Value Investing: Chancen abseits des Rampenlichts

Value Investing: Chancen abseits des Rampenlichts Bild: KI
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Günstig bewertete Aktien bringen immer auch Herausforderungen mit sich. Doch viele der Faktoren, die Value-Investoren vor zehn Jahren ausgebremst haben, spielen heute eine geringere Rolle.

28.10.2026 | 12:05 Uhr

Das sagt Shane Kelly, Fondsmanager für globale Value-Aktien bei M&G Investments. Er sieht gute Chancen, dass die 2020er-Jahre zum Jahrzehnt günstig bewerteter Vermögenswerte werden könnten. Der Wandel des Marktumfelds bestärke ihn in dieser Überzeugung.

Die Chancen für Value-Investoren beruhen Kelly zufolge auf einer einfachen Beobachtung: Wenn sich die Welt verändert, können sich auch die Unternehmen verändern, die davon profitieren. Geopolitische Unsicherheit führe häufiger zu Marktverwerfungen. Woher die nächste Krise kommen werde, sei zwar ungewiss. Doch Phasen erhöhter Volatilität könnten Chancen bieten, fundamental solide Unternehmen zu Kursen zu kaufen, in denen sich übertriebene Ängste widerspiegeln.

Das Dilemma mit den Tech-Giganten

Eines der größten Dilemmas für Anleger ist laut Kelly derzeit die Dominanz des Technologiesektors. Er macht einen sehr großen Teil der wichtigsten globalen Aktienindizes aus, während sich die Aktienmarktperformance zunehmend auf eine kleine Gruppe von Unternehmen konzentriert, die mit künstlicher Intelligenz in Verbindung stehen.

Obwohl Kelly im Technologiesektor nahezu durchgehend untergewichtet gewesen sei und diese Untergewichtung inzwischen so ausgeprägt sei wie nie zuvor, habe der Sektor einen erheblichen Beitrag zur Überrendite geleistet. Dahinter stünden allerdings einige schwierige Anlageentscheidungen. So hielt sein Team beispielsweise Aktien von Samsung Electronics und Seagate, als das Interesse der Anleger noch anderen Bereichen galt. Beide Unternehmen waren in zyklischen Geschäftsbereichen tätig, in denen die Erwartungen stark gesunken waren.

„Es gab keine Garantie dafür, dass sich die Marktstimmung schnell verbessern würde. An diesen Positionen festzuhalten, erforderte daher Geduld“, erklärt Kelly.

Entscheidend sei für ihn nicht, den genauen Auslöser für den künftigen Erfolg einer Aktie vorherzusagen. Vielmehr suche er nach soliden Unternehmen, deren Bewertung eine düstere Zukunft widerspiegele, bei denen die tatsächliche Entwicklung aber positiv überraschen könne. In diesen Fällen habe die steigende KI-bezogene Nachfrage genau für eine solche Überraschung gesorgt und eine kräftige Kurserholung sowie deutliche Kursgewinne der einzelnen Aktien unterstützt.

Chancen jenseits der offensichtlichen Gewinner

Die Lehre daraus sei für Kelly nicht, dem vorherrschenden Markttrend hinterherzulaufen. Vielmehr könne ein dominantes Thema auch abseits der offensichtlichen Gewinner interessante Chancen eröffnen. Während sich Kapital und Aufmerksamkeit auf die bekanntesten Profiteure konzentrierten, könnten andere Unternehmen übersehen oder falsch bewertet werden – selbst wenn sie von derselben grundlegenden Entwicklung profitierten.

Der KI-Trend scheine derzeit alles zu dominieren. Doch Kelly sieht als global investierender Fondsmanager auch zahlreiche andere Entwicklungen, die Chancen eröffnen. „Die Herausforderung besteht darin, dort weiterzusuchen, wo andere nicht hinschauen, anstatt sich vom Index oder der vorherrschenden Marktmeinung vorgeben zu lassen, wo wir suchen“, so Kelly.

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