Baker Steel: Gold glänzt bei steigenden Risiken

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Gold erholte sich nach einem verhaltenen Sommer in den letzten Wochen wieder, übertraf US-Schatzbriefe und festigte seinen Status als effektive Absicherung gegen die zunehmenden systemischen Risiken im Finanzsektor.

30.10.2018 | 10:59 Uhr

US-Aktienmärkte erreichten im Sommer neue Höchststände, zeigten sich aber im Anschluss wieder volatiler und korrigierten im Oktober angesichts der zunehmenden Angst und Unsicherheit über die Aussichten für die Weltwirtschaft. Der Optimismus der Anleger in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 wurde durch starke US-Konjunkturindikatoren und die antizipierten positiven Einkommenseffekte der Trump-Steuerreform gestützt. Darüber hinaus begrüßte der Markt die stetige Geldpolitik der Fed, die eine höhere Inflation bisher in Schach halten konnte. Die relative wirtschaftliche Stärke der USA kam im Sommer durch eine Reihe von Krisen in den Schwellenländern, insbesondere in der Türkei und in Argentinien, in den Fokus. Dies löste einen Ansturm auf US-Schatzbriefe und andere US-Vermögenswerte als "sicheren Hafen", anstelle von Gold, aus.

Die Reaktion von Gold auf den jüngsten Abschwung deutet jedoch darauf hin, dass sich etwas geändert hat. Die Aussichten der Anleger für die USA und die Weltwirtschaft haben sich von Optimismus, der an Selbstgefälligkeit grenzte, zu der Befürchtung gewandelt, dass der Neun-Jahre-Bullenmarkt, der längste in der Nachkriegsgeschichte, zu Ende gehen könnte. Das Wachstum in den USA (und weltweit) wird sich nach Meinung des IWFs voraussichtlich 2019 verlangsamen, und das offenkundige Beharren der US-Notenbank auf Zinserhöhungen im nächsten Jahr belastet den Optimismus daher. Die wachsende Unsicherheit über die Auswirkungen des "USA/China Handelskriegs" droht die Investoren weiter zu beunruhigen.

Gold gewinnt während Finanzmarktrisiken steigen
Gold gewinnt während Finanzmarktrisiken steigen

Quelle: Bloomberg. Stand: 26. Oktober 2018.

Die optimistische Einstellung der Anleger bei den kleineren Korrekturen an den Aktienmärkten dieses Jahr erwies sich kurzfristig bisher als richtig. Die Reaktion von Gold auf den jüngsten Abschwung der Risikoanlagen in den USA markiert jedoch eine deutliche Verschiebung der Anlegerstimmung. Gold war in den letzten Monaten stark überverkauft, nachdem es durch den starken US-Dollar und die "risikofreudige" Anlegerstimmung gegenüber dem breiten Aktienmarkt unter Druck geraten war. Jedoch zeigt die überzeugende Erholung des gelben Metalls angesichts sinkender Aktienmarktkurse und steigender Systemrisiken in den USA, dass Gold ein sicherer Hafen für Anleger und ein effektiver Portfoliodiversifikator unter volatilen Marktbedingungen bleibt.

Wichtig ist, dass Gold in dieser volatilen Phase besser abschnitt als US-Schatzbriefe - ein ermutigendes Signal für den Goldsektor. Schatzbriefe (Treasuries) haben sich während der Volatilitäts- und Währungskrisen der Schwellenländer in den letzten Monaten als beliebter sicherer Hafen erwiesen, bieten aber letztlich nicht das gleiche Maß an Portfolio-Schutz und effektive Diversifizierung wie eine Goldposition. Gold ist ein einzigartiger finanzieller Vermögenswert, da es wirklich knapp ist und keine Gegenpartei hat. Als Wertaufbewahrungsmittel hat Gold alle Fiat-Währungen langfristig übertroffen. Im September 2018 wurde berichtet, dass Goldkäufe von Zentralbanken den höchsten Stand seit sechs Jahren erreicht haben (Bloomberg), eine bemerkenswerte Entwicklung, die die Bedeutung von Gold in einem unsicheren und volatilen wirtschaftlichen Umfeld hervorhebt.

Was bringt die Zukunft für Gold?

Neben der Absicherung gegen steigende Risiken des Finanzsektors und der zunehmend unsicheren Wirtschaftslandschaft scheint der Goldsektor von einer Reihe weiterer unterstützender makroökonomischer und politischer Faktoren zu profitieren. Nachdem Gold im Sommer an das untere Ende seiner jüngsten Handelsspanne gefallen war, scheint es für eine Outperformance positioniert zu sein, während Goldaktien im Vergleich zu den breiteren Aktienmärkten extrem unterbewertet sind. Es existieren eine Reihe potenzieller Katalysatoren für eine Neubewertung des Goldsektors.

Erstens unterstützen die Aussichten für die zukünftige Geldpolitik, wobei Realzinsen mittelfristig niedrig bleiben dürften, höhere Goldpreise. Gold hat sich trotz des steigenden Zinsumfelds in den USA gut entwickelt, da die allmählichen Zinserhöhungen in Verbindung mit der steigenden Inflation dafür gesorgt haben, dass die Realzinsen niedrig bleiben. Die Angst vor den negativen Auswirkungen einer strafferen Geldpolitik auf das Wachstum war jedoch eine treibende Kraft hinter dem Ausverkauf am Aktienmarkt im Oktober. Höhere Zinsen stellen eine weitere Bedrohung für das Wirtschaftswachstum dar, da die Auswirkungen der Steuersenkungen von Trump nachlassen und sich der Handelskrieg zwischen den USA und China auf die Unternehmen auswirkt. Während die Fed weiterhin an ihrem Zinserhöhungsprogramm festhält, dürfte der Druck zur Aufrechterhaltung einer "akkommodierenden" Haltung zunehmen. Ein langsameres Tempo der Zinserhöhungen oder eine Pause würde sicherstellen, dass die Realzinsen niedrig bleiben, was ein äußerst unterstützendes Umfeld für Gold darstellt.

Ein zweiter wichtiger Faktor für Gold ist, dass ein langsameres Wirtschaftswachstum in den USA zu einem Zeitpunkt erwartet wird, an dem sich der Inflationsdruck auf die Verbraucherpreise auswirkt. Der Arbeitsmarkt ist angespannt, die Energiepreise steigen, und die Auswirkungen der eskalierenden Handelsspannungen sind höchst inflationär. Die potenziellen Auswirkungen des Handelskriegs sind vielfältig und unsicher, jedoch werden höhere Verbraucherpreise wahrscheinlich auf Zölle auf importierte Konsumgüter und Komponenten für die heimische Industrie zurückzuführen sein. Gold hat sich in Zeiten steigender Inflationserwartungen in der Vergangenheit gut entwickelt. Zehn Jahre lang gab es diese ansteigende Inflation nicht, scheint sich aber nun abzuzeichnen.

Ein weiterer unterstützender makroökonomischer Faktor für Gold ist das rasche öffentliche und private Schuldenwachstum sowie die Ausweitung von Haushaltsdefiziten; etwas, das für Investoren und politische Entscheidungsträger weltweit zu einem immer besorgniserregenderen Wirtschaftsthema geworden ist.

In Europa unterstreicht die anhaltende Weigerung der italienischen Regierung, die EU-Defizitobergrenzen einzuhalten, diese wirtschaftlichen und politischen Risiken. Steigende italienische Anleiherenditen drohen die wirtschaftliche Situation des Landes zu verschlechtern, während die Nichteinhaltung der Defizitbeschränkungen das Vertrauen in die Fähigkeit der Zentralbank zur Stabilität in den Mitgliedstaaten der Eurozone untergräbt. Der Aufstieg populistischer politischer Parteien in Europa deutet darauf hin, dass Streitigkeiten über die Kontrolle des Defizits ein potentiell destabilisierender Faktor bleiben werden, da einige Regierungen der EU-Mitgliedstaaten versuchen werden, das Wirtschaftswachstum durch vermehrte Staatsausgaben anzukurbeln.

Unterdessen weitete sich das Haushaltsdefizit in den USA im September auf ein Sechsjahreshoch von 779 Milliarden USD aus und dürfte unter den Finanzplänen der Trump-Regierung weiter wachsen. Die jüngste Stärke des US-Dollars droht die Auswirkungen der hohen Verschuldung für internationale Schuldner mit einem Engagement in US-Dollar-Schuldtiteln zu verstärken. Darüber hinaus führen steigende Zinsen bei einer unvermindert hohen und weiter steigenden Verschuldung von Unternehmen und privater Haushalte zu Risiken von Zahlungsunfähigkeit.

Für die politischen Entscheidungsträger in den USA und der EU erhöht eine hohe Verschuldung das fiskalische und gesamtwirtschaftliche Risiko bei einer gleichzeitigen Straffung der Geldpolitik. In den USA hat das derzeitige Zinserhöhungsprogramm der US-Notenbank den Spielraum für eine Beschleunigung der Zinserhöhungen bereits begrenzt. Allerdings ist es als makroökonomisch positiv zu bewerten, dass eine steigende Inflation die Schuldenlast real abwerten wird.

Sollte das Wachstum in den USA und an den Finanzmärkten aber stabil bleiben, gehen wir dennoch von einem weitgehend positiven Ausblick für den Goldsektor aus. Aufgrund von Vermögenseffekten in Bezug auf die Nachfrage nach Barren, Münzen und Schmuck floriert Gold in Phasen des Wachstums, während der durch Wirtschaftswachstum erzeugte Inflationsdruck einen steigenden Goldpreis unterstützt.

Droht der nächste Abschwung?

Ein Jahrzehnt nach Beginn der globalen Finanzkrise haben die Anleger lange Zeit von starken Aktienmarktrenditen und einer stabilen Konjunkturerholung in den Industrieländern profitiert - gestützt durch eine wachstumsstarke Regierungs- und einer lockeren Geldpolitik. Im Herbst 2018 ziehen Investoren die Aussichten für das Jahresende und den Beginn des Jahres 2019 in Betracht und stellen fest, dass sich die wirtschaftliche Landschaft zu verändern beginnt und die Risiken steigen. Wir glauben, dass die Häufigkeit von Marktkorrekturen, wie sie in den letzten Wochen beobachtet wurde, wahrscheinlich zunehmen wird, da Befürchtungen über ein sich verlangsamendes Wachstum, strengere monetäre Bedingungen, steigende Aktienmarktvolatilität und geopolitische Spannungen wachsen werden.

Entscheidungsträger von Regierungen und Zentralbanken werden wahrscheinlich weniger Munition haben, um dem nächsten großen Abschwung zu begegnen. Einige Staaten haben Spielraum für niedrigere Zinssätze und könnten Realzinsen auf erneut historische Tiefststände drücken. Allerdings wird jede Reaktion der Politik auf eine neue Krise wahrscheinlich auch fiskalische Anreize und erhöhte Staatsausgaben beinhalten. Dies würde auf Kosten von Defizit und Schuldenkontrolle gehen.

Der Zeitpunkt und das Ausmaß des nächsten großen Abschwungs sind unbekannt; Die Ereignisse der letzten Wochen haben jedoch unsere Ansicht bestätigt, dass Gold eine bewährte Absicherung gegen systemische Risiken sowie eine effektive Portfolio-Diversifizierung darstellt. Eine Allokation in Gold- und Goldaktien bietet die Möglichkeit, sich vor Aktienmarktrisiken zu schützen und gleichzeitig an der Erholung eines unterbewerteten Sektors mit einem zunehmend unterstützenden wirtschaftlichen Umfeld teilzunehmen.

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