Im ersten Quartal 2026 erreichte die weltweite Goldnachfrage wertmäßig ein historisches Allzeithoch. Steigende Goldpreise, eine außergewöhnlich starke Investmentnachfrage und anhaltende Käufe der Zentralbanken rückten Gold laut World Gold Council erneut in den Fokus der globalen Finanzmärkte.
29.04.2026 | 14:15 Uhr
Der globale Goldmarkt ist mit ungewöhnlicher Dynamik in das Jahr 2026 gestartet. Auf Basis des aktuellen „Gold Demand Trends“-Berichts des World Gold Council (WGC) zeigt sich: Während die weltweite Goldnachfrage im ersten Quartal mengenmäßig nur moderat zulegte, erreichte ihr Wert ein neues Rekordniveau. Insgesamt belief sich die Nachfrage inklusive außerbörslicher Transaktionen auf 1.231 Tonnen, ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nachfragewert stieg dagegen auf Grund der Preisrally des gelben Edelmetalls auf rund 193 Milliarden US‑Dollar – ein Zuwachs von 74 Prozent.
Haupttreiber dieser Entwicklung war die starke Investmentnachfrage. Die hohe Preisvolatilität und die anhaltenden geopolitischen Spannungen lenkten den Blick vieler Anleger erneut auf Gold als sicheren Hafen. Besonders deutlich zeigte sich dies bei der Nachfrage nach Barren und Münzen, die weltweit um 42 Prozent auf 474 Tonnen zulegte. Asien spielte dabei eine Schlüsselrolle: In China sprang die Nachfrage um 67 Prozent auf einen neuen Höchststand, auch Indien, Südkorea und Japan meldeten steigende Investitionen in physisches Gold. In den USA und Europa nahm die Nachfrage ebenfalls spürbar zu.
Louise Street, Senior Markets Analyst beim World Gold Council, ordnet die Entwicklung so ein: „Das Zusammenspiel aus Preisdynamik und gestiegenen geopolitischen Risiken befeuerte die Investmentnachfrage, vor allem in Asien, wo Anleger verstärkt Zuflucht in physischem Gold suchten.“
Goldpreis: US-Dollar je Unze

Auch physisch hinterlegte Gold‑ETFs konnten im ersten Quartal per saldo Zuflüsse verzeichnen. Vor allem asiatische Fonds bauten ihre Bestände deutlich aus, während Abflüsse aus US‑notierten Produkten im März das Gesamtergebnis etwas schmälerten. Dennoch unterstreicht die Entwicklung die weiterhin hohe Bedeutung von börsengehandelten Goldinvestments.
Dem gegenüber stand ein klarer Rückgang der Schmucknachfrage, die infolge der hohen Preise um 23 Prozent auf 300 Tonnen fiel. Besonders stark betroffen waren China, Indien und der Nahe Osten. Wertmäßig blieb die Nachfrage jedoch robust, was darauf hindeutet, dass Konsumenten trotz Rekordpreisen grundsätzlich bereit waren, Gold zu erwerben. Marktbeobachtungen des WGC legen nahe, dass ein Teil der klassischen Schmucknachfrage in Investmentprodukte abgewandert ist.

Eine tragende Rolle spielten erneut die Zentralbanken, die ihre Goldreserven im ersten Quartal um 244 Tonnen aufstockten. Trotz einzelner Verkäufe übertrafen die Nettokäufe sowohl das Vorquartal als auch den langjährigen Durchschnitt.
Louise Street betont: „Die anhaltenden Käufe der Zentralbanken unterstreichen die besondere Rolle von Gold als strategischen Reservewert, der auch in Phasen extremer Marktturbulenzen zuverlässig zugänglich bleibt.“
Auf der Angebotsseite stieg das weltweite Goldangebot ebenfalls um zwei Prozent. Die Minenproduktion erreichte einen neuen Rekord für ein erstes Quartal, während das Recycling trotz hoher Preise nur moderat zunahm. Für den World Gold Council deutet dies auf insgesamt engere Marktbedingungen hin.
Insgesamt zeigt der Bericht: Der Goldmarkt wird derzeit stark von Investment- und Reserveentscheidungen geprägt. Gold festigt damit seine Rolle als Absicherungsinstrument in unsicheren Zeiten – ein Trend, der nach Einschätzung des World Gold Council auch im weiteren Jahresverlauf anhalten dürfte.
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