Comeback der Kernkraft schafft neue Chancen

Comeback der Kernkraft schafft neue Chancen
Energie

Lange galt Uran als Auslaufmodell einer umstrittenen Technologie. Doch Klimaziele, wachsende Stromnachfrage und neue sicherheitspolitische Realitäten sorgen weltweit für eine Renaissance der Kernenergie. Der Uranmarkt steht dadurch vor einem strukturellen Wandel – mit Folgen für Politik, Industrie und Investoren.

09.01.2026 | 07:05 Uhr

Bei ihrer Winterklausurtagung vergangene Woche forderte die CSU lautstark die Rückkehr der Kernenergie in Deutschland. Damit folgen die Christsozialen aus Bayern einem weltweiten Trend. Denn die Lage im globalen Uransektor hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Über Jahrzehnte hinweg galt die Kernenergie in vielen westlichen Staaten als politisch kaum durchsetzbar, gesellschaftlich umstritten und wirtschaftlich wenig attraktiv. Nach schweren Reaktorunfällen und beschlossenen Atomausstiegen verlor sie weiter an Akzeptanz. Doch die energiepolitischen Rahmenbedingungen haben sich spürbar verändert. Steigender Strombedarf, ambitionierte Klimaziele und die wachsende Sorge um die Versorgungssicherheit haben ein Umdenken ausgelöst. Kernkraft wird zunehmend wieder als verlässliche, CO₂‑arme Quelle für Grundlaststrom betrachtet, die unabhängig von Wetter und Tageszeit zur Stabilisierung der Stromnetze beiträgt.

Weltweit reagieren Regierungen mit einer Neubewertung bestehender Kapazitäten. Laufzeiten von Reaktoren werden verlängert, stillgelegte Anlagen reaktiviert und neue Bauprojekte vorbereitet. Dabei geht es nicht mehr nur um klassische Großkraftwerke. Kleine modulare Reaktoren rücken verstärkt in den Fokus, da sie als flexibler, skalierbarer und potenziell kostengünstiger gelten. Sie sollen industrielle Zentren, abgelegene Regionen oder energieintensive Infrastrukturen wie Rechenzentren zuverlässig versorgen. Diese technologische Entwicklung verändert die Perspektive auf die Kernenergie nachhaltig – und rückt zugleich den Brennstoff Uran wieder in den Mittelpunkt der energiepolitischen Debatte.

Besonders dynamisch ist der Ausbau der Kernenergie in Asien. China, Indien und Russland treiben ihre Nuklearprogramme konsequent voran, um den steigenden Energiehunger wachsender Volkswirtschaften zu decken und gleichzeitig emissionsintensive Energiequellen zu ersetzen. Doch auch in Europa und Nordamerika ist ein Stimmungswandel erkennbar. Frankreich plant neue Reaktoren, Belgien und die Niederlande verlängern Laufzeiten, und Schweden hebt das Verbot des Uranabbaus auf. In den USA wird Kernenergie zunehmend als strategische Säule der Energie‑ und Industriepolitik betrachtet. Die US-Regierung hat im vergangenen Jahr eine wegweisende Partnerschaft mit den Eigentümern von Westinghouse Electric angekündigt, in deren Rahmen mindestens 80 Milliarden US-Dollar für den Bau neuer Reaktoren bereitgestellt werden sollen. Branchenanalysen rechnen deshalb bis 2030 mit einem Anstieg der globalen Uran‑Nachfrage um rund 40 Prozent.

Angebotsengpässe verschärfen das Marktumfeld

Dem wachsenden Bedarf steht ein strukturell angespanntes Angebot gegenüber. Nach mehr als einem Jahrzehnt niedriger Uranpreise wurde weltweit zu wenig in neue Förderkapazitäten investiert. Viele Minen wurden geschlossen oder in den Wartungsmodus versetzt, zahlreiche Projekte verschoben oder ganz aufgegeben. Gleichzeitig sind neue Fördervorhaben kapitalintensiv, politisch sensibel und mit langwierigen Genehmigungsprozessen verbunden. Die Folge ist ein Markt, der derzeit ein jährliches Defizit von rund 30 bis 40 Millionen Pfund Uran ausweist und zunehmend auf sogenannte sekundäre Quellen angewiesen ist.

Atomkraft
Atomkraft

Quelle: World Nuclear Association, UxC, TD Cowan.


Diese sekundären Lieferungen, etwa aus Lagerbeständen oder strategischen Reserven, können die wachsende Lücke jedoch nur begrenzt schließen. Hinzu kommen Produktionskürzungen großer Förderunternehmen wie bei Cameco und Kazatomprom sowie mögliche Engpässe bei der Urananreicherung. Viele Energieversorger haben ihre Vorräte in der Phase niedriger Preise bewusst reduziert und stehen nun vor einem Wiederauffüllungszyklus. Dieser dürfte den Preisdruck zusätzlich erhöhen. Marktbeobachter erwarten daher ein anhaltend höheres Preisniveau und zunehmende Volatilität.

Für Politik, Industrie und Investoren markiert diese Entwicklung eine Zäsur. Uran ist kein Randthema mehr, sondern ein strategischer Rohstoff, dessen Bedeutung mit dem weltweiten Ausbau der Kernenergie weiter wächst. In einer Energieordnung, die gleichzeitig Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität gewährleisten soll, rückt der Uransektor auch verstärkt in den Fokus spezialisierter Anleger. Rohstoffinvestoren wie Baker Steel verfolgen seit mehreren Jahren ein taktisches Engagement in Uranproduzenten und analysieren den Markt vor dem Hintergrund begrenzter Angebotskapazitäten und steigender Nachfrage. Der Sektor gilt als hoch spezialisiert und volatil, weshalb eine aktive Steuerung der Investments als entscheidender Erfolgsfaktor betrachtet wird.

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