Die Stimmung unter globalen Fondsmanagern hat sich deutlich eingetrübt. Die aktuelle BofA-Umfrage zeigt einen massiven Einbruch der Wachstumserwartungen und steigende Inflationssorgen – ohne dass die Angst vor einer Rezession dominiert.
14.04.2026 | 15:15 Uhr
Die globale Anlegerstimmung hat sich im April spürbar eingetrübt. An der jüngsten Global Fund Manager Survey der Bank of America beteiligten sich 192 Fondsmanager mit einem verwalteten Vermögen von rund 504 Milliarden US‑Dollar. Das Stimmungsbild fällt dabei so pessimistisch aus wie seit dem Sommer 2025 nicht mehr – insbesondere die Wachstumserwartungen brechen deutlich ein, während die Inflationssorgen kräftig zunehmen. Folge: Die Netto-Übergewichtung globaler Aktien sinkt von 37 auf nur noch 13 Prozent.
Wachstumserwartungen fallen auf Mehrjahrestief
Der Netto-Saldo der Fondsmanager, die für die kommenden zwölf Monate ein stärkeres globales Wirtschaftswachstum erwarten, ist im April auf minus 36 Prozent gefallen. Ein derart starker Rückgang wurde zuletzt im Frühjahr 2022 beobachtet. Gleichzeitig erwarten 69 Prozent der Befragten eine höhere globale Inflation – der höchste Wert seit Mitte 2021. Das makroökonomische Basisszenario vieler Investoren verschiebt sich damit klar in Richtung Stagflation: schwächeres Wachstum bei gleichzeitig erhöhtem Preisdruck.
Bemerkenswert ist allerdings, dass die Rezessionsangst dennoch begrenzt bleibt. Rund 70 Prozent der Fondsmanager halten eine globale Rezession in den kommenden zwölf Monaten weiterhin für unwahrscheinlich. Die Mehrheit geht von einer weichen Landung der Weltwirtschaft aus, während nur eine kleine Minderheit ein hartes Szenario erwartet.

Geldpolitik: Zinssenkungen rücken zeitlich nach hinten
Auch der Blick auf die Geldpolitik fällt differenzierter aus. Zwar rechnet eine Mehrheit der Befragten weiterhin damit, dass die US-Notenbank die Zinsen im kommenden Jahr senken wird. Gleichzeitig steigen jedoch erstmals seit Jahren die Erwartungen, dass die kurzfristigen Zinsen global eher zulegen könnten. Besonders für Europa hat sich die Stimmung gedreht: Ein signifikanter Teil der Investoren hält im nächsten Jahr sogar Zinserhöhungen der EZB für möglich.
Diese Verschiebung spiegelt sich auch in den Erwartung an die Zinsstrukturkurve wider. Die Aussicht auf eine steiler werdende Renditekurve ist stark zurückgegangen und liegt auf dem niedrigsten Niveau seit Ende 2022. Viele Anleger preisen damit ein, dass rasche und aggressive Zinssenkungen weniger wahrscheinlich werden.

Risikoaversion nimmt zu, Cashquote bleibt moderat
Trotz der deutlich eingetrübten Konjunkturerwartungen kam es bislang nicht zu einer Flucht in Liquidität. Die durchschnittliche Cashquoteder Fondsmanager liegt bei 4,3 Prozent und damit zwar auf dem höchsten Stand seit Mitte 2025, aber weiterhin unter früheren Stressniveaus. Auch die Allokation in Aktien wurde zwar reduziert, ist jedoch weiterhin im Übergewicht.
Die allgemeine Risikobereitschaft ist dennoch gesunken. Immer mehr Investoren geben an, Risiken unterhalb ihrer Benchmark einzugehen. Gleichzeitig steigen die Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems. Insbesondere Kreditrisikenund der stark wachsende Bereich der privaten Kreditmärkte werden als potenzielle Schwachstellen gesehen.

Geopolitik als zentrales Marktrisiko
Als größtes „Tail Risk“ nennen Fondsmanager erneut geopolitische Konflikte. Entsprechend hoch sind die Erwartungen für den Ölpreis: Im Durchschnitt rechnen Investoren mit einem Brent-Preis von rund 84 US-Dollar je Barrel bis Ende 2026. Öl ist damit – gemeinsam mit globalen Halbleiteraktien – einer der am stärksten überfüllten Trades am Markt.
Interessant aus konträrer Sicht: Laut Umfrageverantwortlichen könnte eine positiv überraschende Entwicklung im zweiten Quartal gerade von der Rohstoffseite kommen – etwa durch fallende Energiepreise, eine nachlassende Inflation und daraus resultierende Zinssenkungen. In diesem Szenario sehen Anleger vor allem Anleihen, konsumnahe Aktien, REITs und den japanischen Markt im Vorteil.

Umschichtungen bei Aktien und Regionen
Auf der Aktienseite zeigen sich deutliche regionale Verschiebungen. Besonders auffällig ist der Abbau von Japan-Aktien, erstmals seit Ende 2024 in größerem Umfang. Auch europäische Aktien und Banktitel wurden reduziert. Gleichzeitig kam es zu einer Eindeckung von US-Dollar-Short-Positionen, nachdem der Greenback zuvor stark untergewichtet war.
Schwellenländeraktien bleiben trotz der gestiegenen Unsicherheit weiterhin stark übergewichtet. Zudem haben Investoren ihre Positionen im Technologiesektor wieder ausgebaut, obwohl dort die Bewertungsdiskussion anhält. Eine klare Mehrheit der Fondsmanager sieht in KI-Aktien aktuell noch keine spekulative Blase, wenngleich der Anteil der Skeptiker zuletzt gestiegen ist. (pg)

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