• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

Ex-Berenberg- und AGI-Star Matthias Born gründet Fondsboutique

Matthias Born (mi), Oliver Fritz (re) und Chriatian Korth (li)
Asset Manager

Nach seinem Abschied von Berenberg startet Matthias Born mit der Münchner Fondsboutique Fortequa neu. Gemeinsam mit Oliver Fritz und Christian Korth will er europäische Marktführer aufspüren, die an der Börse häufig wenig Beachtung finden. Dabei verbindet das Trio künstliche Intelligenz mit fundamentalem Research. Mit dem Fortequa Falcon Fund und dem Fortequa Merlin Fund sollen zwei aktiv gemanagte Aktienfonds an den Start gehen.

29.10.2026 | 12:15 Uhr

„Alte Welt. Neu vermessen.“ Mit diesem Motto startet Matthias Born in ein neues Kapitel seiner Karriere. Der langjährige Europa-Aktienexperte hat in München gemeinsam mit Oliver Fritz und Christian Korth die Fondsboutique Fortequa gegründet. Das Ziel des Trios: attraktive europäische Unternehmen identifizieren, die trotz ihrer starken Marktstellung und ihrer Wachstumsperspektiven von vielen Investoren übersehen werden.

Born bringt dafür langjährige Erfahrung aus dem Fondsmanagement mit. Er führte europäische Aktienteams bei Allianz Global Investors und Berenberg und verantwortete zuletzt bei der Hamburger Privatbank als CIO Equities die Aktienstrategien. Seit 2019 war er zudem Head of Investments im Wealth and Asset Management. Berenberg verließ er auf eigenen Wunsch.

Borns Abschied fiel in eine Phase, in der die von ihm verantworteten Fonds unter Druck standen. Sowohl der Berenberg European Focus als auch der Berenberg Eurozone Focus hatten über einen längeren Zeitraum mit einer schwachen Wertentwicklung zu kämpfen. Mit Fortequa verfolgt Born nun einen eigenen Ansatz für europäische Aktien.

Fortequa: Europas unterschätzte Marktführer finden

Die Grundidee der neuen Boutique ist, dass Europa mehr attraktive Aktienunternehmen zu bieten hat, als es die häufig auf US-Technologiekonzerne ausgerichtete Aufmerksamkeit der Märkte vermuten lässt. Fortequa konzentriert sich auf Unternehmen, die in ihren Branchen führende Positionen einnehmen und sich durch technologische Kompetenz, spezialisiertes Know-how, starke Marken oder schwer kopierbare Geschäftsmodelle auszeichnen.

Unternehmen können weltweit erfolgreich sein, auch wenn die wirtschaftliche Stimmung in Europa schwach ist. Entscheidend ist für Fortequa daher nicht allein die konjunkturelle Entwicklung des Heimatmarkts, sondern die Wettbewerbsposition und Ertragskraft der einzelnen Unternehmen.

Besonders interessant findet das Team Aktien, die bislang nur wenig Beachtung durch Analysten erfahren. Fortequa verweist darauf, dass in den vergangenen zehn Jahren fast 100 europäische Aktien ihren Wert mindestens verfünffacht hätten. Viele dieser Unternehmen hätten zu Beginn eine Marktkapitalisierung von weniger als fünf Milliarden Euro aufgewiesen. Gerade abseits der bekannten Börsenschwergewichte sieht die Boutique deshalb Chancen, langfristig erfolgreiche Unternehmen frühzeitig zu entdecken.

Künstliche Intelligenz als Co-Pilot im Aktienresearch

Ein wesentlicher Bestandteil des Investmentprozesses ist eine eigens trainierte künstliche Intelligenz. Sie soll das europäische Aktienuniversum kontinuierlich überwachen, Unternehmenszahlen auswerten und Veränderungen erkennen. Auf diese Weise will Fortequa relevante Entwicklungen frühzeitig erfassen und das Research effizienter gestalten.

Die KI übernimmt jedoch nicht die Anlageentscheidung. Sie unterstützt das Team bei der Vorauswahl und Beobachtung von Unternehmen. Die qualitative Analyse, Gespräche mit dem Management und Experten aus dem Netzwerk sowie die abschließende Portfolioentscheidung bleiben Aufgabe der Fondsmanager.

Der Investmentprozess folgt dabei mehreren Schritten:

  • Aktienuniversum eingrenzen: Je nach Fonds betrachtet Fortequa europäische Unternehmen aller Größen oder konzentriert sich auf Small und Mid Caps.
  • Unternehmensqualität analysieren: Im Fokus stehen unter anderem Kapitalallokation, freier Cashflow und Kapitalrendite.
  • Geschäftsdynamik prüfen: Die Entwicklung des operativen Geschäfts und Veränderungen der Gewinnerwartungen liefern weitere Hinweise.
  • Geschäftsmodell verstehen: Die Manager untersuchen Marktstellung, Wettbewerb und Managementqualität und führen Gespräche mit Unternehmen und Branchenexperten.
  • Portfolio aktiv steuern: Überzeugung, Risiko und Liquidität bestimmen die Gewichtung. Die KI überprüft laufend, ob die ursprüngliche Investmentthese weiterhin trägt.

Auch die Verkaufsentscheidung soll frühzeitig Teil der Analyse sein.

Drei Köpfe mit Erfahrung in Research und Fondsmanagement

Neben Born gehören Oliver Fritz und Christian Korth zum Gründungsteam. Zusammen verfügen die drei über mehr als 50 Jahre Erfahrung mit europäischen Aktien.

Born ist seit rund 25 Jahren im europäischen Aktienmarkt tätig und kennt sowohl große internationale Konzerne als auch spezialisierte Nischenanbieter. Fritz bringt 13 Jahre Kapitalmarkterfahrung mit. Er arbeitete zunächst im Aktienvertrieb bei Goldman Sachs und MainFirst und wechselte anschließend ins Portfoliomanagement bei Berenberg. Korth analysierte zuvor 15 Jahre lang Unternehmen bei MainFirst und HSBC, bevor er im Portfoliomanagement bei Berenberg und für ein Single Family Office tätig war.

Das Trio will die systematische Datenauswertung mit klassischer Unternehmensanalyse verbinden. Zudem investiert das Team nach eigenen Angaben einen erheblichen Teil seines eigenen Vermögens in die Fonds. Damit sollen die Interessen der Fondsmanager und ihrer Anleger möglichst eng aufeinander abgestimmt sein.

Fortequa Falcon Fund: Europäische Qualitätsaktien im Fokus

Mit dem Fortequa Falcon Fund plant die Boutique einen breit diversifizierten europäischen Aktienfonds. Das Zielportfolio umfasst 40 bis 50 Aktien. Den Schwerpunkt bilden große und etablierte Unternehmen, ergänzt um ausgewählte Small und Mid Caps.

Das Anlageuniversum orientiert sich am MSCI Europe und umfasst Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Marktsegmenten. Anders als bei einer stark konzentrierten Strategie soll die breite Streuung über Sektoren und Unternehmensgrößen zu einem moderaten Tracking Error gegenüber dem Markt beitragen.

Bei der Titelauswahl setzt Fortequa auf Unternehmen, deren Erträge von langfristigen strukturellen Trends profitieren und nicht allein von der konjunkturellen Entwicklung Europas abhängen. Die Manager wollen sich auf Unternehmen konzentrieren, deren Marktstellung und Geschäftsmodelle Wettbewerbern den Aufholprozess erschweren.

Der Fortequa Falcon Fund befindet sich derzeit in Auflage. Als Auflegungsdatum ist der 2. November 2026 vorgesehen. Die Retail-Anteilklasse (ISIN: DE000A42DJ55) hat laufende Kosten von 1,70 Prozent. Der Ausgabeaufschlag beträgt maximal fünf Prozent.

Fortequa Merlin Fund: Chancen bei Small und Mid Caps

Der Fortequa Merlin Fund setzt stärker auf kleinere und mittelgroße europäische Unternehmen. Das Zielportfolio umfasst 60 bis 70 Aktien. Das Anlageuniversum orientiert sich am MSCI Europe SMID und reicht laut Fortequa von Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 400 Millionen bis 20 Milliarden Euro.

Die Boutique sieht gerade in diesem Segment Chancen, weil kleinere Unternehmen häufig von weniger Analysten beobachtet werden. Eine geringere Research-Abdeckung kann dazu führen, dass sich die Einschätzungen des Marktes langsamer an neue Geschäftsentwicklungen anpassen. Durch eigene Unternehmensanalysen und den direkten Austausch mit den Managementteams will Fortequa solche Bewertungsunterschiede aufspüren.

Der Fonds soll damit auch eine Ergänzung zu bestehenden Europa-Portfolios mit Schwerpunkt auf großen Unternehmen bieten. Fortequa verweist darauf, dass viele Unternehmen mit zweistelligem Gewinnwachstum und einer Eigenkapitalrendite von mehr als 15 Prozent eine Marktkapitalisierung von weniger als zehn Milliarden Euro aufweisen.

Im Vergleich zum Falcon Fund ist beim Merlin Fund eine aktivere Positionierung mit einem höheren Tracking Error vorgesehen. Der Fonds soll am 16. November 2026 aufgelegt werden. Die Retail-Anteilklasse ist unter der (ISIN: DE000A42DJ30) hat laufende Kosten von 1,75 Prozent pro Jahr. einschließlich einer Vertriebsfolgevergütung von 0,75 Prozent, der Ausgabeaufschlag kann bis zu fünf Prozent betragen. Zusätzlich ist eine erfolgsabhängige Vergütung von 15 Prozent gegenüber dem MSCI Europe SMID NR vorgesehen, begrenzt auf drei Prozent.

Zwei Fonds, ein Ansatz: Daten und menschliche Analyse verbinden

Mit Falcon und Merlin deckt Fortequa zwei unterschiedliche Bereiche des europäischen Aktienmarkts ab: etablierte Qualitätsunternehmen über verschiedene Marktsegmente hinweg sowie kleinere und mittlere Unternehmen mit weniger intensiver Analystenbeobachtung. Beide Fonds folgen der Grundidee, langfristig erfolgreiche Geschäftsmodelle anhand fundamentaler Kriterien zu identifizieren und ihre Entwicklung kontinuierlich zu überprüfen.

Die künstliche Intelligenz soll dabei helfen, das große Anlageuniversum systematisch zu beobachten. Den entscheidenden Unterschied will Fortequa jedoch durch die menschliche Beurteilung von Geschäftsmodellen, Wettbewerbsvorteilen und Managementqualität erzielen. Ob die neue Boutique mit diesem Ansatz an die früheren Erfolge von Born anknüpfen kann, wird sich erst nach dem Start der Fonds und anhand ihrer langfristigen Wertentwicklung zeigen. (jk)

Diesen Beitrag teilen: