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„Wir haben zwei neue Berkshire Hathaways gefunden“

Ein interessantes Konzept verfolgt der Anfang 2019 aufgelegte Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen (ISIN DE000A2P E006). Die Idee für den Fonds sowie die Philosophie stammen von Gunter Burgbacher — Geschäftspartner, Managing Director und Investment Spezialist der VVO Haberger AG. Initiert hat er ihn zusammen mit der GREIFF AG.

17.07.2020 | 14:15 Uhr von «Jörn Kränicke»


Börsennotierte Beteiligungsgesellschaften, Holdings und Mischkonzerne repräsentieren für Burgbacher  ein außergewöhnliches Anlagesegment. Fundresearch sprach mit Gunter Burgbacher. Im Gespräch zieht er eine erste Zwischenbilanz.

Herr Burgbacher, wie zufrieden sind sie mit der Entwicklung seit Auflage?

Mit dem bisherigen Höchstkurs von 123,09 im Februar 2020 und der weiteren Entwicklung inklusive der Coronakrise bin ich zufrieden. Die Entwicklung deckt sich mit meinen Erwartungen und Analysen zu diesem Anlagesegment. Der Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen (AFB) konnte den Mehrwert der Fokussierung auf Beteiligungsgesellschaften, Holdings und Mischkonzernen mit bestehenden Beteiligungsportfolios, hohen Cash-Flows und Cashbestand aufzeigen. Der Crash im März wurde durch die hohe Substanzkraft dieser Unternehmen etwas abgemildert und es folgte bei der Erholung der Aktienmärke im April meist eine schnelle Aufholung der temporären Verluste, was sich entsprechend im Fonds wiederspiegelt.

Was lief gut, was lief nicht optimal?

Das Konzept des Fonds besticht in den vergangenen sechs Monaten mit einer Outperformance gegenüber allen wesentlichen Aktienindizes und gegenüber dem größten und erfolgreichsten Beteiligungsunternehmen – Berkshire Hathaway – von 25 Prozent im zweiten Quartal. Bis auf ein Quartal konnte der Fonds seit Auflage eine Outperformance gegenüber Berkshire Hathaway erzielen. Im Fonds investiere ich genau aus diesem Grund nicht „nur“ in Warren Buffett, sondern in die Warren Buffetts der Welt. Wichtig zu wissen ist, dass der Vergleich ab dem 21.01.2019 gemacht werden muss, denn die Investition in das Startportfolio (25 Titel) konnte erst zu diesem Zeitpunkt umgesetzt werden, dadurch ist leider etwas Performance auf der Strecke geblieben, aber ich wollte im Sinne des Konzeptes und der Anleger das komplette Startportfolio und nicht einzelne Titel davon zum Start kaufen. Durch die sukzessiven Mittelzuflüsse habe ich das Portfolio auf meine Zielgröße von 25-40 gleichgewichteten Titel ausgebaut. Das Volumen wird sowohl von institutionellen als auch privaten Investoren auf einer breiten Basis getragen.

Wie hat sich bislang das Volumen entwickelt?

Wir sind mit dem Fonds bei 0 Euro gestartet und lagen vor der Coronakrise bei über zwölf Millionen. Damit war ich zufrieden. Durch die Coronakrise dauert eben alles etwas länger auf dem Weg zu 30 Millionen Euro Fondsvolumen. Dieses Volumen ist das nächste Ziel, um möglichst viele institutionelle Anleger ansprechen zu können. Denn dieses Anlagesegment ist bei vielen potentiellen Investoren im Vergleich zu Private Equity deutlich unterrepräsentiert und kann. durch den Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen optimal abgedeckt werden.

Wie hat sich das Portfolio seit Auflage verändert?

Das Startportfolio waren 25 Titel, die ich sukzessive ausgebaut habe auf 40 Titel um die besten Ideen im Fonds umsetzen zu können. Das ist zugleich die Obergrenze. Der Umschlag ist mit etwa 15 Prozent pro Jahr relativ gering. Aber Opportunitäten können durch die Cashposition  – immer gleichgewichtet mit den Titeln im Fonds – jederzeit umgesetzt werden. Bei Bedarf werden auch Titel getauscht.

Die Titel, in die Sie investieren, sind dies erst vor kurzem gegründete Unternehmen oder Traditionswerte?

Rund 20 Prozent der Unternehmen im Portfolio des AFB hatten ihren Ursprung vor über 100 Jahren und haben damit viele Krisen nicht nur überlebt, sondern sich immer wieder neu erfunden, weiterentwickelt und verbessert. Das ist ein Grund, warum sich der AFB von seinen Tiefs so rasant erholen konnte. Favorisierte Qualitätsunternehmen konnten zu deutlich günstigeren Niveaus aufgestockt werden im Rahmen der Gleichgewichtung im Fonds. Der taktische Aufbau von Kasse oder die Verwendung von Indexabsicherungen gehört nicht zur Strategie des Fonds.

Können Sie ein paar Beispiele nennen, die sie im Portfolio haben?

Diese Krise bietet wie jede Krise auch Chancen. So dürften Branchen wie Diagnostik, Medizintechnik und Pharmazeutik nicht nur kurzfristig profitieren. Hier ist der AFB beispielsweise von Beginn an über seine Beteiligung an Thermo Fisher Scientific, die aktuell das deutsche Biotech Unternehmen Qiagen übernehmen, vertreten. In den vergangenen Jahren hat Thermo Fisher über 50 Firmen übernommen und in den Konzern integriert (Buy an Build). Rechtzeitig wurde Steris PLC, ein britisches Unternehmen für Sterilisation, Infektionsprävention, Desinfektion und Dekontamination im AFB integriert. Auch Steris PLC ist dem Bereich Buy and Build zuzuordnen. Hauptabnehmer für dessen Produkte sind Krankenhäuser, wissenschaftliche Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Pharmaindustrie.

Haben Sie noch weitere Beispiele?

Erst vor kurzem wurde zum Beispiel der Mischkonzern Reliance Industries aus dem Bereich Mehrheitsbeteiligungen in den AFB integriert. Reliance überzeugte mit der Ankündigung seiner Strategie und wurde daher zu Beginn der Monetarisierung der digitalen Sparte für CK Hutchison in den Fonds gekauft. Bei CK Hutchison, einer weltweit operierenden Holding-Gruppe sind solche Schritte leider nicht erkennbar und dementsprechend enttäuschend verläuft die Wertentwicklung der Aktie.

Wie sehen Sie derzeit den Markt?

Nach den starken Kursanstiegen verlief der Juni an den Märkten eher seitwärts. Eine Ausnahme stellten Technologiewerte dar, hier wurden in den USA neue Höchststände in den Indizes erreicht. Innovation ist einer der größten Treiber der Erholung nach dem Crash im März. Neben positiven Entwicklungen etwa bei cloudbasierten Lösungen in Verbindung mit künstlicher Intelligenz sind die mittlerweile hohen Bewertungen in diesem Bereich zu beachten. Hier wird es spannend zu sehen, wie die Quartalsberichte und Ausblicke dieser Unternehmen ausfallen werden. Die derzeit veröffentlichten Wirtschaftsdaten signalisieren aber einen starken positiven Umschwung im Stimmungsbild auf globaler Ebene, die Börse war hier wie so oft ein vorausschauender Indikator.

Und was kann die Krise positives hervorbringen?

Die Krise hat mit einem medizinischen Ereignis begonnen (Covid-19) und wird wohl auch mit einem medizinischen Ereignis enden, also mit einem oder mehreren Medikamenten und einem oder vermutlich unterschiedlich wirksamen Impfstoffen. Noch nie zuvor gab es parallel so viele unterschiedliche Strategien für die Suche nach einem Impfstoff, die Geschwindigkeit der Forschungsarbeiten ist enorm. Hinzu kommen die Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen weltweit sowie ein weiterer Treiber der Erholung: Innovation.

Gibt es Branchen/Themen, die besonders stark vertreten sind?

Nach Branchen gewichtet dominieren aktuell breit diversifizierte Finanzdienstleister (29,62 %), Technologie (17,58 %) und Industrie / Mischkonzerne (15,73 %), dicht gefolgt vom Gesundheitswesen (12,13%). Zwei Drittel der im Fonds befindlichen Unternehmen sind breit diversifiziert à la Berkshire Hathaway. Ein Drittel ist dagegen auf eine Branche, einen Trend oder ein Spezialsegment fokussiert.

Gibt es so etwas wie eine „neue“ Berkshire Hathaway?

Da gibt es aus meiner Sicht. zwei interessante Kandidaten, die sehr unterschiedlich sind. Die Alphabet Holding und Investment AB Latour.

Können Sie dies bitte ein wenig näher erläutern?

Insgesamt sind es 15 Tochterunternehmen, die unter der Alphabet Holding geführt werden. Über CapitalG wird in größere Technologieunternehmen in der Wachstumsphase investiert. Mit einer ähnlich hohen Cashposition wie Berkshire Hathaway und einem Querschnitt moderner Technologie ist Alphabet die Berkshire Hathaway der Technologie. Beide Unternehmen repräsentieren jeweils eine US-Epoche.

Und was zeichnet Latour aus?

Latour ist die Beteiligungsgesellschaft, die vom schwedischen Geschäftsmann und Milliardär Gustaf Douglas und seiner Familie kontrolliert wird. Über das Unternehmen kontrolliert Douglas unter anderem das Sicherheitsunternehmen Securitas AB und den weltweit führenden Schlosshersteller Assa Abloy. Seit 1985 konnten über 100.000 Prozent Wertentwicklung erzielt werden. Der Aufbau ist ähnlich wie bei Berkshire Hathaway durch eine Kombination aus hundertprozentigen Industrie- und Handelsgeschäften einem börsennotierten Investmentportfolio mit Minderheitsbeteiligungen.

Also ist Latour auch eher ein Value-Wert?

Genau. Latour überzeugte mit einem neuen Höchstkurs Anfang Juni. Unter anderem wurden Teile des Aktienpakets an Tomra Systems verkauft. Dadurch setzt Latour finanzielle Mittel für neue Investitionen frei und bleibt weiterhin Hauptaktionär von Tomra Systems. Auch hat Latour etwa interessante Beteiligungen im Bereich Klima und Lüftung. Dieser hat durch das Coronavirus an Bedeutung gewonnen. Das Problem mit der Belüftung betrifft zum Beispiel die gesamte Fleischbranche. Dort gilt es zu verhindern, dass Viren in Aerosolen über Umluftsysteme verteilt werden. Mit Swegon die seit 1994 komplett zu Latour gehört und dem Erwerb der Aktienmehrheit an Nederman in 2007 ist Latour mit zwei Marktführern in diesem Bereich gut aufgestellt.

Werden Beteiligungsunternehmen auch diese Krise überstehen?

Auch wenn man nicht genau absehen kann, wie lange die aktuelle Krise dauert. Mit guten Aktien konnte man über die letzten Jahrhunderte jede Krise, wenn auch unter Schwankungen, überstehen. Insbesondere mit hochqualitativen Beteiligungsunternehmen, einige davon bestehen seit über 100 Jahren! Im Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen sind aktuell etwa folgende Beteiligungsgesellschaften, Holdings und Mischkonzerne zu: Aker ASA (1841), Ball Corporation (1880), Halma PLC (1894), Sofina S.A. (1898), Thermo Fisher Scientific (1902), Naspers (1915), Investor AB (1916) und Markel (1920). Diese Beteiligungsunternehmen sind den folgenden Investmentstrategien zuzuordnen: Mehrheitsbeteiligungen, Buy an Build, Minderheitsbeteiligungen, Wachstumsorientiert und Value Investing.

Was erwarten Sie vom Fonds in den kommenden 3-5 Jahren?

Wenn man alleine die Wertentwicklung einer Kombination dieser Unternehmen in den letzten fünf Jahren betrachtet, kommt man im Durchschnitt auf etwa 18 Prozent pro Jahr. Das kann als Wegweiser für nächsten fünf  Jahre dienen. Es zeigt auch auf, warum es sinnvoll ist verschiedene Unternehmen und Investmentstrategien in Bereich der Beteiligungsunternehmen miteinander zu kombinieren.

 

 

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