BNP Paribas: War die Weltklimakonferenz ein Erfolg oder ein Misserfolg? - Teil 1

BNP Paribas: War die Weltklimakonferenz ein Erfolg oder ein Misserfolg? - Teil 1

Die COP26 in Glasgow war in vielerlei Hinsicht enttäuschend. Doch was kann man von einer so großen Konferenz überhaupt erwarten? Lesen Sie mehr über die positiven Seiten der Konferenz, ihre Ziele und was diese für Anleger bedeuten.

03.02.2022 | 07:22 Uhr

Bereits auf dem Umweltgipfel 2002 in Johannesburg mahnte der ehemalige französische Staatspräsident Jacques Chirac: „Unser Haus brennt, und wir schauen weg. Die geschundene, ausgebeutete Natur kann sich nicht mehr regenerieren … Die Erde und die Menschheit sind in großer Gefahr, und wir alle sind dafür verantwortlich. “1

Böse Zungen könnten darin eine knappe Zusammenfassung der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow vermuten. Denn diese Veranstaltung war in vielerlei Hinsicht enttäuschend. Andererseits sollte man sich im Nachhinein auch fragen, ob nicht vielleicht die Erwartungen hinsichtlich des realistischerweise Erreichbaren zu hoch waren. Denn die Ergebnisse der Weltklimakonferenz stellen immer und zuallererst einen Kompromiss dar. 197 Mitglieder müssen einstimmig entscheiden – was, gelinde gesagt, ein Kraftakt ist. Vielleicht sollte man also vielmehr die Rolle überdenken, die eine Klimakonferenz spielen soll/kann? Vielleicht geht es auf einer solchen Zusammenkunft ja weniger darum, eindeutige Entscheidungen bei allen fokussierten Fragen zu liefern, und mehr darum, ein Forum zu bieten, um in Hinsicht auf kritische Fragen Druck aufzubauen, neue Ideen in die Welt zu bringen, innovative Wege zur Bekämpfung des Klimawandels zu eröffnen und Synergien zu schaffen unter denen, die für Veränderungen bereit sind?

Anstatt also die COP26 als Misserfolg abzutun, gilt es vielmehr, die Erfolge in den Fokus zu rücken. Auf dieser Basis lässt sich die unbestreitbare Dynamik, die die Konferenz in der breiten Öffentlichkeit erzeugt hat, möglicherweise besser nutzen – was nicht zuletzt auch der Wirkmacht künftiger Weltklimakonferenzen zugutekäme.

Die wichtigsten Ziele der Glasgower Konferenz

Die COP26 verfolgte vier Hauptziele. Um das Ergebnis der Veranstaltung fair zu bewerten, betrachten wir jedes dieser Ziele zunächst einzeln.

1. Verpflichtungen erweitern und Ziele für CO2-Neutralität festlegen

Die einzelnen Staaten sollten ihre aktuellsten (und besten) Netto-Null-Verpflichtungen präsentieren – beziehungsweise im Konferenzjargon ihre national festgelegten Beiträge (Nationally determined contributions; NDCs). Obwohl im Vorfeld und im Laufe der Veranstaltung eine Reihe von Zusagen gemacht wurde, war das Gesamtergebnis entmutigend. Die derzeitigen NDCs reichen einfach nicht aus, um die Netto-Null-Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Würden nur sie umgesetzt, so würde die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 2,7 Grad Celsius steigen.2 Dieses Ergebnis lässt sich kaum als Erfolg werten.

2. Den Klimaschutz beschleunigen und den Kampf gegen die Zerstörung von Natur und Biodiversität einbeziehen

Zu diesem Punkt gab es eine ganze Reihe von Erklärungen. Mehr als hundert Länder, darunter die USA, Japan und Kanada, haben sich verpflichtet, ihre Methan-Emissionen deutlich zu reduzieren. Vierzig Länder sagten außerdem zu, dass sie keine neuen Kohlekraftwerke aufbauen würden. Beide Verlautbarungen sind wichtig, allerdings zählten weder China noch Indien zu den Teilnehmern. Im Rahmen der „Beyond Oil and Gas Alliance“ einigten sich zwanzig Länder darauf, keine Lizenzen mehr für neue Öl- und Gasförderprojekte zu vergeben. Auch dies war sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, der aber ohne die großen Öl- und Gasförderländer erfolgte. Interessanterweise kündigten China und die USA ein gemeinsames Programm zur Kooperation beim Klimaschutz an, wenn auch ohne viele Details preiszugeben.

3. Dem Versprechen, 100 Milliarden Dollar jährlich für Klimaprojekte aufzubringen, zu seinem Recht verhelfen

Die vielleicht größte Enttäuschung dieser Klimakonferenz war wohl die Tatsache, dass die Industrieländer der von ihnen eingegangenen Verpflichtung nicht nachgekommen sind, 100 Milliarden US-Dollar jährlich an ärmere Staaten abzugeben, um diesen zu ermöglichen, sich an den Klimawandel anzupassen. Dieses gebrochene Versprechen untergräbt nicht nur die Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels insgesamt, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Konferenz selbst.

4. Die Rolle der nicht staatlichen Akteure im Wettlauf zu Netto-Null-Emissionen stärken

Dieses letzte Ziel hatte zweifellos den meisten Zuspruch. Städte, Unternehmen (einschließlich BNP Paribas Asset Management) und Investoren haben eine Reihe wichtiger Erklärungen verlautbart, die darauf zielten, gemeinsam auf eine kohlenstoffneutrale Welt hinzuarbeiten. Hier ist allerdings einschränkend zu bedenken, dass solche Verpflichtungserklärungen in der Regel keine konkreten Maßnahmen oder kurzfristigen Ziele enthalten und es deswegen keine Möglichkeit gibt, ihre Umsetzung zu kontrollieren oder zu quantifizieren. Letztlich sind es nur Worte.

Teil 2 lesen Sie am 04.02.2022

Diesen Beitrag teilen: