Capital Group: US-Steuerreform - amerikanischer Aktien werden profitieren

Die historische Reform der US-Steuergesetze wird große Auswirkungen haben auf die US-Wirtschaft und die Finanzmärkte haben. Zu dieser Einschätzung kommen die Volkswirte und Analysten der Capital Group, die sich intensiv mit den Details der Reform beschäftigten.

13.03.2018 | 08:52 Uhr

Was bedeutet das Steuergesetz für die US-Wirtschaft?

Jared Franz, US-Volkswirt: Das Steuergesetz dürfte das US-Wirtschaftswachstum 2018 und 2019 fördern, durch höhere Konsum- und  Unternehmensausgaben. Im Median verdienen amerikanische Familien jährlich 59.000 US-Dollar. Viele Familien werden daher etwa 1.000 US-Dollar Steuern sparen. Nach fast zehn Jahren des Schuldenabbaus dürften die US-Verbraucher den Großteil davon ausgeben, statt ihn zu sparen. Hinzu kommt, dass die Kombination aus höheren Unternehmensgewinnen,

Investitionsanreizen und einer starken Weltkonjunktur das Wirtschaftswachstum wohl ebenfalls fördert. Wir erwarten, dass das amerikanische Bruttoinlandsprodukt um etwa 0,25 % steigt. Damit würde die US-Wirtschaft nächstes Jahr um 2,5 % bis 3 % wachsen, vor allem, wenn die Weltkonjunktur wie 2017 weiter zulegt.

Andererseits dürften durch die Steuersenkungen das US-Haushaltsdefizit und langfristig auch die Bundesschulden steigen, was ein Grund zur Sorge bleibt. Auch könnte die Fed die Zinsen unerwartet schnell anheben, wenn eine stärkere US-Konjunktur und steigender Konsum zu mehr Inflation führen. Nach wie vor erwarten wir niedrige Zinsen, zumindest im Vergangenheitsvergleich. Dennoch könnte die Fed die Leitzinsen allmählich schneller anheben, wenn eine Überhitzung der Wirtschaft droht oder die Inflation ihr 2 %-Ziel überschreitet.


(Quelle: Schätzungen der Capital Group)

Wie werden die Finanzmärkte auf die neuen Gesetze reagieren?

Elizabeth Mooney, internationale Bilanzanalystin: Wenn der Unternehmenssteuersatz von heute 35 % durch die Steuerreform auf 21 % sinkt, werden US-Unternehmen zu den größten Gewinnern zählen. Dies gilt vor allem für binnenorientierte Firmen, deren Gewinne durch die niedrigeren Steuern sofort steigen dürften. Wir haben untersucht, was eine Unternehmenssteuer von etwa 20 % bedeutet. Unser Ergebnis: Die Gewinne der S&P-500-Unternehmen legen durchschnittlich 10 % zu. Für US-Unternehmen sind das wirklich gute Nachrichten, sodass auch die Bewertungen amerikanischer Aktien steigen könnten. Außerdem dürften die Unternehmen von der günstigeren steuerlichen Behandlung von Investitionen und repatriierten Auslandsgewinnen profitieren. 

Wie viel Geld bringen die Unternehmen im Rahmen der Repatriierung in die USA zurück?

Dane Mott, internationale Bilanzanalystin: Wir schätzen, dass US-Unternehmen mit  Auslandsaktivitäten etwa 3,2 Billionen US-Dollar noch nicht ausgeschüttete Auslandsgewinne angehäuft haben. Aber das wird nicht alles zurückfließen. Für manche Unternehmen ist eine Repatriierung vielleicht nicht sinnvoll, je nachdem wie hoch ihre ausländischen Barmittel sind. Wir haben die steuerlichen Auswirkungen auf Hunderte von Unternehmen untersucht. Unserer Ansicht nach dürften höchstens etwa 1,5 Billionen US-Dollar repatriiert werden.

Wie werden Unternehmen die repatriierten Barmittel nutzen?

Mott: Das ist eine wichtige Frage, die wir bei einzelnen Unternehmen ansprechen werden. Ein Großteil der ausländischen Barmittel gehört übernahmefreudigen Technologie- und Gesundheitsfirmen. Natürlich entscheiden sich nicht alle Unternehmen gleich, aber vielleicht hilft uns ein Blick in die Vergangenheit. Bei einem ähnlichen Repatriierungsvorstoß im Jahr 2004 nutzten viele Unternehmen das Geld für Aktienrückkäufe und Dividenden. Jetzt ist Ähnliches zu erwarten. Möglich sind aber auch Übernahmen, Einzahlungen in die betriebliche Altersversorgung, Schuldenabbau und Expansion.Welche Sektoren zählen zu den größten Gewinnern und Verlierern?

Mooney: Wenn die Steuerreform so verabschiedet wird, werden nur wenige amerikanische Unternehmen schlechter dastehen. Aber sie profitieren unterschiedlich stark. Letztlich werden die größten Gewinner Unternehmen sein, die aus den niedrigeren Steuern höhere Gewinne machen. Zu den größten Gewinnern dürften Telekommunikations-, Medien- und Einzelhandelsunternehmen zählen. Da sie meist binnenorientiert sind, können sie die demnächst günstigere steuerliche Behandlung von Investitionen vollständig nutzen. Außerdem dürfte es ihnen weniger schaden, dass die Abzugsfähigkeit von Zinsen eingeschränkt wird.

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