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Saudi-Arabiens radikale neue Ölstrategie

Saudi-Arabiens radikale neue Ölstrategie
Saudi-Arabiens radikale neue Ölstrategie
04/2020
Bernard Haykel
Project Syndicate

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Die Entscheidung Saudi-Arabiens, seine Ölförderung anzukurbeln, stellt einen dramatischen Meinungsumschwung im Hinblick auf seine bisherige Haltung gegenüber Energiemärkten sowie hinsichtlich seiner eigenen Abhängigkeit von Öleinnahmen dar.

21.04.2020 | 07:05 Uhr

Vorbei sind die Zeiten, in denen saudische Ölreserven für zukünftige Generationen umsichtig verwaltet wurden. Nun, da das Königreich nicht mehr an einem bestimmten Ölpreisrahmen festhält und auch keine freien Produktionskapazitäten zurückhält, verabschiedet es sich aus seiner angestammten Rolle als Swing-Produzent auf dem Markt.

Dieser Sinneswandel ist Ausdruck der Ansicht von Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS), wonach Saudi-Arabien über ein relativ enges Zeitfenster verfügt, seine großen Ölreserven zu Geld zu machen. Statt zu versuchen, die Preise festzusetzen, verfolgt er nun eine Politik des Ausbaus von Marktanteilen und bricht auch in dieser Hinsicht mit langjährigen Strategien, die er für nicht mehr für sinnvoll hält. 

Hält MBS an dieser Politik fest, könnte er damit die Dynamik des weltweiten Energiemarkts  erheblich verändern. Mit der dauerhaften Senkung der Preise verdrängt Saudi-Arabien nicht nur kostspieligere Formen der Ölproduktion vom Markt, sondern erschwert es auch erneuerbaren Energieträgern, mit fossilen Brennstoffen zu konkurrieren – zumindest auf kurze Sicht.

Die neue Strategie wurde am 7. März, einem Samstag, deutlich, als Saudi-Arabien beschloss, den offiziellen Verkaufspreis zu senken und seine Ölproduktion auf über zehn Millionen Barrel pro Tag zu steigern, wobei die Produktion im April wohl in der Nähe von 11 Millionen Fass liegen wird. Im Vergleich dazu wurden in den letzten Monaten 9,7 Millionen Fass täglich gefördert.  Als die Märkte am darauffolgenden Montag wieder öffneten, mussten die Ölpreise ihren größten Eintagesrückgang seit 1991 hinnehmen.

Offiziell galt die saudische Vorgehensweise als Reaktion auf die Weigerung Russlands, bei einem OPEC+ -Treffen am 6. März freiwilligen Kürzungen der Ölproduktion zuzustimmen. Seit 2016 koordinieren Russen und Saudis ihre Produktion, um die Preise etwa auf einem Niveau von 50 bis 60 US-Dollar pro Barrel zu halten. Der Nettoeffekt dieser Zusammenarbeit bestand jedoch darin, dass man der US-Schieferölindustrie half, Produktion und Umsatz zu steigern und damit den größten Teil der weltweit steigenden Nachfrage zu decken. Nachdem die Saudis seit 2016 unter rückläufigen Exporten zu leiden hatten, hofften sie wahrscheinlich, dass eine geringere Produktion die Preise in einer Zeit stützen würde, in der die weltweite Nachfrage aufgrund des Ausbruchs des Coronavirus nachlassen würde.

Warum also dieser Sinneswandel? Kommentatoren haben dazu unterschiedliche Erklärungen vorgebracht, darunter auch die Vermutung, wonach Saudi-Arabien womöglich mit Russland gemeinsame Sache macht, um der US-Schieferölindustrie zu schaden. Doch eine derartige Zusammenarbeit ist höchst unwahrscheinlich. Es herrscht wenig Vertrauen zwischen MBS und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der nicht vergessen hat, dass die Ölmarktmanipulationen in Saudi-Arabien in den 1980er Jahren möglicherweise eine Rolle beim Zusammenbruch der Sowjetunion gespielt haben. Außerdem versuchte Saudi-Arabien schon in den Jahre 2014 bis 2016, sich mit der US-Schieferölindustrie anzulegen und scheiterte, weil man die die technische Kompetenz und die Fähigkeit der US-Schieferölproduzenten, zu niedrigen Preisen zu operieren, schwer unterschätzte.

Anstatt einen kurzfristigen taktischen Sieg anzustreben, konzentriert sich MBS möglicherweise auf mehrere längerfristige Entwicklungsziele. Er weiß, dass er nur über begrenzte Zeit - vielleicht nur ein paar Jahrzehnte - verfügt, um maximalen Gewinn aus dem Öl zu ziehen, weil durch den Klimawandel ein globaler Vorstoß in Richtung Entkarbonisierung und erneuerbarer Energien ausgelöst wurde. Saudi-Arabien verfügt über förderbare Reserven für mehr als 50 Jahre und das meiste davon wird als Stranded Asset enden, wenn nicht rasch mehr gefördert wird.

Obwohl das Königreich bei der Umsetzung seiner neuen, höchst ambitionierten Produktionsziele vor gravierenden technischen und finanziellen Hürden stehen wird, besteht der tiefere Sinn darin, dass die alten Regeln nicht mehr gelten. Und gemäß der neuen Bestimmungen könnten die Saudis auch damit beginnen, den staatlichen Ölriesen Saudi Aramco statt wie eine globale Zentralbank des Ölmarkts wie ein gewinnmaximierendes internationales Unternehmen zu führen – das so viel wie möglich produziert.

Es bestehen triftige Gründe dafür, warum das Königreich diesen Kurs einschlagen sollte. Zunächst ist saudisches Öl billiger zu fördern und zu transportieren als viele andere Ölreserven. Überdies ist es auch „sauberer” als das aus kanadischen Teersanden gewonnene Öl und im Vergleich zu russischem Öl emittiert es weniger Methan. Und Saudi Aramco ist eines der technologisch fortschrittlichsten und technisch kompetentesten Ölunternehmen der Welt. Mit anderen Worten: saudisches Öl verfügt gegenüber der Konkurrenz über mehrere komparative Vorteile und ist daher hervorragend geeignet, bei der globalen Umstellung auf saubere Energie eine privilegierte Position einzunehmen.

Darüber hinaus hat das Königreich seine beabsichtigte Strategieänderung seit mehreren Monaten signalisiert. Im Dezember 2019 nahm man den Börsengang von 1,5 Prozent von Saudi Aramco in Angriff, der eine Möglichkeit darstellt, den aktuellen Wert der saudischen Ölreserven zu monetarisieren, während man gleichzeitig den Kurswechsel in Richtung Gewinnmaximierung signalisierte. Nach langjährigen Streitigkeiten haben die Saudis auch mit Kuwait eine Vereinbarung über die Ölförderung in der neutralen Zone getroffen, die eine Steigerung der Produktion um bis zu 500.000 Barrel pro Tag ermöglicht. Schließlich kündigte Saudi-Arabien kürzlich Pläne an, ein riesiges unkonventionelles Gasfeld namens Jafurah zu entwickeln, wodurch noch mehr Öl für den Export verfügbar sein wird.

Der Kurswechsel Saudi-Arabiens sollte amerikanischen Politikern zu denken geben, die damit prahlen, die Vereinigten Staaten hätten durch die Produktion von Schieferöl Energieunabhängigkeit erreicht. In einem umfassenden Krieg um Marktanteile werden es US-amerikanische, kanadische, russische und anderen Ölproduzenten schwer haben, mit dem Golf zu konkurrieren, wenn man sich dessen geringere Kosten und andere kompetitive Vorteile vor Augen hält.

Die Frage ist freilich, wie lang Saudi-Arabien diese Strategie fortsetzen kann, bis das neue Niedrigpreisumfeld auch an seinen Geldschatullen zehrt. Eine Überschlagsrechnung legt einen Zeitraum von zwei Jahren nahe. 

MBS setzt vielleicht darauf, dass er länger durchhält als die Konkurrenz. Angesichts der strukturellen Merkmale des Ölmarktes und des unvermeidlichen Übergangs zu erneuerbaren Energieträgern sieht er wahrscheinlich keine andere Alternative. OPEC-Quoten und Produktionsvereinbarungen mit den Russen haben nicht zu den Ergebnissen geführt, die er braucht. Ob die neue Politik greifbarere Vorteile bringen kann, bleibt abzuwarten.

Bernard Haykel

Bernard Haykel ist Professor für Nahoststudien und Direktor des Instituts für überregionale Studien des Nahen Ostens, Nordafrikas und Zentralasiens der Gegenwart an der Universität Princeton sowie Mitherausgeber (neben Thomas Hegghammer) des Buchs Saudi Arabia in Transition.

Copyright: Project Syndicate

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