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Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

Arbeitsmarkt: Von Nichts kommt nichts

TiAM FundResearch blickt auf die vergangene Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: die Generation Half Work - Double Life.

13.11.2023 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Unser Bäcker um die Ecke hat jetzt montags geschlossen. An der Tür hängt ein Hilferuf: Man würde gerne auch wieder alle Tage öffnen. Aber es mangelt an Personal. Die nächste Tankstelle an der Bundesstraße, nur wenige hundert Meter entfernt, verzichtet mittlerweile komplett auf die Kassierer an der Theke. Diesel und Benzin gibt es am Zapf-Automaten gegen Kreditkarte. Der Shop hat vor einigen Monaten geschlossen und wird nicht wieder geöffnet. Beim Friseur, im Restaurant, im Hotel, eigentlich überall, hängen die Schilder aus: Dringend Personal gesucht! Und es sind ja nicht nur die Dienstleistungsbetriebe und der Tourismus: Der Arbeitskräftemangel in Deutschland ist ein riesiges Thema. Auf allen Ebenen. Auch die Finanzbranche weiß ein Lied davon zu singen.

Das Verrückte dabei ist: Es mangelt entgegen der allgemeinen Annahme gar nicht an Arbeitskräften. Heute arbeiten so viele Menschen wie noch niemals zuvor in Deutschland. Laut Ifo-Institut ist die Zahl der Erwerbstätigen seit 1991 von rund vierzig auf aktuell fünfundvierzig Millionen gestiegen. Allerdings sind die geleisteten Arbeitsstunden gleichgeblieben. Denn immer mehr Menschen arbeiten nur noch in Teilzeit. „Die fünfundvierzig Millionen arbeiten so viel wie die vierzig Millionen früher“, hat Clemens Fuest am vergangenen Mittwoch in München vorgerechnet. Der Ifo-Präsident sieht auch keine Besserung in Sicht. Schließlich gehe nun die Generation der Babyboomer in Rente. Gleichzeitig kämen immer weniger Junge auf dem Arbeitsmarkt nach. Den ganz großen Konsolidierungsprozess auf dem Arbeitsmarkt haben wir also noch vor uns. 

Was wir heute erleben, ist erst der Anfang. Die Folgen sind allerdings schon spürbar. Bereits jetzt schrumpft die deutsche Wirtschaft im Gegensatz zu allen anderen Industriestaaten. Der einzige Ausweg, um das Arbeitskräfteangebot zu erhöhen, sei ein Umdenken bei Arbeitnehmern und in der Politik, so Fuest. Konkret hieße das: weniger Teilzeitarbeit und mehr gezielte Zuwanderung. Und natürlich eine längere Lebensarbeitszeit.

Aus Gesellschaft und Politik kommen jedoch genau die entgegengesetzten Signale. Größtes innenpolitisches Thema ist derzeit eine Verminderung der Migration nach Deutschland. Die Lokführergewerkschaft GDL will sich gerade deutlich weniger Arbeit für deutlich mehr Gehalt erkämpfen. Branchenweit und insbesondere in der Beamtenschaft ist es schon länger üblich, nicht erst mit 67, sondern deutlich früher in den Ruhestand zu gehen. Großzügige Übergangsregeln machen es möglich. Doch was kommt von unten nach? Die Jusos haben sich genau vor einem Jahr auf einem SPD-Debatten-Konvent mit einer ihrer Kernforderungen durchgesetzt: die Einführung einer 25-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die Forderung ist jetzt Parteiprogramm. Bravo. Da hat jemand die Zeichen der Zeit genau erkannt.

Die Juso-Forderung passt ins Bild, das die Generation TikTok derzeit abgibt. Arbeit gilt in der nachwachsenden Generation in weiten Teilen offensichtlich als uncool. Und Lernen sowieso. Laut Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wurde im Jahr 2022 fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst. Die Generation U-30 hat das mittlerweile offen propagierte Prinzip „Half Work - Double Life“ zutiefst verinnerlicht. Passende Lektüre zum Thema ist etwa das Buch von Teresa Bücker „Alle Zeit - eine Frage von Macht und Freiheit“, in dem sie eine 20-Stunden-Woche für alle fordert. In den Bestseller-Listen vertreten ist auch Sara Weber mit ihrem Werk „Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?“. Die Antwort darauf ist eigentlich einfach. Auch wenn sie die Autorinnen und Autoren solcher „Half Work - Double Life“-Bücher nicht freuen dürfte: Ja. Arbeiten lohnt sich nicht nur aus dem einfachen Grund, dass Geld nötig ist, um Kosten zu begleichen. Sondern Lohn bedeutet auch Belohnung, also die Anerkennung von Leistung. Das ist erwiesenermaßen gut fürs eigene Wohlbefinden.

Außerdem senkt es die Lebensqualität, wenn man vor geschlossenen Läden steht, an deren Tür das Schild „Personal dringend gesucht“ hängt. Oder man telefonisch niemanden mehr in den Unternehmen erreicht, wenn man Probleme hat oder Beratung braucht. Oder wenn keine Handwerker mehr ins Haus kommen. Oder wenn man im Krankenhaus liegt und niemand mehr ans Bett kommt, um sich zu erkundigen, ob man noch lebt. Oder. Oder. Oder. Liebe „Bedingungsloses-Grundeinkommen ohne Arbeit“-Gläubige und Wohlstandspopulisten, die Wahrheit ist: Von Nichts kommt nichts. Und wer meint, diese Regel gelte nicht für ihn oder sie, sollte wenigstens denjenigen, die hierherkommen, um zu arbeiten, die Chance dazu geben. Und ihnen nicht die Tür vor der Nase zuschlagen.

Ausblick auf interessante Termine in dieser Woche

Am Dienstag wird in Berlin die Wirtschaftsinitiative „ReThinking Africa“ (RTA) vorgestellt. Eine Woche vor dem Berliner Afrika-Investitionsgipfel geht die Wirtschaftsinitiative mit konkreten Forderungen für eine Neujustierung der Handelsbeziehungen mit Europas Nachbarkontinent an den Start. Ziel der Initiative ist ein pragmatischer Ansatz über die direkte Vernetzung von afrikanischen und europäischen Wirtschaftspartnern, denen auch der Zugang zu Kapital geebnet werden soll. Als wichtige Voraussetzung für politische Stabilität in den jeweiligen Ländern sollen so über Wertschöpfungen vor Ort nachhaltige Arbeitsplätze in Afrika geschaffen werden. Die Arbeitsplätze hier zu schaffen, wäre schließlich auch sinnlos. Siehe oben.

Am Mittwoch findet ebenfalls in Berlin der Deutsche Handelskongress statt, auf dem sich die Vertreter des deutschen Einzelhandels treffen. Eines der wichtigsten Themen: der Arbeitskräftemangel.

Am Donnerstag findet in Wuppertal das „Circular Valley Forum“ statt. Auf dem Kongress geht es rund um das Thema Kreislaufwirtschaft. Schwerpunkte sind die Verwendung von Bioplastik und nachhaltiges Bauen. Erwartet werden mehr als 1000 Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Unter anderem geht es darum, wie weit sich die Wirtschaft bereits in Richtung Circular Economy gewandelt hat und welche neuen Ideen es gibt.

Am Freitag veröffentlicht die Statistikbehörde Eurostat aktuelle Zahlen zum Eurozonen CPI. Der Index erfasst die Änderungen der Preise für Waren und Dienstleistungen in der Eurozone. Die gute Nachricht lautet: Die Inflation in der Eurozone bewegt sich auf Jahresbasis bereits unterhalb der Drei-Prozent-Marke. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht?

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