bakersteel: Eine neue Ära der Inflation – Zeit für Sachwerte und Edelmetalle?

bakersteel: Eine neue Ära der Inflation – Zeit für Sachwerte und Edelmetalle?

Die Auswirkungen von steigender Inflation auf Gold und Goldminenaktien.

29.11.2021 | 08:02 Uhr

1. Es wird immer deutlicher, dass Verbraucher und Unternehmen angesichts steigender Preise weltweit vor einer Inflationsperiode stehen, die ausgeprägter und langlebiger ist als von politischen Entscheidungsträgern Anfang dieses Jahres vorhergesagt. Als Edelmetallspezialisten identifizieren wir drei aktuelle Schlüsseltrends für Investoren in diesem Sektor –

2. Inflationstrends setzen sich durch und erscheinen hartnäckiger als bisher angenommen.

3. Die Rückkehr zu Inflation ist positiv für Edelmetalle, welche in der Vergangenheit als Inflationsschutz fungiert haben.

4. Viele Goldminenbetreiber sind in der Lage, durch neue Technologien und kontinuierliche Verbesserungen höhere Kosten zu verkraften.

Da die vorübergehenden Inflationstreiber längerfristigen Tendenzen zu höheren Preisen weichen, stehen Anleger vor der Frage, wie sie ihre Portfolios am besten diversifizieren und gegen die schädlichen Auswirkungen von Inflation und Geldentwertung absichern können. Historisch gesehen sind reale Vermögenswerte und Rohstoffe, insbesondere Edelmetalle, in Zeiten der Inflation gediehen. Edelmetalle hinkten im Jahr 2021 vielen anderen Rohstoffen hinterher, da der Glaube von Anlegern an eine vorübergehende Inflation und das „Gespenst“ von Zinserhöhungen für Gegenwind für den Sektor sorgten. Dennoch ist jetzt ein Stimmungsumschwung im Gange, da die Anzeichen für eine anhaltende Inflation zunehmen und die negativen US-Realzinsen wahrscheinlich fortbestehen.

Darüber hinaus sind Edelmetallminenunternehmen gut positioniert, um gegenüber den höheren Gold- und Silberpreisen einen operativen Hebel zu bieten. Einige Produzenten sehen sich jedoch auch mit einer potenziellen Kosteninflation konfrontiert, die die Margen erodieren könnte, während andere über Instrumente und Praktiken verfügen, die dazu beitragen, den Kostenanstieg zu begrenzen. Als langfristige Anleger in diesem Sektor sind wir der Ansicht, dass Selektivität der Schlüssel sein wird, um vom nächsten großen Schritt bei Edelmetallen zu profitieren.

Es überrascht vielleicht nicht, dass die politischen Entscheidungsträger nach Jahrzehnten anhaltend niedriger Inflation nur langsam erkannt haben, dass wir möglicherweise in eine neue Ära der Inflation eintreten. Da die jüngsten US-VPI-Zahlen jedoch die Erwartungen übertrafen und Unternehmen angesichts steigender Kosten zunehmend alarmiert wurden, gewinnt das Argument, dass die Inflation noch einige Zeit anhalten wird, an Bedeutung.

Die neue Inflationsära – Bleiben höhere Preise bestehen?

Die aktuellen Inflationstreiber sind vielfältig und umfassen sowohl angebots- und nachfrageseitige Faktoren als auch wirtschaftliche und politische Kräfte. Inflationsdruck wird zu einem bestimmenden Merkmal der Welt nach COVID, da Regierungen durch Anreize und Interventionen eine zentrale Rolle bei der Wirtschaftssteuerung einnehmen und die Politik von Zentralbanken die Geldentwertung und die finanzielle Repression vorantreibt. Die „Große Inflation“ der 1970er Jahre, in der Energiekrisen und Missmanagement der US-Geldpolitik die Verbraucherpreise zweistellig in die Höhe schossen, ist lange her. Zwar gibt es derzeit kaum Anzeichen dafür, dass eine solche Inflation wiederkehren könnte, aber eine längere Phase steigender Verbraucherpreise neben steigenden Rohstoffpreisen erscheint nun wahrscheinlich.

Auf der Nachfrageseite war die Erholung der Verbrauchernachfrage in den Industrieländern seit der Aufhebung der meisten COVID-19-Beschränkungen ein Hauptgrund für den steigenden Inflationsdruck. Die US-Einzelhandelsumsätze sind widerstandsfähig geblieben und deuten darauf hin, dass sich die Verlagerung hin zu Konsumausgaben für Waren statt für Dienstleistungen fortgesetzt hat. Bemerkenswert ist, dass die Gebrauchtwagenpreise Ende Oktober 2021 (Quelle: Manheim) gegenüber dem Vorjahr um 38 % gestiegen sind. Auf der Angebotsseite treibt die Knappheit nach der Pandemie die Preise in die Höhe, da sich erholende Lieferketten mit einer steigenden Verbrauchernachfrage konfrontiert sehen. Die Engpässe blieben in den letzten Monaten gravierend, wie die extreme Überlastung der Häfen vor allem an der US-Westküste zeigt. Darüber hinaus zeigt der Arbeitsmarkt einen akuten Arbeitskräftemangel, insbesondere erneut in den USA, der sich ebenfalls auf die Lieferketten auswirkt und die Kosten in die Höhe treibt. Es scheint, dass viele Arbeitnehmer, die während der Pandemie aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind, nur langsam zurückkehren, während andere sich stattdessen für Teilzeitarbeit oder Vorruhestand entscheiden.

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Quelle: Bloomberg. Stand: 11 November 2021.

Auf den ersten Blick scheint diese Dynamik kurzfristig zu sein; basierend auf der Erholung der Geschäftstätigkeit von der COVID-19-Krise. Mehrere weitere Faktoren deuten jedoch darauf hin, dass sich eine steigende Inflation als mehr als nur eine vorübergehende Phase erweisen wird. Erstens werden sich die beispiellosen wirtschaftlichen Bedingungen der letzten zwei Jahre und die politische Reaktion auf die COVID-19-Krise nachhaltig auf die Nachfrage auswirken. Auf dem Höhepunkt der Krise beschleunigte sich das Wachstum der US-Geldmenge im Jahresvergleich auf über 25 % und liegt heute immer noch bei rund 12 % im Plus im Jahr zu Jahr Vergleich. Ein ähnlich schnelles Wachstum der öffentlichen Schulden während der Pandemie zeigt kaum Anzeichen einer Verlangsamung; sie ist in den zwei Jahren bis Oktober 2021 um 26 % gestiegen, verglichen mit rund 12 % in den beiden Jahren davor. Steigende Staatsausgaben auf sehr hohem Niveau scheinen eine Bestandsgröße zu sein, ebenso wie „leichtes Geld“, ungeachtet der prognostizierten Drosselung und moderaten nominalen Zinserhöhungen durch die US-Notenbank. Diese Faktoren sprechen für einen längerfristigen, nachfragebedingten Inflationsdruck, der in einigen Volkswirtschaften durch demografische Faktoren, insbesondere durch die Bevölkerungsalterung, noch verstärkt wird.

Längerfristige, angebotsseitige Inflationsfaktoren deuten ebenfalls darauf hin, dass eine erhöhte Inflation anhalten wird. Wir sind insbesondere der Ansicht, dass ein Strukturwandel im Gange ist, da die durch die Globalisierung erzeugten billigen Inputs erodieren. Der geopolitische Trend zur Entglobalisierung, der bereits vor der Pandemie aufgetreten ist und oft von einer populistischen Wirtschaftspolitik unterstützt wird, hat sich nach der Krise verstärkt, da Regierungen und Bevölkerungen die Fragilität und die Risiken, die durch die Abhängigkeit von langwierigen internationale Lieferketten entstanden sind, vermindern möchten. Wir erwarten, dass sich der Trend des „Reshoring“ fortsetzt, welcher die Kosten für die heimische Industrie in die Höhe treiben und den Inflationsdruck schüren wird. In der Zwischenzeit könnten andere inflationäre Elemente des Erbes der COVID-19-Krise länger als erwartet bestehen bleiben. Insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsmärkte dürften die Lohnerhöhungen in vielen Sektoren nicht leicht rückgängig zu machen sein, was die Kosten für die Unternehmen für einige Zeit hochhält.

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