Susanna Wooders, Country Head Germany des Vermögensverwalters Fidelity International, sieht im Altersvorsorgedepot die Chance auf einen Kulturwandel bei der privaten Vorsorge.
29.10.2026 | 10:00 Uhr von «Peter Gewalt»
Das geplante Altersvorsorgedepot soll mehr Menschen an den Kapitalmarkt heranführen und die private Altersvorsorge stärken. Fidelity International sieht darin einen wichtigen Schritt zur Modernisierung des deutschen Vorsorgesystems.
Die Reform der privaten Altersvorsorge zählt zu den wichtigsten finanzpolitischen Vorhaben der kommenden Jahre. Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot (AVD) will die Bundesregierung langfristiges Sparen am Kapitalmarkt fördern und Bürgern eine zusätzliche Möglichkeit zum Vermögensaufbau für das Alter eröffnen.
Bei einer Presseveranstaltung von Fidelity in London sprach Susanna Wooders, Country Head Germany des Vermögensverwalters, von einer „sehr bedeutenden Rentenreform“ für Deutschland. Der Reformdruck sei vor allem auf die demografische Entwicklung zurückzuführen. In den kommenden Jahren werde eine große Zahl der Babyboomer das Rentenalter erreichen, während die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung zunehmend schwieriger werde.
Vor diesem Hintergrund soll das Altersvorsorgedepot die dritte Säule der Altersvorsorge stärken. Anders als bei klassischen Vorsorgeprodukten soll dabei der Kapitalmarkt eine zentrale Rolle spielen. Das Ziel: langfristig höhere Renditechancen und eine stärkere Eigenverantwortung bei der Altersvorsorge.
Für Wooders geht die Bedeutung der Reform weit über die Einführung eines neuen Produkts hinaus. „Für Deutschland ist das ein großer Sprung nach vorn“, sagte sie. Jahrzehntelang habe die private Vermögensbildung hierzulande stark auf Spareinlagen gesetzt. Das neue Vorsorgedepot könne dazu beitragen, mehr Menschen an langfristige Kapitalmarktanlagen heranzuführen.
Nach Angaben von Fidelity liegt ein erheblicher Teil des privaten Vermögens deutscher Haushalte weiterhin auf Spar- und Tagesgeldkonten. „Wir haben rund zehn Billionen Euro Haushaltsvermögen, und fast 40 Prozent davon liegen auf Einlagenkonten“, sagte Wooders. Viele Anleger verzichteten dadurch langfristig auf Renditechancen und nähmen Kaufkraftverluste durch Inflation in Kauf.
Das geplante Altersvorsorgedepot soll deshalb möglichst einfach und verständlich ausgestaltet werden. Die politischen Vorschläge sehen einen stark regulierten Rahmen mit begrenzter Produktkomplexität vor. Dahinter stehe auch das Ziel, Vertrauen in die kapitalgedeckte Altersvorsorge aufzubauen. „Es gibt einen grundlegenden Mangel an Vertrauen in die Kapitalmärkte und die Finanzindustrie“, sagte Wooders.
Gleichzeitig warnt die Fidelity-Managerin davor, die private Altersvorsorge ausschließlich auf einfache Standardlösungen zu beschränken. Für langfristige Sparprozesse seien Konzepte erforderlich, die Anleger über den gesamten Lebenszyklus begleiten.
Als Beispiel nennt sie sogenannte Glide-Path-Strategien. Dabei wird die Aktienquote mit zunehmendem Alter schrittweise reduziert, um Risiken kurz vor dem Ruhestand zu begrenzen. „Man schaltet das Aktienrisiko nicht mit dem Renteneintritt ab“, erläuterte Wooders. Schließlich könne die Lebensphase nach dem Berufsleben noch mehrere Jahrzehnte umfassen.
Deutschland habe in den vergangenen Jahren bereits deutliche Fortschritte bei der Akzeptanz von Kapitalmarktanlagen gemacht. Insbesondere ETFs hätten vielen Privatanlegern erstmals einen einfachen Zugang zum Wertpapiermarkt eröffnet. Das Altersvorsorgedepot könne diese Entwicklung weiter beschleunigen und neue Anlegergruppen an langfristiges Investieren heranführen.
Trotzdem sieht Wooders weiteren Handlungsbedarf. Im internationalen Vergleich seien die bisherigen politischen Überlegungen noch relativ zurückhaltend. „Es gibt noch mehr zu tun“, sagte sie. Das Altersvorsorgedepot könne jedoch ein wichtiger erster Schritt sein, um die private Altersvorsorge auf eine breitere und langfristig tragfähigere Grundlage zu stellen.
Mehr über die Kapitalrente, das Altersvorsorgedepot und weitere Themen zur Altersvorsorge lesen Sie hier https://www.fundresearch.de/altersvorsorge/
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