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Kehrt der Zins zurück? – Was Berater wissen müssen

Niedrig- und Negativzinsen sind gekommen, um zu bleiben, so die Überzeugung vieler Finanzprofis. Doch eine kleine europäische Zentralbank in Europa leistet Widerstand und erhöht die Zinsen. Ist der Zinsschwund doch nicht in Stein gemeißelt?

10.02.2020 | 15:00 Uhr von «Christian Bayer»

Zinserhöhung in Tschechien

Für die Zentralbanken stellt sich die schwierige Frage nach dem Abschied von der extrem lockeren Geldpolitik, die als Medizin verabreicht wurde, um die Folgen der Finanzkrise zu mildern. Am 6. Februar haben sich jedenfalls in der tschechischen Nationalbank die Falken durchgesetzt.

Der Leitzins wurde um 25 Basispunkte auf 2,25% angehoben. Jiří Rusnok, Gouverneur der tschechischen Zentralbank (CNB), verwies allerdings auf eine schwierige Entscheidungsfindung. Die Bekanntgabe der Zinserhöhung wurde wegen eines entsprechenden Beratungsbedarfs um eine Stunde nach hinten verschoben.

Die Abstimmung ging mit 4:3 Stimmen für eine Zinserhöhung denkbar knapp aus. Für viele Marktbeobachter kam die Entscheidung überraschend. Keiner der im Vorfeld von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten 20 Analysten hatte diese Entscheidung erwartet.

Leergefegter Arbeitsmarkt

Die Notenbank reagierte mit dem Zinsschritt auf eine Inflationsrate, die mit über drei Prozent über dem Ziel-Korridor lag. Eine der wesentlichen Ursachen für die Teuerung ist der leergefegte Arbeitsmarkt in Tschechien und der damit verbundene Anstieg der Löhne. Die tschechische Krone hat nach der Zinserhöhung deutlich gegenüber anderen Währungen aufgewertet. Gegenüber dem Euro notierte die Krone auf dem höchsten Stand seit acht Jahren.

„Der Zinsschritt zeigt erneut, dass die tschechische Notenbank eine von global nur noch wenigen verbliebenen Zentralbanken ist, die eine stabilitätsorientierte Geldpolitik verfolgen. Ihre Zinspolitik steht in direkter geldpolitischer Tradition der Bundesbank“, so Bernhard Matthes, Bereichsleiter Portfoliomanagement der Bank für Kirche und Caritas, zur Anhebung der Zinsen durch die Tschechische Nationalbank.

Einstieg zum Ausstieg

Nach Auffassung des Frankfurter Bankiers Emmerich Müller, Partner des Bankhauses Metzler, sollte die EZB ihren Beschluss zur Überprüfung der geldpolitischen Strategie dazu nutzen, die Negativzinsen auf den Prüfstand zu stellen. „Ich hoffe, dass wir in absehbarer Zeit zumindest die nominalen Negativzinsen hinter uns lassen. Sobald es die Umstände erlauben, sollte die EZB den Einlagensatz anpassen“, erläutert Müller. „Dass diese Negativzinsen auf Dauer eine erhebliche Auswirkung auf die Stabilität des Finanzsystems haben, ist auch der EZB geläufig.“ Die anstehende Überprüfung der EZB-Strategie umfasst das geldpolitische Instrumentarium, die Messung der Inflation und die Kommunikation der Zentralbank.

Vor dem Hintergrund einer gerade in Deutschland starken Kritik an der Notenbank hofft Müller auch auf eine verbesserte Kommunikationsstrategie: „Eine Zinspolitik, die besser kommuniziert wird, könnte zu einer breiteren Zustimmung in der Öffentlichkeit – auch zum Euro – führen.” Allerdings geht der Experte nicht von einer substanziellen Änderung des Zinsniveaus in der Eurozone aus, da es aus seiner Sicht zu viele Schuldner gibt, die real höhere Zinsen nicht verkraften können.

Grenzen der EZB

Im Unterschied zu ihrem Vorgänger Mario Draghi, der gerne verbal die großen Geschütze auffahren ließ, wenn es um die Einflussmöglichkeiten der EZB ging, gibt sich Christine Lagarde hinsichtlich des Handlungsspielraums der EZB bescheidener: „Das Umfeld aus niedrigen Zinsen und niedriger Inflation schränkt den Spielraum der EZB und anderer Notenbanken weltweit erheblich ein, die Geldpolitik im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs zu lockern.“ Draghi klang mit seiner Ansagen, beispielsweise alle Instrumente zur Rettung des Euros zu nutzen („whatever it takes“), noch deutlich selbstbewusster.

Die neue Bescheidenheit der EZB-Präsidentin hat allerdings auch eine strategische Komponente. Indirekt reicht sie, in dem sie die Grenzen der Möglichkeiten der EZB betont, den Schwarzen Peter an die Politik weiter. Lagarde erwartet von den finanziell stärkeren Ländern in der EU wie Deutschland deutlich mehr Ausgaben und Investitionen zur Ankurbelung der Wirtschaft.

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Quelle: BÖRSE ONLINE

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