BNP Paribas: War die Weltklimakonferenz ein Erfolg oder ein Misserfolg? - Teil 2

BNP Paribas: War die Weltklimakonferenz ein Erfolg oder ein Misserfolg? - Teil 2

Die COP26 in Glasgow war in vielerlei Hinsicht enttäuschend. Doch was kann man von einer so großen Konferenz überhaupt erwarten? Lesen Sie mehr über die positiven Seiten der Konferenz, ihre Ziele und was diese für Anleger bedeuten.

04.02.2022 | 07:20 Uhr

Rückschlag beim Kohleausstieg: Reduzierung statt Ausstieg

Die größte Enttäuschung war sicherlich, dass in letzter Minute die Einigung zum Kohleausstieg umformuliert wurde: Statt eines schrittweisen Ausstiegs (Phase-out) geht es jetzt nur noch um eine Reduzierung (Phase-down). Da der schrittweise Ausstieg aus der Kohle ein zentraler Bestandteil der Maßnahmen zum Schutz unseres Planeten ist, scheint die Frustration nachvollziehbar. Trotzdem stellt sich die Frage, ob es überhaupt realistisch war, von Staaten wie China oder Indien zu erwarten, einer solchen Verpflichtung zuzustimmen.

Kohle bedeutet Sicherheit in der Energieversorgung für viele Länder, die kaum andere Möglichkeiten haben. Hinzu kommt, dass der Energiebedarf vieler Schwellenländer steigt, und dies in Zeiten, in denen die Energieerzeugung ohne Kohle erfolgen soll. Vor diesem Hintergrund ist es als Erfolg zu werten, viele dieser Länder dazu bewegt zu haben, ihren Kohleverbrauch zu reduzieren. Natürlich braucht es mehr. Aber zunächst sind die Industrieländer in der Pflicht und müssen ihre Führungsrolle bei der Dekarbonisierung ausbauen, aber auch ihre Verpflichtungen zur Klimafinanzierung einhalten. Erst dann können sie umfassendere Schritte von ärmeren Ländern erwarten.

Das Klimaabkommen zwischen den USA und China – was zwischen den Zeilen steht

Es wurden nur wenige Einzelheiten über die Zusammenarbeit zwischen den USA und China im Bereich des Klimaschutzes bekannt gegeben, aber das Abkommen an sich hatte einen hohen Symbolwert. Denn diese beiden Länder sind zusammen für 40 Prozent der weltweiten Kohlenstoffemissionen verantwortlich.3 Außerdem sind die USA und China die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, weswegen ihr Potenzial im Kampf gegen den Klimawandel enorm ist, und beide Staaten bekunden erhebliche Ambitionen in diesem Bereich.

Es bleibt abzuwarten, ob diese neue Phase in der US-chinesischen Annäherung bloß darin besteht, dass sich die geopolitische Rivalität um das Feld des Klimawandels erweitert, oder ob damit eine Ära der Zusammenarbeit und des Austauschs von Know-how und Technologie eingeläutet wird. Mit Blick auf Umweltinvestitionen wäre eine Annäherung in den derzeit frostigen Beziehungen sehr zu begrüßen, da die anhaltende Unsicherheit und der Druck auf die Lieferketten hinderlich für Fortschritte in diesem Bereich sind.

Es ist ein Grund zu feiern, dass sich so viele echte Veränderung wünschen

Um die Klimaschutzdynamik zu stützen, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Weltklimakonferenz zwar sicherlich ihre Fehler hat, aber letztlich eine Initiative ist, die in die richtige Richtung zielt. Auch wenn sie vielleicht nicht allen Wünschen gerecht wurde, so hat sie sich doch als erfolgreiches Instrument erwiesen, um den Klimawandel neu anzugehen und dafür zu sorgen, dass die Debatte weitergeführt wird. Wichtig ist, dass Klimakonferenzen eine Bühne bieten, auf der Staaten zusammenkommen und Koalitionen der Willigen schmieden können, sodass sie nicht mehr gezwungen sind, die Herausforderungen des Klimawandels allein zu bewältigen.
Dennoch sind mit Blick auf die Netto-Null weitere Maßnahmen, auch auf lokaler Ebene, dringend nötig, um wirklich etwas zu bewirken. Die nationalen Anforderungen müssen schnell angehoben werden, und die Regierungen müssen entschlossener handeln, als sie dies bisher getan haben.

Was bedeutet das für Anleger? Steigt das Transitionsrisiko, etwa durch gestrandete Vermögenswerte?

Um Antworten auf diese Fragen zu erarbeiten, beteiligt sich BNP Paribas Asset Management als strategischer Partner an der Initiative Inevitable Policy Response (IPR), die sich auf politische Reaktionen auf den Klimawandel und deren Folgen für Investoren konzentriert. Ziel der Initiative ist es, auf Basis der wichtigsten klimapolitischen Maßnahmen, die wahrscheinlich in den 2020er-Jahren umgesetzt werden, ein Szenario zu entwickeln, das aufzeigt, welche Auswirkungen diese auf die Realwirtschaft und verschiedene Sektoren haben könnten.4

Im Wesentlichen geht es in dieser Initiative darum, die Phase des Übergangs zu konkretisieren und ein klareres Bild von den betroffenen Regionen, Sektoren und Zeitspannen zu zeichnen. So können wir als Investoren unsere Kunden besser dabei unterstützen, den Übergang optimal zu meistern und ihr Kapital in profitable und interessante Chancen mit dynamischem Wachstum zu investieren.

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