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Crypto-Winter und kalter Gegenwind durch die Regulierung in Europa

Die weltweite Zinswende und Regulierungswünsche in Europa setzen Kryptowährungen wie dem Bitcoin derzeit kräftig zu. Welche Gründe dies hat und weshalb Investoren dennoch optimistisch bleiben können, erklärt Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel.

10.05.2022 | 12:12 Uhr von «Peter Gewalt»

Der Begriff „Crypto-Winter“ bezeichnet eine Phase stark fallender Kurse gefolgt von länger anhaltend tiefen Notierungen im Bereich der Crypto-Anlagen, wie bspw. die Zeit zwischen den beiden Bitcoin-Kurshypes Ende 2017 und Ende 2020, in der der Bitcoin-Kurs von knapp 20.000 auf nur noch gut 3.000 US-Dollar abstürzte. Zwar vervierfachte sich die Marktkapitalisierung des bekanntesten Crypto-Assets zwischenzeitlich wieder, das Erreichen neuer Höchststände gelang allerdings erst im Dezember 2020. Den beiden jüngsten Bitcoin-Höchstnotierungen aus April und November 2021 bei knapp 64.000 bzw. 68.000 US-Dollar folgte unter gewohnt hohen Schwankungen eine deutlicher Rücksetzer bis auf derzeit etwa 34.000 US-Dollar. Auch die meisten anderen Crypto-Assets hatten vergleichbare Verluste zu verzeichnen.

Unter charttechnischen Gesichtspunkten kann man derzeit nur von intakten Abwärtstrends sprechen. Und auch fundamental sprechen einige Aspekte gegen zeitnahe Kurssprünge nach oben, wobei die tatsächlichen Kurstreiber im Crypto-Segment sicher schwieriger zu identifizieren sind als bei klassischen Anlageklassen, wie Aktien, Anleihen oder Edelmetallen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die seit Anfang 2022 v.a. im US-Dollarraum sehr deutlich gestiegenen Zinsen einiges an potenzieller Nachfrage nach Anlagealternativen aus dem Crypto-Segment zurückgehalten haben. Wer ausschließlich an der Kapitalanlage via Crypto-Assets interessiert ist und in anderen Währungsräumen beheimatet ist, dürfte zudem aufgrund des seit rund einem Jahr massiv aufwertenden US-Dollar seine Käufe zurückgehalten haben, ein Effekt, der im Zusammenhang mit Goldinvestments bestens bekannt ist. Zudem scheint auch der Bitcoin-Kurs mit zunehmender Adoption bei klassischen Kapitalanlegern unter dem Eindruck kurzfristig stark steigender Unsicherheiten, bspw. aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen, ein vergleichbares Kursmuster zu zeigen, wie andere Risikoanlagen. Wenn Liquidität gefragt ist – im Crypto-Sinne nicht notwendigerweise die Umschichtung in US-Dollar oder Euro, sondern eher in Stable-Coins – werden v.a. hochliquide Anlagen unabhängig vom möglichen künftigen Kurspotenzial verkauft.

Nicht zuletzt dürften auch die vor allem in Europa zunehmenden Nachrichten über eine stärkere Regulierung von Crypto-Assets für steigende Vorsicht unter potenziellen Anlegern gesorgt haben. Die beiden Kernthemen waren dabei eine drohende, allgemein als Bitcoin-Verbot bezeichnete, strengere Regulierung des Handels von Crypto-Assets, die den Proof-of-Work-Konsensmechanismus nutzen und damit auf dem energieintensiven Mining basieren, im Rahmen der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto Assets), sowie die Verschärfung der Vorgaben beim Transfer von Token von sogenannten unhosted wallets, also Hardware-Speichern im persönlichen Besitz des Crypto-Anlegers, auf Crypto-Börsen und Handelsplätze (Transfer of Funds Regulation).

Während das „Bitcoin-Verbot“ durch den Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments im März zunächst abgelehnt wurde, befindet sich die Verifizierungspflicht für unhosted bzw. private hosted wallets derzeit im Beratungsprozess zwischen dem Parlament, dem Rat und der Kommission der EU. Zuletzt deutete sich zwar an, dass die vorgesehene sehr aufwändige und datenintensive Informationspflicht doch abgelehnt werden könnte, allerdings steht weiterhin eine Meldepflicht für jede Crypto-Transaktion von oder auf Crypto-Handelsplätze zur Verhinderung von Geldwäsche im Raum, die ebenfalls zu einem sehr hohen und über die Vorschriften für Banken bei der Meldung großer Bargeldtransfers hinausgehenden, administrativen Aufwand führen würde.

So oder so zeigen die Entwicklungen, dass in Europa bei wichtigen Zukunftsentwicklungen weiterhin die Gefahr besteht, dass man sich selbst wesentlicher Chancen bei der Gestaltung und Anwendung neuester Technologien beraubt. Volkswirtschaftlich geht es bei Crypto-Assets kaum um die reine Kursspekulation bspw. auf künftige Entwicklungen des Bitcoin. Vielmehr ist die Blockchain die Basis für künftig voraussichtlich maßgebliche Anwendungen, etwa aus den Bereichen Decentralized Finance (DeFi), digitaler Wertgegenstände (NFT`s) oder der nächsten Generation des Internets (Metaverse/Internet 3.0). Ob Europa bei der Entwicklung dieser Zukunftsthemen – anders als beim Aufstieg des Internet 2.0 und der daraus entstandenen Internetgiganten Facebook, Amazon, Alphabet & Co. – eine entscheidende Rolle mitspielt oder nicht, hängt auch von der Gestaltung regulatorischer Rahmenparameter ab.

Dabei geht es nicht darum, gar nicht einzugreifen. Im Gegenteil, eine wohlwollende Regulierung ist dringend geboten, um das notwendige breite und institutionelle Vertrauen auf ein höheres Niveau zu heben. Aber wie in den meisten Fällen sollten staatliche Eingriffe sich darauf fokussieren, Zielvorstellungen zu formulieren und grobe Leitplanken abzustecken. Sie sollten unbedingt technologieneutral sein, also auch nicht vorschreiben, welcher Konsensmechanismus künftig genutzt werden sollte oder welcher nicht. Bei diesen Richtungsentscheidungen helfen immer noch marktwirtschaftliche Prozesse und die freie Entwicklung von Preisen am besten. Ohnehin würden in der EU verbotene Transaktionen und Entwicklungen, gerade im Falle dezentraler Netzwerke in anderen Regionen weltweit stattfinden. Am hohen Energieverbrauch des Bitcoin-Netzwerkes würde ein regionales Verbot somit nichts ändern.

Wie lange Crypto-Winter anhalten, ist kaum prognostizierbar. Welcher Zusammenhang zwischen den aktuellen Kurskapriolen und den EU-Regulierungsansätzen besteht, kann nur erahnt werden. Es bleiben aber zwei Erkenntnisse: im Sinne der Zukunftsfähigkeit Europas und Deutschlands muss eng beobachtet werden, in welche Richtung sich die grundsätzlich erwünschte Regulierung bewegt. Im Zweifel sollten alle, die an die Relevanz von Crypto-Anwendungen in der Zukunft glauben, sich lautstark bemerkbar machen, um kontraproduktive Entwicklungen zu vermeiden – genau wie es zuletzt auch erfolgt ist. Wer zudem an die Chancen des Segments glaubt und einen ausreichend langen Anlagehorizont mitbringt, sollte überlegen, sich warm anzuziehen, um sich trotz des gerade bitterkalten „Crypto-Klimas“ aus der Deckung zu wagen und sich in einzelnen aussichtsreichen Token positionieren, auch wenn die Gefahr besteht, dass kurzfristig noch einmal deutlich tiefere Kursniveaus anstehen.

Wie Profis mit dieser Situation umgehen und viele andere Aspekte wird uns in unserem 5. Crypto-Talk am 13. Mai Moritz Schildt, Vorsitzender des Aufsichtsrats der coinIX GmbH & Co. KGaA, erläutern. Falls Sie Interesse haben, dabei zu sein – hier finden Sie die Anmeldedaten und weitere Informationen.

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