TiAM Advisor Services lud Ende vergangener Woche zum Munich Fund Summit ein - einem Top-Event für Fondsselektoren aus ganz Deutschland. Hier sind die Empfehlungen der Investmentprofis.
11.05.2026 | 13:30 Uhr von «P. Gewalt und J. Kränicke»
TiAM Advisor Services lud am vergangenen Donnerstag zum zweiten „Munich Fund Summit” nach München ein. Die Veranstaltung war ein Treffpunkt für Fondsselektoren und Vermögensverwalter aus ganz Deutschland. In den Design Offices am Königsplatz lieferten hochkarätige Redner, darunter Vertreter der BVT Unternehmensgruppe, DNB Asset Management, Eurizon, iShares by BlackRock und STOXX sowie Merck Finck, Einblicke in ein von Unsicherheit geprägtes Marktumfeld – und zeigten zugleich, wo sich für Investoren neue Chancen ergeben könnten.
Energiekrise als Treiber der Transformation
So zeichnete Torsten Seuberth, Senior Wholesale Manager bei DNB Asset Management, ein von Unsicherheit geprägtes Bild der globalen Energiemärkte – und leitete daraus klare Argumente für Investitionen in erneuerbare Energien ab.
Ausgangspunkt seiner Analyse war die geopolitische Lage: Der Konflikt im Nahen Osten habe zentrale Handelsrouten beeinträchtigt, rund 25 Prozent des globalen Öl- und 20 Prozent des LNG-Handels seien betroffen. „Die Folgen sind schwer abschätzbar“, sagte Seuberth mit Blick auf die zunehmende Volatilität der Märkte. Gleichzeitig steigen die Preise für fossile Energieträger, was Inflations- und Rezessionsrisiken verschärft, insbesondere in Europa mit seinen niedrigen Gasspeichern.
Doch genau diese Unsicherheit öffnet nach Ansicht des DNB-Experten ein Zeitfenster für den Umbau des Energiesystems. Während fossile Brennstoffe unter geopolitischen Spannungen leiden, sinken die Kosten erneuerbarer Technologien kontinuierlich – speziell im Solarbereich. Entscheidend sei jedoch nicht nur die Erzeugung, sondern vor allem der Ausbau von Netzen und Speichern, wo weiterhin erheblicher Nachholbedarf bestehe. „Das große Thema ist das Einspeisen beziehungsweise Speichern“, so Seuberth.
Hier setzt der DNB Fund Renewable Energy an. Seit 1989 investiert das Haus in Unternehmen der Energiewende und fokussiert heute drei zentrale Themen: Energieerzeugung, Elektrifizierung und Ressourceneffizienz. Der Ansatz ist aktiv und selektiv – rund 50 Titel, mit klaren Überzeugungen und deutlichen Abweichungen vom Vergleichsindex.
Seuberth betonte, dass strukturelle Treiber wie KI-Rechenzentren und Elektromobilität die Stromnachfrage zusätzlich beschleunigen. Für Investoren entstehe damit eine langfristige Wachstumsstory, die weit über kurzfristige geopolitische Effekte hinausreiche
Torsten Seuberth, Senior Wholesale Manager bei DNB Asset Management
Loredana Greco von Eurizon Asset Management stellte den Eurizon Fund II Euro Q-Equity vor und propagierte ein Comeback europäischer Aktien. Trotz anhaltender Unsicherheiten sieht sie gerade im aktuellen Umfeld Chancen für aktive Investoren.
Während US-Märkte stark von wenigen Technologiewerten dominiert werden, bietet Europa laut Greco strukturelle Vorteile: „In Europa ist das Feld viel breiter, um ein guter Stockpicker zu sein.“. Die geringere Konzentration eröffne Spielräume, Ineffizienzen gezielt zu nutzen.
Zugleich rät sie angesichts geopolitischer Risiken zu mehr Diversifikation: „Der makroökonomische Kontext ist so unsicher, dass klare Richtungswetten schwierig sind.“ Europa könne dabei helfen, US-Risiken auszubalancieren.
Der Fonds setzt auf einen „quantamentalen“ Ansatz, der quantitative Modelle mit fundamentaler Analyse verbindet. Ziel ist ein breit diversifiziertes Portfolio von rund 100 Titeln mit Fokus auf Einzeltitelselektion. Diese steht klar im Mittelpunkt der Strategie: „Der Treiber der Outperformance ist die Selektion, nicht die Allokation.“
Für langfristige Anleger, so Greco, bietet Europa damit eine attraktive Möglichkeit, systematisch Alpha zu generieren.
Loredana Greco, Senior Portfolio Managerin von Eurizon Asset Management
Martin Krause, Geschäftsführer der BVT, erläuterte in seiner Präsentation, warum Großbatteriespeicher zunehmend als Schlüsseltechnologie beim Ausbau erneuerbarer Energien gelten – und ein neues Investmentthema für institutionelle wie private Anleger sind.
Krause machte während der Roundtables deutlich, wie die Energiewende das deutsche Stromsystem an einen Wendepunkt bringe. Mit dem starken Ausbau von Wind- und Solarenergie steige laut Krause nicht nur der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix, sondern auch die Volatilität im Netz. Strom werde künftig immer häufiger dann produziert, wenn er gerade nicht benötigt wird. Genau hier rückten Großbatteriespeicher in den Fokus.
Besonders sichtbar werde das Problem zur Mittagszeit. „Dann übersteigt die Solarstromproduktion zeitweise die Nachfrage. In der Folge geraten Strompreise unter Druck, teilweise bis in den negativen Bereich. Die sogenannte ‚Duck Curve‘ – also der starke Einbruch der Nettolast am Mittag mit anschließend steilem Anstieg am Abend – verändert den Strommarkt fundamental“, sagte Krause.
Nach Einschätzung von BVT profitieren Batteriespeicher genau von dieser Entwicklung. Sie speichern überschüssigen Strom in Phasen niedriger Preise und speisen ihn später wieder ein, wenn Strom knapp und teuer ist. Dadurch stabilisieren sie nicht nur das Netz, sondern verbessern zugleich die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieanlagen.
Vor diesem Hintergrund arbeitet BVT an einem Publikums-AIF für Batteriespeicherinvestments. Der Fonds befindet sich laut Krause in Vorbereitung und soll Anlegern bereits ab 10.000 Euro Zugang zu dem Marktsegment ermöglichen.
Martin Kraus, Geschäftsführer BVT Unternehmensgruppe
Klassische Länderindizes stoßen an Grenzen
Tom Husmann, Leiter iShares EMEA Core Equity Produktstrategie & Plattforminitiativen bei BlackRock, referierte auf dem 2. Munich Fund Summit darüber, dass Investoren europäische Aktien neu entdecken – und warum klassische Länderindizes zunehmend an ihre Grenzen stoßen.
Europäische Aktien erleben laut Husmann an den ETF-Märkten eine Renaissance. Nachdem viele Anleger in den vergangenen Jahren vor allem auf die Dominanz amerikanischer Technologieaktien gesetzt hatten, rücke Europa wieder stärker in den Fokus. Gleichzeitig verändere sich die Art und Weise, wie Investoren europäische Märkte abbilden.
Tom Husmann, Leiter iShares EMEA Core Equity Produktstrategie & Plattforminitiativen bei BlackRock
Auffällig ist dabei insbesondere die Verschiebung hin zu granularen ETF-Strategien. Laut Husmann allokieren Anleger inzwischen verstärkt sowohl in breite Kernexposures als auch in sehr gezielte Investments. Innerhalb der europäischen ETF-Zuflüsse entfielen im ersten Quartal 2026 bereits 55 Prozent auf sogenannte präzise Strategien – nach lediglich 35 Prozent Ende 2025.
Grund: Viele europäische Konzerne erwirtschaften einen Großteil ihrer Erlöse außerhalb ihres Heimatmarktes. Umgekehrt seien Unternehmen mit derselben Börsennotierung mitunter völlig unterschiedlich von regionalen Entwicklungen betroffen. Genau darin sieht BlackRock ein bislang unterschätztes Diversifikationsrisiko.
Die von iShares gemeinsam mit STOXX entwickelten „Revenue Focus“-Indizes sollen deshalb die geografische Umsatzverteilung stärker berücksichtigen. Neben dem Börsenlisting fließt dabei laut Sahand Taghizadeh, Head of Investable Benchmarks , ein, in welchen Regionen Unternehmen tatsächlich ihre Cashflows erwirtschaften.
Nach Ansicht von Husmann ermöglicht diese Herangehensweise eine präzisere Sicht auf globale Diversifikation. Die Unterscheidung zwischen Unternehmen mit überwiegend heimischen Umsätzen und solchen mit internationaler Umsatzbasis mache unterschiedliche Risikoprofile und Performance-Muster innerhalb klassischer Benchmarks wie des STOXX Europe 600 sichtbar.
Zum Abschluss des zweiten Munich Fund Summit stellte Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, die Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf Wirtschaft und Kapitalmärkte in den Mittelpunkt. Trotz eines von Konflikten geprägten Umfelds zeigte er sich für Anleger verhalten optimistisch.
Im Fokus stehen der Iran-Konflikt und die strategisch bedeutende Straße von Hormus. „Wir alle kennen die Straße von Hormus – den wichtigste Fleck auf der Erde“, betonte Greil mit Blick auf den globalen Energiehandel. Rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports läuft über diese Route, deren Blockade die Märkte erheblich verunsichert.
Dennoch reagieren Aktienmärkte erstaunlich robust. Neue Höchststände in den USA zeigen, dass Investoren bereits auf eine Entspannung setzen. Greil sieht dafür klare Gründe: „Selten war es so spannend wie jetzt“, sagte er mit Blick auf die Gemengelage aus Politik, Inflation und Konjunktur.
Ein zentraler Faktor bleibt die Inflation, die durch steigende Energiepreise befeuert wird. Kurzfristig sei dies verkraftbar, langfristig drohe jedoch ein stagflationäres Szenario mit schwächerem Wachstum. Gleichzeitig sei die Weltwirtschaft heute deutlich weniger abhängig von Öl als in früheren Krisenphasen.
Für die Kapitalmärkte entscheidend ist laut Greil die politische Dynamik in den USA. Hohe Inflation könnte die Regierung im Vorfeld der Midterm-Wahlen unter Druck setzen und den Anreiz erhöhen, den Konflikt einzudämmen. Dies stützt das Basisszenario einer begrenzten Kriegsdauer und stabiler Märkte.
Anlegern empfiehlt Greil daher ein ausgewogenes Vorgehen: Aktien bleiben leicht übergewichtet, allerdings gepaart mit breiter Diversifikation und Fokus auf Qualität. Geopolitische Schocks führten historisch meist nur zu kurzfristigen Rückschlägen, bevor fundamentale Faktoren wieder dominieren.
Sein Fazit: Trotz hoher Unsicherheit bieten die Märkte weiterhin Chancen – vorausgesetzt, Investoren bleiben diszipliniert und breit aufgestellt.

Robert Greil, Chefstratege Merck Finck
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