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Für einen gerechteren und umweltfreundlicheren Wiederaufbau

Für einen gerechteren und umweltfreundlicheren Wiederaufbau
Für einen gerechteren und umweltfreundlicheren Wiederaufbau
11/2020
Pamela Coke-Hamilton
Project Syndicate

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Ebenso wie Landwirte den Anbau für die nächste Saison planen, müssen wir nun die Saat für eine unseren Vorstellungen entsprechende postpandemische Zukunft ausbringen.

13.11.2020 | 10:00 Uhr

Das bedeutet, Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Erholung zu stellen und eine integrativere Entwicklung durch „guten Handel” zu fördern. Die größte Herausforderung besteht in der wirtschaftlichen Ungleichheit – nicht nur zwischen und innerhalb von Ländern. Covid-19 hat insbesondere das Ausmaß der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aufgezeigt, wobei Frauen am meisten unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie leiden.

Untersuchungen des International Trade Centre zeigen, dass fast 65 Prozent der von Frauen geführten Kleinunternehmen in 120 Ländern von der Krise stark betroffen sind (verglichen mit lediglich etwas mehr als der Hälfte der von Männern geleiteten Firmen). Am stärksten trifft es Sektoren, in denen überwiegend Freuen beschäftigt sind - darunter Einzelhandel, Gastgewerbe, Tourismus sowie handwerkliche Fertigung und die Leichtindustrie.

Außerdem bedeuten beschleunigte Digitalisierung und Verlagerungen in der Konfiguration der Lieferketten, dass Unternehmerinnen überall - vor allem aber in Entwicklungsländern - mit zusätzlichen Hindernissen konfrontiert sind. Diese reichen vom Zugang zu Informationen und Ressourcen bis hin zum Erwerb neuer Kompetenzen und dem Aufbau von Netzwerken.

In einem kürzlich in der Financial Times erschienenen Kommentar fordert Linda Scott von der Saïd Business School der Universität Oxford ein Ende des „Männermonopols“ im internationalen Handel. Wenn die Frauen zu bedeutenden Akteuren der wirtschaftlichen Erholung werden würden, so ihr Argument, „ergäben sich daraus unzählige Vorteile und man könnte das Leiden erheblich verringern.“ Die erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderung würde Unternehmerinnen in neue globale Wertschöpfungsketten eingliedern und ihnen helfen, moderne Produktstandards zu erfüllen und die zunehmenden Möglichkeiten des elektronischen Handels zu nutzen.

Überdies muss die Erholung nach der Pandemie nachhaltig sein – und die Wirtschaft reagiert darauf. Im vergangenen Monat begrüßten über 20 führende Unternehmen von Adidas bis Unilever die Initiative der Europäischen Union zur Einführung neuer verbindlicher Standards hinsichtlich der Förderung von Nachhaltigkeit, während mehr als 1.000 CEOs eine Erklärung der Vereinten Nationen unterzeichneten, in der zu einer erneuerten globalen Zusammenarbeit aufgerufen wurde.

Auch politische Entscheidungsträger verknüpfen die Erholung nach Covid zunehmend mit Klimaschutz – wie die Bedingungen der französischen Regierung zur Rettung von Air France und Renault zeigen. Im Rahmen der jüngsten UN-Generalversammlung verkündete China seine Absicht, vor dem Jahr 2060 CO2-neutral sein zu wollen und rief alle Länder auf, „eine grüne Erholung der Weltwirtschaft in der Zeit nach Covid-19 anzustreben.”

Führende Politiker Europas, Lateinamerikas, der Karibik und des pazifischen Raums stellen Klimaschutz und integrative Entwicklung in den Mittelpunkt ihrer wirtschaftlichen Wiederaufbaupläne nach der Pandemie. Manche unter ihnen, wie etwa die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern haben zugesagt, ihre Covid-19-Gegenmaßnahmen mit dem Klimaschutz zu verknüpfen. Unterschiedliche Ausformungen neuer Green Deals gewinnen weltweit an Zugkraft.

Im September stellte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, Pläne vor, die Treibhausgasemissionen der EU bis 2030 um 55 Prozent zu senken. Schon zuvor hatte Frankreich einen 100-Milliarden-Euro schweren Wiederaufbauplan verabschiedet, im Rahmen dessen 30 Milliarden Euro für die Förderung des Übergangs zu einer grünen Wirtschaft vorgesehen sind.

Die Stimmung ändert sich also. Die Welt sucht nach Wegen, um zu einem guten Handel umzuschwenken, der sich sauberer, gerechter und schockresistenter gestaltet. Bei diesen neuen Programmen darf jedoch nicht auf die Unterstützung kleinster, kleiner und mittlerer Unternehmen vergessen werden – die viele Frauen beschäftigen und die vielfach auch von Frauen geleitet werden – da diese an globalen Wertschöpfungsketten beteiligt sind und die lokale Wirtschaft vorantreiben.

So löst beispielsweise der EU-Vorschlag eines CO2-Anpassungsmechanismus an den Grenzen für ausgewählte Sektoren – den von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union hervorhob – in den Entwicklungsländern Besorgnis aus. Die Boston Consulting Group ist der Ansicht, ein derartiges Regime würde bedeuten, dass „nichteuropäische Unternehmen, die bisher unter geringem Regulierungsdruck standen, ihre Emissionen zu erfassen, zu melden und zu kontrollieren, diese Fähigkeiten rasch aufbauen und sich mit Nachdruck darum bemühen müssten, ihren Rückstand aufzuholen, um in Europa wettbewerbsfähig zu bleiben.”

Aus diesem Grund könnte beispielsweise ein europäisches Papierunternehmen, das den Bestimmungen des Anpassungsmechanismus gerecht wird, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber einem, derzeit nach Europa exportierenden asiatischen oder afrikanischen Unternehmen im gleichen Sektor erlangen. Die internationale Gemeinschaft muss ein umfassenderes Verständnis dafür entwickeln, wie eine sauberere, gerechtere Welt geschaffen werden kann, und sie muss mit Partnern aus dem öffentlichen und privaten Sektor auf gemeinsame Ziele hinarbeiten.

Hinsichtlich der Wertschöpfungsketten drängen Klein- und Mittelbetriebe selbst die Branchen, sich den Herausforderungen aufgrund der Einhaltung sozialer und ökologischer Vorgaben zu stellen und die „Audit-Müdigkeit“ zu reduzieren. Initiativen wie das im Bekleidungs- und Schuhsektor eingesetzte Social and Labor Convergence Program können durch bescheidene Beträge finanziert und von einer neutralen, nicht gewinnorientierten Organisation verwaltet werden. Auf diese Weise ist es möglich, effiziente, skalierbare und nachhaltige soziale Beurteilungen über Branchen und Wertschöpfungsketten hinweg zu erstellen und glaubwürdige und vergleichbare Daten zu liefern. Dieses Modell setzt für Firmen Ressourcen frei, um Arbeitsbedingungen und Prozesse zu verbessern – und es könnte sich in Entwicklungsländern für Erfüllungskontrollsysteme in der Zeit nach Covid eignen.

Hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit unterstützt eine wachsende Zahl an Unternehmen wie UPS, MasterCard, Visa, Procter & Gamble und eBay weibliches Unternehmertum durch Diversifikationsprogramme für Lieferketten, Mentoring, Programme für den Kapazitätsaufbau und zielgerichtete Leistungen. Diese Initiativen haben ihren Einflussbereich durch die Nutzung des Fachwissens und der Netzwerke internationaler agierender Unternehmen sowie lokaler Institutionen vergrößert und Ressourcen erschlossen, die staatlichen Stellen oft fehlen. Überdies können sie flexibel und marktorientiert eingesetzt werden.

Die vielen durch Covid-19 zutage geförderten Ungerechtigkeiten sind zunehmend schwer zu ignorieren. Wir verfügen über eine einmalige Gelegenheit, den Wiederaufbau mutig anzugehen und dabei Geschlechtergerechtigkeit, soziale Verantwortung und Umweltschutz in den Mittelpunkt unserer Pläne zu stellen. Mit der bewussten und strategischen Ausrichtung auf diese Fragen könnte die Saat von heute in Zukunft aufgehen und die Ernte reicher ausfallen als in der Vergangenheit.

Über die Autorin

Pamela Coke-Hamilton

Pamela Coke-Hamilton ist Exekutivdirektorin des in Genf ansässigen Internationalen Handelszentrums (ITC), einer gemeinsamen Agentur der Vereinten Nationen und der Welthandelsorganisation.

Copyright: Project Syndicate

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