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Wird Covid-19 das Wasser-Ressourcenmanagement verbessern?

Wird Covid-19 das Wasser-Ressourcenmanagement verbessern?
Wird Covid-19 das Wasser-Ressourcenmanagement verbessern?
08/2020
Cecilia Tortajada und Asit K. Biswas
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Die Covid-19-Pandemie wird unser Verhalten, unsere Einstellungen und unsere Politik wohl in vielen Bereichen verändern. Um die öffentliche Gesundheitskrise zu überwinden und eine wirtschaftliche Erholung zu ermöglichen, muss man hoffen, dass Wasser- und Abwassermanagement dazu zählen.

04.08.2020 | 08:05 Uhr

Die Versorgung mit sauberem Wasser und die Gewährleistung eines einwandfreien Abwassermanagements sind seit Ende der 1970er Jahre ein globales Anliegen. Bedeutende Fortschritte in Richtung dieses Ziels wurden in den 1980er Jahren erzielt, als die Vereinten Nationen die internationale Dekade für Trinkwasserversorgung und Abwasserhygiene ausriefen. Doch das oberste Ziel – nämlich zu gewährleisten, dass jeder Mensch auf der Welt bis 1990 Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen verfügt – wurde nicht erreicht.

Mit einem weniger ambitionierten Millenniums-Entwicklungsziel unternahm die Welt im Jahr 2000 einen neuen Anlauf, den Anteil der Weltbevölkerung ohne nachhaltigen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen bis 2015 zu halbieren. Damals erklärte die Uno den Sieg, schloss jedoch in ihre Zählung alle ein, der überhaupt Zugang zu Wasser hatten – ob sauber oder nicht.

Die von den UN-Mitgliedern im Jahr 2015 verabschiedeten Ziele für nachhaltige Entwicklung sollten dort weitermachen, wo die Millenniums-Entwicklungsziele aufgehört hatten. Wieder bestand das Ziel in sauberem Wasser und angemessenen Sanitäranlagen für alle. Diesmal läuft die Frist bis 2030, aber wie in der Vergangenheit sind die Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg auch diesmal enorm.

Als die Ziele für nachhaltige Entwicklung vorgestellt wurden, schätzten die Vereinten Nationen, dass 785 Millionen Menschen weltweit nicht einmal Zugang zu „einfacher Trinkwasserversorgung“ hatten. Die tatsächliche Zahl lag wohl viel höher. Laut Angaben von Unicef und der Weltgesundheitsorganisation gibt es für etwa 2,2 Milliarden Menschen keine sichere Trinkwasserversorgung, und 4,2 Milliarden verfügen über keinen Zugang zu ordnungsgemäß verwalteter Abwasserentsorgung.

Verunreinigtes Wasser und unzureichende sanitäre Einrichtungen stehen in Zusammenhang mit der Übertragung von Krankheiten -  wie Cholera, Durchfall, Ruhr, Hepatitis A, Typhus und Polio – von denen jedes Jahr hunderte Millionen Menschen betroffen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass fast 25 Prozent der Gesundheitseinrichtungen weltweit nicht einmal Zugang zu einfachster Wasserversorgung haben. 

Dabei handelt es sich nicht um ein Problem der Entwicklungsländer. In den Vereinigten Staaten beispielsweise verfügen zwei Millionen Menschen über keinen Zugang zu Leitungswasser. Außerdem kann das Wasser, das bei den Menschen oftmals aus der Leitung fließt, nicht als sauber oder sicher bezeichnet werden: die aufsehenerregenden Fälle von Flint in Michigan und Walkerton in Kanada - wo Menschen aufgrund von verunreinigtem Wasser unter langfristigen Gesundheitsproblemen leiden und sogar vorzeitig sterben – machen dies mehr als deutlich.

Wenig überraschend beschädigten derartige Vorfälle das Vertrauen in die Wasserversorgungsunternehmen. Heute haben mindestens 3,5 Milliarden Menschen weltweit – sowohl in Industrie- als auch Entwicklungsländern – kein Vertrauen in das Wasser, das ihnen zur Verfügung gestellt wird.  In Südasien mit seinen 1,7 Milliarden Einwohnern gibt es keine einzige Stadt, wo die Menschen ihren Wasserversorgern trauen. Wer kann, verlässt sich auf Wasser in Flaschen oder auf vor Ort installierte Wasseraufbereitungssysteme.

Die Covid-19-Krise könnte einen Wendepunkt markieren. Ja, der universelle Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen ist seit Ende der 1970er Jahre ein Thema auf der Welt, aufgrund der aktuellen Pandemie entwickelte sich daraus jedoch ein allgemeines Interesse.  Obwohl häufiges Händewaschen weithin als eine der wirksamsten Möglichkeiten zur Eindämmung der Übertragung von Covid-19 gilt, mangelt es laut Schätzungen von Unicef und WHO drei Milliarden Menschen weltweit an entsprechenden Möglichkeiten, das auch zu tun. Und da die Pandemie den Zusammenhang zwischen sauberem Wasser und öffentlicher Gesundheit unterstreicht, liegt nun auch die Messlatte dafür, was als „sauber“ durchgeht, höher.

Die Covid-19-Krise verändert auch die Art und Weise, wie Menschen über Abwasser denken – eine Ressource, die in der Vergangenheit stark unterschätzt wurde. Wie einige Städte erkannten, kann fachgerecht behandeltes Abwasser für menschliche, industrielle, landwirtschaftliche und ökologische Zwecke genutzt werden. Abwasser ist auch eine wertvolle Energiequelle, aber nur sehr wenige Versorgungsunternehmen weltweit nutzen es auf diese Weise.

Insgesamt weisen Städte in den Industrieländern hinsichtlich der Sammlung und Behandlung von Abwasser eine viel bessere Bilanz auf, aber auch sie schöpfen ihr volles Potenzial nicht aus. Wie die WHO festgestellt hat, kann die Analyse der Abwasser-Zusammensetzung wertvolle Informationen über Krankheitserreger und Chemikalien auf Bevölkerungsebene liefern.  Im Jahr 1989 führte Israel die Abwasserüberwachung ein, um die Ausbreitung von Poliovirus-Stämmen zu untersuchen, die Poliomyelitis verursachen können.  

Nun entwickelt sich die Abwasseranalyse zu einer wichtigen Methode, um die Ausbreitung von Covid-19 in Kommunen zu beurteilen. Verunreinigtes, unbehandeltes Abwasser birgt  offenbar kein Übertragungsrisiko. Aber es dient als Mittel zur Messung von Infektionsraten in den betroffenen Gemeinden und stellt ein mögliches Frühwarnsystem für neue Ausbrüche dar.

In den Niederlanden wurden sechs Tage vor der Bekanntgabe des ersten Krankheitsfalles Spuren des Covid-19-Coronavirus in unbehandeltem Abwasser nachgewiesen. In der Schweizer Stadt Lugano wurden in unbehandeltem Abwasser Virus-Spuren nachgewiesen, als erst ein bestätigter Fall vorgelegen war und in Zürich entdeckte man das Virus im Abwasser nach lediglich sechs Infektionen. Die Abwasserüberwachung ergab auch, dass die Krankheitsübertragung in der spanischen Stadt Valencia früher einsetzte als bisher angenommen.

In Australien, wo das Virus ebenfalls in unbehandeltem Abwasser nachgewiesen wurde, plant man nun routinemäßig Tests durchzuführen, um gegen Ausbrüche gewappnet zu sein.  Tokio hat bereits damit begonnen, wöchentlich Proben aus unbehandelten und behandelten Abwässern zu entnehmen. Diese Proben aus 15 Kläranlagen sollen eingefroren und gelagert werden, bis Methoden zur Extraktion und Analyse des Virus etabliert sind. In Singapur hat die nationale Umweltbehörde National Environment Agency ein Pilot-Überwachungsprogramm ins Leben gerufen, um Proben aus Abwässern zu untersuchen. Von entscheidender Bedeutung dabei ist, dass derartige Ansätze nur an Orten funktionieren, wo die Sammlung und Behandlung des Abwassers effektiv gestaltet sind.

Wahrscheinlich wird die Covid-19-Krise die Nachfrage nach sauberem, sicherem Wasser und einer zuverlässigeren und effektiveren Abwasserbehandlung überall erhöhen. Dies könnte den Fortschritt in Richtung der Ziele nachhaltiger Entwicklung für Wasser und Abwasser beschleunigen. Doch der Erfolg ist bei weitem nicht garantiert, schon allein deshalb, weil die Pandemie auch einen weiteren Trend zu verstärken scheint: das sinkende Vertrauen in die öffentlichen Institutionen. Um dies zu ändern, müssen Wasserversorgungsunternehmen auf der ganzen Welt ihre Praktiken in den Bereichen Management und Kommunikation deutlich verbessern.

Über die Autoren 

Cecilia Tortajada

Cecilia Tortajada ist Chefredakteurin des International Journal of Water Resources Development sowie Senior Research Fellow am Institute of Water Policy an der National University in Singapur.

Asit K. Biswas

Asit K. Biswas ist Gastprofessor an der Universität Glasgow.

Copyright: Project Syndicate

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