder besser, die Maastricht-Kriterien werden erfüllt, der Staat kann wieder aus dem Vollen wirtschaften und es kommt zu der gewünschten Umverteilung von oben nach unten. Italien wird mit einem Mal der Musterstaat im Euro, sehr zum Ärger der anderen Mitglieder.

»Es gibt immer mehr "kleine Trumps" in der Welt, die sich durch Unerwartetes profilieren wollen.«

Drittens: In Deutschland öffnet sich die SPD nach links, weil sie einsieht, dass die CDU ihr in der Mitte Wähler wegnimmt. Es kommt zu Gesprächen mit Sahra Wagenknecht und ihrer Bewegung "Aufstehen". Da die bisherige Vorsitzende der SPD Andrea Nahles wenig Fortune hatte, bietet sich Wagenknecht als neue Vorsitzende an. Teile der Grünen, vielleicht auch der AfD, schließen sich an.

Viertens: Die Proteste gegen die Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten nehmen zu. Der Verkehrsminister bringt einen neuen Vorschlag: Ein Parkverbot für Diesel-Autos. Sie dürfen zwar in die Innenstädte fahren, dürfen dort aber weder halten noch parken. Begründung: Beim Parken ist die Emission von Schadstoffen am Höchsten.

Fünftens: Endlich gelingt ein Durchbruch in der Altersvorsorge: Ältere Menschen verkaufen ihre Häuser an die Banken. Sie erhalten dafür nicht nur ein lebenslanges Wohnrecht, sondern auch eine lebenslange Rente, mit der sie ihre sonstigen Altersbezüge aufbessern können. Das ruft Proteste der Enkelgeneration hervor. Sie gründen den Bundesverband der geschädigten Enkel (BdgE).

Sechstens: Die Deutschen gelten vielfach als Miesepeter und Könige der schlechten Laune. Die Glückforscher haben ermittelt, dass das nicht richtig ist. Deutschland befindet sich mit seinem Glücksempfinden vielmehr genau im Durchschnitt der EU. Seine Bürger fühlen sich – so die Statistiker – sogar wohler als etwa die Amerikaner. Mit zunehmendem Alter werden sie auch nicht unglücklicher, sondern zufriedener. Die Regierung plant, diese Ergebnisse stärker publik zu machen. Das erspart ihr Änderungen bei der Politik.

Siebtens: Die Europäische Zentralbank fasst sich ein Herz und erhört die Klagen von Wirtschaft und Banken. Sie schafft, trotz der konjunkturellen Schwäche, die Nullzinsen schon im Frühjahr 2019 ab. Das gibt zunächst einen Riesenkrach an den Finanzmärkten, weil viele auf dem falschen Fuß erwischt werden. Als die Beteiligten aber erkennen, dass dies für die Währung und für sie selbst langfristig das Beste ist, dreht sich die Stimmung. Die Aktienkurse in Europa gehen wieder nach oben. Es wiederholt sich das berühmte "Conundrum", das es vor 15 Jahren schon einmal in Amerika gab.

Achtens: Rettung der Deutschen Bank. Weil die Wirtschaft nicht an die von der Regierung geplante Fusion mit der Commerzbank glaubt, andererseits aber dringend eine große und starke Bank braucht, kommt ein neuer Gedanke auf. Ein Konsortium aus Industrieunternehmen erwirbt die Mehrheit an der Deutschen Bank, setzt ein neues Management ein und trimmt die Bank auf Erfolg. Erfahrung in Finanzdingen haben die Unternehmen durch ihre eigenen Banken schon.

Neuntens: Der Ärger mit den verdammten Targetsalden geht vorbei. Die Europäische Zentralbank und die Bundesbank stellen die Veröffentlichung der jeweiligen Zahlen ein. Zunächst geht ein Aufschrei durch das Land, weil wichtige Informationen nicht mehr veröffentlicht werden. Das beruhigt sich aber nach einer gewissen Zeit. Die Targetsalden hat ohnehin niemand verstanden. Sie wurden nur durch Zufall von Professor Sinn entdeckt. Niemandem geht es schlechter, seit die Öffentlichkeit nicht mehr weiß, wie groß die Salden sind.

Zehntens: Demokratie in Europa. Nach einem heftigen Kampf der Spitzenkandidaten bei der Wahl des Europäischen Parlaments, beschließen die Staats- und Regierungschefs, keinen von ihnen zum Kommissionspräsidenten zu wählen. Sie ernennen vielmehr Christine Lagarde, die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds. Sie bekommt den Auftrag, sich besonders für mehr Demokratie in Europa einzusetzen.

Für den Anleger

Dies ist der letzte Wochenkommentar in diesem Jahr. Ich danke allen Lesern, die mir die Treue gehalten haben, mir immer wieder schrieben und mich mit neuen Gedanken angeregt haben. Ich freue mich, dass 2018 wieder viele Leser dazu gekommen sind.

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes, friedfertiges Neues Jahr.

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