
Zunehmende geopolitische Konflikte, die damit verbundenen Turbulenzen an den Energiemärkten sowie auseinanderlaufende Geldpolitik stellen Investoren vor neue Herausforderungen. Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern könnten in diesem Umfeld zwar an Attraktivität gewinnen, gleichzeitig würden jedoch die Anforderungen an die Allokation steigen. Peter Becker, Fixed Income Investment Director bei Capital Group, sieht deshalb aktives Management im Vorteil.
23.03.2026 | 08:52 Uhr
„Lokalwährungsanleihen bieten Investoren Wachstum, laufende Erträge und Diversifikation“, erklärt Becker. Insbesondere ihre vergleichsweise geringe Korrelation zu anderen Fixed-Income-Segmenten mache sie zu einem potenziell stabilisierenden Baustein im Portfolio.
Großer
Markt, aber begrenzte Abbildung in Indizes
Ein zentraler Punkt ist aus Sicht Beckers die Diskrepanz zwischen Marktgröße
und Indexabbildung. Während der Gesamtmarkt lokalwährungsbasierter
Schwellenländeranleihen rund 6,8 Billionen US-Dollar umfasse, würden gängige
Benchmarks lediglich etwa 2,6 Billionen US-Dollar abdecken. „Ein erheblicher
Teil der Anlagechancen liegt damit außerhalb der Indizes“, so Becker.
Schätzungen zufolge liege ein Großteil des investierbaren Universums – nahezu
90 Prozent – außerhalb gängiger Benchmarks.
Gleichzeitig seien viele passive Strategien strukturell verzerrt. Da Indizes nach Verschuldung gewichten, könne es zu Klumpenrisiken kommen. „Auch die Indexkonstruktion selbst ist nicht neutral, sondern beinhaltet implizite Allokationsentscheidungen“, erläutert Becker. So verschiebe sich die regionale Allokation deutlich: Der Anteil Asiens sinke von rund 80 auf 48 Prozent, während Lateinamerika von 10 auf 24 Prozent steige, verbunden mit deutlich höheren Renditeniveaus.
Renditen,
Risiken und eine wachsende Spreizung
Die Unterschiede zwischen einzelnen Schwellenländer-Regionen seien erheblich.
Während asiatische Märkte im Schnitt etwa 2,6 Prozent Rendite bieten würden,
lägen die Renditen in Lateinamerika bei rund 9,6 Prozent. „Diese Spreizung
zeigt, wie wichtig eine differenzierte Analyse ist“, sagt Becker.
Hinzu komme eine zunehmende Divergenz der Geldpolitik: „Viele Schwellenländer befinden sich bereits in einem reiferen Zinssenkungszyklus, während andere Länder weiterhin restriktiv agieren, oder, wie beispielsweise Brasilien, erst am Anfang von Zinssenkungen stehen“, erläutert der Experte.
Konzentrationsrisiken
und Ineffizienzen
Auch die Indexstruktur selbst könne Risiken bergen. So seien im Jahr 2025 mehr
als 45 Prozent der Rendite auf nur drei Länder entfallen: Mexiko, Südafrika und
Brasilien. „Solche Konzentrationen verdeutlichen, wie wichtig eine bewusste
Steuerung der Allokation ist“, betont Becker.
Zugleich entstünden durch Indexanpassungen und Marktmechaniken immer wieder Ineffizienzen, die aktive Investoren nutzen könnten. So habe etwa die Aufnahme indischer Staatsanleihen in wichtige Indizes mit einer schrittweisen Gewichtung von bis zu 10 Prozent zu spürbaren Verschiebungen in globalen Portfolios geführt – ein Umfeld, das aktiven Investoren zusätzliche Chancen eröffnen könne.
Währungen
und Renditetreiber differenzieren sich
Ein wesentlicher Faktor für die künftige Entwicklung seien die Währungen. Diese
hätten bis Anfang 2025 über Jahre hinweg tendenziell abgewertet, und lägen
trotz der Erholung im letzten Jahr noch immer nahe historisch günstiger
Bewertungsniveaus. „Langfristig kann sich daraus Aufwertungspotenzial ergeben;
allerdings nur bei selektiver Auswahl“, so Becker.
Zugleich würden die Erträge zunehmend von unterschiedlichen Faktoren getrieben. Insbesondere Zins- und Währungsentwicklungen hätten sich zuletzt deutlich auseinanderentwickelt. Auch die Wahl der Referenzwährung spiele eine Rolle: In Euro gerechnet hätten sich Währungsbewegungen zuletzt anders ausgewirkt als in US-Dollar.
Aktive Strategien könnten dabei verschiedene Hebel nutzen, von der Positionierung entlang der Zinskurve bis hin zur gezielten Steuerung und Absicherung von Währungsrisiken.
Volatilität
als neue Normalität
Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und schwankender
makroökonomischer Rahmenbedingungen dürfte die Volatilität erhöht bleiben.
Dabei unterscheide sich die Entwicklung jedoch deutlich zwischen einzelnen
Ländern und Märkten. Gleichzeitig nehme die Streuung der Erträge zu.
Für Becker ist dies jedoch nicht nur ein Risiko: „Gerade in einem Umfeld größerer Unterschiede zwischen Ländern entstehen zusätzliche Chancen für aktive Investoren“, erklärt er. Entscheidend sei dabei ein differenziertes Risikomanagement. „Zins- und Währungsrisiken müssen getrennt betrachtet und gezielt gesteuert werden“, so Becker.
Fazit: Mehr Differenzierung
erforderlich
Für Becker steht fest: Die zunehmende Fragmentierung der Märkte macht eine
differenzierte Herangehensweise unerlässlich. „Aktives Management bietet die
Möglichkeit, die wachsenden Unterschiede zwischen Ländern gezielt zu nutzen und
Portfolios robuster aufzustellen“, resümiert er.
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