ICM InvestmentBank AG: Elektronische Plattformen – Reicht der virtuelle Händedruck?

ICM InvestmentBank AG: Elektronische Plattformen – Reicht der virtuelle Händedruck?

Außerbörsliche Handelsplattformen wie Bloomberg, Tradeweb und MarketAxess werden beim Anleihenhandel immer stärker genutzt und wachsen gerade in der Pandemie-Ausnahmesituation weiter sehr dynamisch.

30.03.2021 | 09:01 Uhr

Wir haben Dr. Norbert Hagen, Vorstandssprecher der ICM InvestmentBank AG gefragt, welche Auswirkungen das in der Praxis für ihn und seine Händler hat.

Herr Dr. Hagen, übernehmen digitale Plattformen jetzt in allen Handelssegmenten oder ist das auf bestimmte Bereiche beschränkt?

Hier muss man unterscheiden. Abgewickelt wird über diese Plattformen derzeit immer mehr, ich denke es sind inzwischen 80-90% aller Transaktionen. Abwicklung heißt aber nicht, dass die Transaktionen auch darüber angebahnt werden. Lediglich im Investmentgrade-Bereich wird ähnlich wie auf Xetra einfach auf die Quotierungen abgeschlossen. In den Bonitäten darunter finden die Absprachen zum Preis weiterhin per Chat oder Telefon statt und werden dann nur noch elektronisch „durchgehandelt“.

Wird das umfangreiche Netzwerk von langjährig tätigen Händlern und Fondsmanagern weniger wichtig?

Nein, denn man muss wissen, wer in welchen Papieren aktiv ist oder im Netzwerk die entsprechenden Taxen gezeigt bekommen. Auf den Plattformen veröffentlicht kaum jemand das echte Interesse, da man sich damit den Markt selbst kaputt machen würde.

Gibt es durch diese Entwicklung weniger Chancen, Alpha zu erzielen?

Nein, wenn man weiß wie man beide Wege für sich nutzen und die Klaviatur erfolgreich spielen kann.

Wie weit nutzen Sie bereits die Möglichkeiten der elektronischen Plattformen?

Recht stark. Die Abwicklung von Trades machen wir zu 100% über Bloomberg, da somit nachgelagerte Arbeiten automatisiert werden können.

Gibt es weiterhin Vorteile von ‚Netzwerk-Trades‘? Wo sehen Sie diese besonders?

Hier kann man nach wie vor um den Preis “feilschen“, ohne dass sich jemand wie bei Aktien auf Xetra 1 Cent „davorstellt“. Man bekommt mit, in welchen Papieren die Gegenseite aktiv ist, ob sie noch mehr in dem Papier zu tun hat und kann so auch zukünftige Geschäfte vorbereiten.
Die Ideen zu den Unternehmensanleihen-Investments für unseren Mischfonds Leonardo UI finden wir natürlich ohnehin nicht auf elektronischen Plattformen sondern durch intensives Einzel-Research.

Guter Punkt, wie finden Sie derzeit noch attraktive Unternehmensanleihen, um für den langjährig erfolgreichen Leonardo UI Fonds zusätzliche Erträge zu erzielen?

In der Tat git es nicht mehr vieles was wirklich preiswert ist. Allerdings finden wir unter den Schwellenländer-Emissionen in Hartwährung noch einige relativ günstige Kandidaten. Man muss allerdings genau auf die volkswirtschaftlichen Begleitumstände schauen, denn hohe Risikoprämien kommen oft nicht von ungefähr. Das hat man in diesen Tagen am Beispiel Türkei erlebt, wo die Politik mit dem Wechsel an der Notenbankspitze eine Währungsabwertung ausgelöst hat. Dollar-Schulden sind damit teurer geworden, die Ausfallrisiken gestiegen. Es heißt also sehr selektiv vorzugehen und die Risiken kontinuierlich zu beobachten.


Die taktische Asset Allocation des Leonardo UI Fonds basiert auf einem Quant-Modell des kanadischen Analysehauses BCA Research, das 109 Indikatoren auswertet und daraus die optimale Aufstellung für das Portfolio ableitet.
Ergänzt wird das taktische BCA-Modell durch eine dem stock-picking gleichkommende mittelfristig orientierte Auswahl von Unternehmensanleihen – einem Steckenpferd der ICM.

Fonds:Leonardo UI – ISIN DE000A0MYG12

Gesellschaft: ICM Investmentbank AG

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