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„Biden beschert den USA ­einen robusten Aufschwung“

Erik Weisman, Chefvolkswirt bei MFS

„Die US-Regierung stimuliert mit viel Geld die Wirtschaft“, sagt MFS-Chefvolkswirt Erik Weisman. „Trotz hoher Bewertungen schneiden US-Aktien 2021 daher besser als EU-Titel ab.“ Anziehende Inflationsraten ­dürften die Fed jedoch veranlassen, im vierten Quartal einen geldpolitischen Kurswechsel anzukündigen.

12.05.2021 | 13:30 Uhr von «Jörg Billina»

TFR: Herr Weisman, die US-Regierung hat zur Bekämpfung der Corona-Krise ein 1,9 Billionen Dollar schweres Konjunkturpaket im Kongress durchgesetzt. Wie sehr wird die US-Wirtschaft davon profitieren?

Erik Weisman: Wir erwarten einen starken, robusten Aufschwung. 2021 kann die Zunahme der wirtschaftlichen Gesamtleistung vermutlich die des Jahres 1983 übertreffen. Seinerzeit hatten die Steuersenkungen von US-Präsident Ronald Reagan ein Plus von fast fünf Prozent bewirkt. Auch nach 2021 sind hohe Wachstumsraten möglich. Der von der Regierung eingeleitete Aufschwung wird die privaten Haushalte und Unternehmen motivieren, ihre ökonomischen Aktivitäten zu erhöhen.

Seit Beginn der Pandemie haben rund 30 Millionen US-Bürger ihren Job verloren. Wird die Beschäftigung dank des Konjunkturpakets schnell wieder steigen?

 Ja, jedoch im laufenden Jahr wird der Arbeitsmarkt das Vorkrisen-Niveau noch nicht erreichen. In bestimmten Branchen, etwa der Gastronomie oder im Tourismus, sind Jobs wohl für immer verloren gegangen. Es wird dauern, bis davon betroffene Arbeitnehmer in anderen Bereichen wieder eine Beschäftigung aufnehmen können.

Im Rahmen des Konjunkturpakets erhält ein großer Teil der US-Haushalte von der Regierung einen Scheck in Höhe von 1400 Dollar. Stärkt dies nachhaltig das Konsumentenvertrauen?

 Die Schecks tragen sicherlich dazu bei, die wirtschaftliche Erholung in Gang zu bringen. Sollten jedoch infolge der Stimulierung die US-Wirtschaft überhitzen, Arbeitskräfte knapp werden, die Inflation deutlich anziehen und die Notenbank daraufhin die Zinsen anheben, dürften die zum Teil hochverschuldeten Konsumenten wieder vorsichtiger werden.

US-Präsident Joe Biden will die Konjunktur zudem mit einem Infrastrukturprogramm anschieben. In den kommenden acht Jahren sollen zwei Billionen Dollar in die Modernisierung von Straßen, Flughäfen und Brücken fließen, zudem sollen der Nahverkehr und die E-Mobilität gefördert werden. Wird der Präsident auch dafür eine Mehrheit bekommen?

 Ja, die Verhandlungen darüber werden zwischen Demokraten und Republikaner aber nicht so einfach verlaufen wie beim Stimulus-Paket. Das dringend notwendige Infrastrukturprogramm wird vermutlich auch nicht so hoch ausfallen wie von Biden geplant. Dennoch wird es bedeutsam sein. Verlieren die Maßnahmen des Hilfspakets ihre Wirkung, erfährt die Wirtschaft durch das Infrastrukturprogramm weitere Unterstützung.

Ein Konjunkturpaket und ein Infrastrukturprogramm – ist das möglicherweise zu viel Stimulierung?

Die Gefahr besteht. Im kommenden Jahr kann die Inflation anziehen. Wir werden zwar keine Hyperinflation bekommen, doch die Teuerungsrate kann durchaus so hoch steigen, dass die US-Notenbank sich unwohl fühlt.

Die Fed wird ihre Geldpolitik jedoch nicht ändern?

So schnell nicht. Sie muss die hohe Verschuldung des Staates und der Konsumenten sowie die Reaktion der Aktienmärkte berücksichtigen. Im vierten Quartal 2021 könnte sie aber zumindest einen Wechsel der Geldpolitik ankündigen. Bis Ende 2022 dürfte sie dann ihre Anleihekäufe beenden und bis Ende 2023 den Schlüsselzins anheben.

Finanziert werden soll das Infrastrukturprogramm durch eine Anhebung der Unternehmensteuern. Macht das Sinn?

Nein, das ist keine gute Idee. Die Steuern sollen um bis zu 28 Prozent angehoben werden, US-Unternehmen erfahren dadurch jedoch erhebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber europäischen oder japanischen Konkurrenten.

Der S & P 500 ist in diesem Jahr schon über elf Prozent gestiegen, innerhalb eines ­Jahres legte er 48 Prozent zu. Wie wird die Börse auf einen Richtungswechsel in der Geldpolitik reagieren?

Solange die Wirtschaft stark wächst sind heftige Korrekturen durch Zinserhöhungen – sofern diese moderat ausfallen – nicht zu befürchten.

Die Beziehungen der USA zu China sind auch unter Biden gespannt. Droht erneut eine Eskalation in Handelsfragen?

In diesem Jahr wohl nicht. Es gibt nahezu keine Bewegung. Die Zölle werden nicht höher ausfallen, sie werden aber auch nicht deutlich fallen. Die Beziehungen verschlechtern sich aber auf vielen anderen Gebieten, etwa in der Geopolitik. Das wirkt sich zunehmend zum Nachteil der Globalisierung aus und kann auf längere Sicht die Börsen­entwicklung negativ beeinflussen.

Europäische Aktien sind günstiger als US-Titel bewertet. Brüssel gibt jedoch wesentlich weniger Geld als Washington zur Krisenbekämpfung aus. Welche Region ist für Anleger attraktiver?

Das höhere Wachstum in den USA ist der springende Punkt. 2021 werden US-Aktien wohl besser abschneiden. Im nächsten Jahr dürften jedoch vermehrt europäische Aktien gesucht sein.

Zur Person:

Erik Weisman ist Chefvolkswirt der US-Gesellschaft MFS Investment Management. Zudem managt er Fixed-Income-Portfolios. Vor MFS war der studierte Volkswirt beim Internationalen Währungsfonds in Washington als auch für das US-Finanzministerium tätig.


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